Jobdaten-Schock beflügelt Weltbörsen

Enttäuschender US-Arbeitsmarktbericht senkt Zinserhöhungserwartungen und treibt Börsen auf Rekordhochs. Gemischte PMI-Daten aus Schwellenländern trüben Konjunkturausblick.

Felix Baarz ·
KOSPI Aktie

Kurz zusammengefasst

  • US-Jobwachstum weit unter Prognosen
  • Fed-Zinserhöhung im September unwahrscheinlicher
  • DAX und Stoxx 600 auf Rekordniveau
  • Dollar schwächelt, Yen erholt sich

Ausgerechnet schwache US-Arbeitsmarktdaten sorgen weltweit für gute Laune an den Weltbörsen. Der Grund: Anleger rechnen nun kaum noch mit einer baldigen Zinserhöhung der Fed. Gleichzeitig zeichnen frische Einkaufsmanagerindizes aus Südafrika, Indien und China ein widersprüchliches Bild der globalen Konjunktur – zwischen zäher Erholung und deutlicher Abkühlung.

Der US-Arbeitsmarktbericht vom Donnerstag war der Auslöser der Woche. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft stieg im Juni nur um 57.000 – weit unter den erwarteten 110.000. Die Erwerbsquote fiel auf ein Fünf-Jahres-Tief von 61,5 Prozent. Kein Wunder also, dass Händler ihre Wetten auf eine Fed-Zinserhöhung im September deutlich zurückfuhren: Die Wahrscheinlichkeit sank laut CME FedWatch von 64 auf 52 Prozent.

Weltbörsen trotzen der Konjunkturunsicherheit

Der Stoxx 600 markierte am Freitag ein Rekordhoch und steuerte auf seinen besten Wochengewinn seit Mitte Mai zu. Auch der deutsche Leitindex DAX kletterte um 0,9 Prozent auf ein Allzeithoch. Angetrieben wurde die Rally von zyklischen Werten – Industrie, Banken und Rüstungsaktien legten kräftig zu, nachdem Russland die Ukraine mit dem schwersten Angriff des Jahres bombardiert hatte und Anleger höhere Verteidigungsausgaben einpreisen.

Siemens sprang um 1,2 Prozent, nachdem Kepler Cheuvreux die Aktie von „Reduce“ auf „Hold“ hochgestuft hatte. Der französische Gutschein-Anbieter Pluxee gewann sogar 6,4 Prozent nach einem besser als erwarteten Umsatzrückgang im dritten Quartal.

Auch in Asien griffen Anleger zu. Der MSCI All-Country World Index legte binnen einer Woche um 1,7 Prozent zu – die beste Woche seit Anfang Mai. Rückenwind kam von überraschend robusten PMI-Daten aus China, Japan, Australien und Singapur, die eine solide Expansion in der Region signalisierten. Der südkoreanische Kospi führte die Gewinne an, während Investoren Zweifel an Metas KI-Fortschritten – CEO Mark Zuckerberg hatte intern Rückstände beim Thema „agentische KI“ eingeräumt – weitgehend ignorierten.

Dollar gerät unter Druck, Yen atmet auf

Die schwachen Jobdaten trafen den Dollar hart. Der Dollar-Index steuerte auf den größten Wochenverlust seit fast drei Monaten zu, nachdem er bereits am Donnerstag um 0,5 Prozent nachgegeben hatte. Der Euro kletterte in die Nähe seines Zwei-Wochen-Hochs bei 1,1442 Dollar, das Pfund war mit 1,3361 Dollar auf dem besten Wochenweg seit fast drei Monaten.

Auch der japanische Yen profitierte von der Dollarschwäche und erholte sich von mehrjährigen Tiefs, nachdem Tokio offenbar seine Interventionsstrategie verschärft hat – weniger Vorwarnungen, dafür gezieltere Eingriffe gegen Spekulanten. Bank-of-Japan-nahe Stimmen mahnten unterdessen weitere moderate Zinserhöhungen an, um den Yen-Verfall zu korrigieren.

Fed-Vertreterin Mary Daly brachte die Zwickmühle der Notenbank auf den Punkt: Die Geldpolitik sei „leicht restriktiv“, doch angesichts eines „außergewöhnlich starken“ KI-Investitionsbooms und eines stabilen Arbeitsmarkts sei der nächste Schritt völlig offen. Sie warnte davor, angesichts der raschen wirtschaftlichen Umwälzungen durch Künstliche Intelligenz voreilig zu handeln – ein Muster, das die Fed-Kommunikation seit dem Sintra-Gipfel prägt, wo Fed-Chef Kevin Warsh betont hatte, im Kampf gegen die seit sechs Jahren über dem Zielwert liegende Inflation nicht nachzulassen.

PMI-Daten: Zwischen Aufatmen und Alarmzeichen

Während die Finanzmärkte auf die US-Zinswende starren, liefern die Einkaufsmanagerindizes aus den Schwellenländern ein deutlich nüchterneres Konjunkturbild. In Südafrika kehrte der Privatsektor im Juni knapp zum Wachstum zurück – der PMI stieg von 49,6 auf 50,5 Punkte. Getragen wurde die Erholung vor allem von robusten Einstellungen, während Produktion und Auftragseingänge bereits den zweiten Monat in Folge schrumpften. Immerhin: Die Inputpreisinflation kühlte nach einem 46-Monats-Hoch spürbar ab. Der Ausblick der Unternehmen bleibt dennoch trüb – der Optimismus fiel auf den niedrigsten Stand seit fast fünf Jahren.

Noch deutlicher zeigt sich die Abkühlung in Indien. Der HSBC-Dienstleistungs-PMI fiel im Juni auf 57,4 Punkte – ein 17-Monats-Tief – nachdem die Inlandsnachfrage spürbar nachgelassen hatte. Die Neuaufträge wuchsen so langsam wie seit November 2023 nicht mehr, und nur rund ein Prozent der Firmen stellte zusätzliches Personal ein – ein starker Kontrast zur regen Einstellungsdynamik im April und Mai. Immerhin sorgten Exportaufträge, die so schnell wie seit drei Monaten nicht mehr zulegten, für etwas Entlastung. Der zusammengefasste Composite-PMI rutschte auf den niedrigsten Stand seit März.

China dagegen überraschte positiv: Der private RatingDog-Dienstleistungs-PMI fiel zwar leicht von 54,4 auf 54,1 Punkte, übertraf damit aber die Erwartungen von 53,0 deutlich. Sowohl Inlands- als auch Auslandsnachfrage legten zu, wobei die Dienstleistungsexporte so kräftig wuchsen wie seit Oktober 2024 nicht mehr. Anders als die offiziellen, auf große Staatsbetriebe fokussierten PMI-Zahlen zeichnet die private, exportorientierte Erhebung ein deutlich freundlicheres Bild der chinesischen Wirtschaft.

Ausblick

Die Gemengelage bleibt vertrackt: Robuste Aktienmärkte und ein schwacher Dollar signalisieren Erleichterung über eine vermeintlich mildere Fed. Gleichzeitig zeigen die PMI-Daten aus Südafrika und Indien, dass die reale Wirtschaft in wichtigen Schwellenländern spürbar an Fahrt verliert, während China überraschend Stärke zeigt. Ob die Rally an den Weltbörsen trägt, dürfte sich an den kommenden US-Konjunkturdaten entscheiden – und daran, ob die Fed unter dem Eindruck der KI-Investitionswelle tatsächlich stillhält oder doch früher als gedacht reagiert.

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