JPMorgan, BlackRock, Brent: Wer die Berichtssaison gewinnt und wer den Ausblick verliert

JPMorgan und Wells Fargo verlieren trotz starker Quartalszahlen, da der Markt auf vorsichtige Prognosen reagiert. BlackRock und Evonik überzeugen mit operativer Stärke.

Eduard Altmann ·
JPMorgan, BlackRock, Brent: Wer die Berichtssaison gewinnt und wer den Ausblick verliert

Kurz zusammengefasst

  • Bankenkurse fallen trotz Rekordgewinnen
  • Ölpreisrückgang löst Krypto-Short-Squeeze aus
  • BlackRock mit starkem Umsatz- und Gewinnwachstum
  • IWF senkt deutsche Wachstumsprognose erneut

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern empfahl ich Ihnen, bei JPMorgan und Wells Fargo auf die Kreditrückstellungen zu achten. Die Zahlen liegen vor. Die Gewinne glänzen – und die Kurse fallen trotzdem. Doch der eigentliche Stoff dieses Dienstags liegt woanders: in der Frage, warum ausgerechnet die Entspannung am Ölmarkt einen 400-Millionen-Dollar-Tsunami im Kryptomarkt auslöste, während der IWF Deutschlands Wachstumshoffnungen ein weiteres Mal zusammenstutzt.

Brent unter 100 Dollar – und Bitcoin über 75.000

Die Nachrichtenlage hat sich seit gestern gedreht. Am Montag trieb die Hormus-Blockade den Ölpreis über 100 Dollar, am Dienstag drücken ihn diplomatische Signale wieder darunter. US-Vizepräsident Vance sprach von iranischen Zugeständnissen, Präsident Trump deutete einen möglichen Friedensdeal an. Brent notiert zuletzt bei 97,45 Dollar – ein Rückgang von zwei Prozent. Zur Einordnung: Am 7. April stand US-Rohöl noch bei über 117 Dollar.

Der überraschendste Profiteur dieser Entspannung sitzt nicht am Ölmarkt, sondern in den Krypto-Orderbüchern. Die Friedenshoffnungen lösten einen massiven Short-Squeeze aus: Über 400 Millionen Dollar an Leerverkaufspositionen wurden binnen 24 Stunden liquidiert. Bitcoin bewegt sich wieder um die 75.000-Dollar-Marke, während Großinvestoren wie Strategy Inc. unbeeindruckt weitere 330 Millionen Dollar nachschießen. Die Lektion: Geopolitische Risikoprämien können sich schneller auflösen als sie aufgebaut wurden – und wer auf der falschen Seite der Wette steht, zahlt in Stunden, was er in Wochen aufgebaut hat.

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16,5 Milliarden Dollar Gewinn – und drei Prozent Kursverlust

Nun zu den Bankbilanzen, die gestern im Mittelpunkt standen. JPMorgan legte Quartalszahlen vor, die auf dem Papier makellos aussehen: 16,5 Milliarden Dollar Gewinn, ein Umsatzsprung auf über 50,5 Milliarden Dollar, Rekorderlöse im Handelsgeschäft. Die Aktie verlor vorbörslich rund drei Prozent.

Das Muster wiederholt sich. Am Montag Goldman Sachs mit Rekordgewinn und vier Prozent Kursverlust. Am Dienstag JPMorgan mit Rekordgewinn und drei Prozent Kursverlust. Der Grund ist derselbe: der Ausblick. CEO Jamie Dimon senkte die Prognose für den Nettozinsertrag 2026 von 104,5 auf 103 Milliarden Dollar und warnte vor den Folgen wachsender Haushaltsdefizite und volatiler Energiepreise. Auch Wells Fargo büßte nach seinen Zahlen über drei Prozent ein. Der Markt kauft keine Vergangenheit mehr – er bewertet Zukunft. Und die sieht nach Dimons Einschätzung komplizierter aus als die Gegenwart.

BlackRock, Evonik und die Frage der Preismacht

Abseits der Banken zeigt die Berichtssaison, wo echte operative Stärke liegt. BlackRock meldete am Dienstag ein Umsatzplus von 25 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie stieg um 46 Prozent auf 14,06 Dollar. Die Aktie legte 3,5 Prozent zu. Hier stimmt beides: Gegenwart und Erwartung.

Auch in der deutschen Industrie gibt es Unternehmen, die ihre Preise durchsetzen können. Der Spezialchemiekonzern Evonik liefert trotz des schwachen europäischen Umfelds solide Zahlen: 1,84 Milliarden Euro EBITDA für 2025, eine Dividendenrendite von 5,7 Prozent für 2026. Jefferies hat die Aktie gestern hochgestuft. Das passt ins Bild: Der IWF senkte am Dienstag seine Wachstumsprognose für Deutschland 2026 erneut – auf 0,8 Prozent. Die Bundesregierung plant einen Tankrabatt von 17 Cent ab dem 1. Mai. Doch staatliche Entlastungsprogramme ändern nichts an der Grundfrage, die diese Berichtssaison beantwortet: Welche Unternehmen können steigende Inputkosten an ihre Kunden weitergeben – und welche nicht?

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Lucid, Uber und ein neuer Anlauf

Ein kurzes Schlaglicht auf die zweite Reihe: Lucid Motors legte am Dienstag um 7,5 Prozent zu. Der Elektroautobauer hat mit Silvio Napoli einen neuen CEO und mit Uber einen Partner, der mehr als 35.000 Fahrzeuge abnehmen will. In einem Markt, der Verlierer schnell aussortiert, ist das ein beachtliches Lebenszeichen.

Die Quintessenz

Zwei Tage Berichtssaison, zwei Muster. Erstens: Rekordgewinne bei Banken reichen nicht mehr – der Markt bestraft jeden Hauch von Vorsicht im Ausblick. Zweitens: Unternehmen mit operativer Preismacht wie BlackRock oder Evonik werden belohnt, weil sie beweisen, dass sie auch in einem Umfeld aus 0,8 Prozent Wachstum und 97-Dollar-Öl profitabel arbeiten können. Die Berichtssaison hat gerade erst begonnen, aber die Sortierung läuft bereits.

Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann

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