JPMorgan katapultiert Tesla-Kursziel hoch — BYD, VW und Mercedes unter Druck
JPMorgan erhöht Tesla-Kursziel um 227 Prozent. BYD meldet Rekordexporte, VW sichert Batterien und Mercedes kämpft mit Margen.

Kurz zusammengefasst
- Tesla-Kursziel von JPMorgan auf 475 Dollar angehoben
- BYD erzielt Rekord bei Auslandslieferungen
- Volkswagen schließt Batteriedeal mit Samsung SDI
- Daimler Truck profitiert von Lkw-Markterholung
Ein einzelner Analystenstift hat am Freitag den gesamten Autosektor elektrisiert. JPMorgan-Analyst Rajat Gupta hob sein Tesla-Kursziel von 145 auf 475 US-Dollar an — eine Revision um über 227 Prozent. Gleichzeitig stufte er die Aktie von „Underweight“ auf „Neutral“ hoch. Während Tesla mit der Robotaxi-Expansion Schlagzeilen macht, kämpfen BYD, Volkswagen und Mercedes-Benz an völlig anderen Fronten. Ein Überblick über fünf Autotitel, die unterschiedlicher kaum aufgestellt sein könnten.
Tesla: Robotaxi-Offensive trifft auf historisches Upgrade
Teslas fahrerloser Ride-Hailing-Dienst wurde am 3. Juni auf das gesamte Stadtgebiet von Austin ausgeweitet. Rund 245 Quadratmeilen in Zentraltexas sind nun abgedeckt — das zwölffache der ursprünglichen Startzone. Dallas, Houston und die Bay Area bedient der Dienst bereits.
Für JPMorgan ist genau diese Skalierung der entscheidende Faktor. Analyst Gupta begründet sein neues Kursziel mit Teslas vertikaler Integration über Hardware und Software, die er als „auf industrieller Ebene unerreicht“ bezeichnet. Rund 10 Milliarden gefahrene FSD-Meilen und etwa 9 Millionen Tesla-Fahrzeuge weltweit schaffen laut JPMorgan erhebliche Netzwerkeffekte.
Trotzdem schloss die Aktie am Freitag bei 339,20 Euro — ein Tagesverlust von knapp 5,9 Prozent. Auf Wochensicht beträgt das Minus über 9 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 382 signalisiert, wie viel Zukunftserwartung bereits eingepreist ist. Barclays-Analyst Dan Levy hielt an seiner deutlich konservativeren Einschätzung mit einem Kursziel von 360 US-Dollar fest. Die Diskrepanz zwischen den Häusern könnte kaum größer sein.
BYD: Rekord-Exporte und die Eroberung Australiens
Während Tesla seine Software-Story ausbaut, setzt BYD auf pure Volumen-Expansion. Im Mai 2026 lieferte der chinesische Hersteller 160.644 Fahrzeuge ins Ausland — ein neuer Rekordwert und ein Plus von über 80 Prozent zum Vorjahr. Nach acht Monaten rückläufiger Gesamtjahreszahlen verzeichneten die globalen Absätze erstmals wieder ein leichtes Wachstum.
Australien entwickelt sich dabei zum Mustermarkt. Bereits im April war BYD die zweitstärkste Automarke des Landes mit 7.702 verkauften Fahrzeugen — ebenfalls ein Allzeithoch. Für das Gesamtjahr zeichnet sich ein Absatz von rund 70.000 Einheiten ab. BYD-Manager Liu Xueliang sprach von einer „neuen Normalität“ statt einem vorübergehenden Trend.
An der Börse spiegelt sich die Dynamik allerdings nicht wider. Die in Europa gehandelte Aktie notierte am Freitag bei 9,84 Euro, nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von gut 10 Prozent. CITIC Securities bekräftigte zwar eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 130 Hongkong-Dollar. Der heimische Markt in China bereitet indes Sorge: nachlassende Subventionen, sinkende Margen und stagnierende Inlandsvolumina belasten die Bewertung.
Volkswagen: Samsung-Deal sichert Batterie-Nachschub
Volkswagens wichtigste Nachricht der Woche war kein Absatzbericht, sondern ein Liefervertrag. Samsung SDI hat einen Großauftrag zur Belieferung des Konzerns mit Batteriezellen erhalten. Produziert werden soll am Samsung-Standort im ungarischen Göd — auf Basis von Volkswagens standardisiertem Batterieformat „Unified Cell“.
Das Konzept dahinter ist ehrgeizig. Die Unified Cell unterstützt verschiedene Zellchemien und soll nicht nur in Premiummodellen, sondern konzernweit zum Einsatz kommen — bei VW, Škoda und SEAT. Der Produktionsstart ist für kommendes Jahr geplant, die genauen Kapazitäten wurden nicht veröffentlicht. Branchenschätzungen gehen von einem zweistelligen Gigawattstunden-Volumen aus.
Strategisch könnte der Deal VW auch regulatorisch helfen. Die europäische Fertigung in Ungarn dürfte die Anforderungen des geplanten EU Industrial Accelerator Act erfüllen, der die Wertschöpfung in Europa stärken soll.
Die Aktie zeigte sich davon unbeeindruckt. Am Freitag schloss VW bei 87,92 Euro, ein Wochenverlust von knapp 5 Prozent. Seit Jahresbeginn hat der Kurs über 17 Prozent eingebüßt. Das niedrige KGV von 7,2 deutet auf tiefe Skepsis am Markt hin. Sowohl Bernstein als auch J.P. Morgan halten an ihrer neutralen Einschätzung fest. Die zuletzt gemeldeten Quartalszahlen enttäuschten: Der Gewinn je Aktie lag mit 2,55 Euro rund 26 Prozent unter der Konsensschätzung.
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Am 19. Juni steht die Dividendenzahlung von 5,26 Euro je Aktie an.
Mercedes-Benz: Technik-Offensive gegen schrumpfende Margen
Mercedes-Benz verfolgt einen Spagat, der zunehmend anspruchsvoller wird. Einerseits präsentierte der Konzern auf der CES 2026 sein Fahrassistenzsystem MB.Drive der nächsten Generation, entwickelt gemeinsam mit Nvidia. Anders als viele Wettbewerber funktioniert das System MB.Drive Assist Pro nicht nur auf Autobahnen, sondern auch im Stadtverkehr — eine direkte Konkurrenz zu Teslas FSD.
Andererseits verdeutlichen die Zahlen, wie eng der finanzielle Spielraum wird. Das operative Ergebnis im ersten Quartal lag mit 1,9 Milliarden Euro zwar über den Erwartungen von 1,6 Milliarden. Die Prognose für die Umsatzrendite der Pkw-Sparte wurde jedoch auf 3 bis 6 Prozent gesenkt — nach bereits mageren 5 Prozent im Vorjahr. Der Absatz im Kerngeschäft ging um 6 Prozent auf 419.400 Fahrzeuge zurück, vor allem wegen anhaltender Schwäche in China.
Am Freitag notierte die Aktie bei 48,20 Euro, nur knapp über dem 52-Wochen-Tief. Die Jahresbilanz fällt mit einem Minus von fast 22 Prozent ernüchternd aus. Bernstein bekräftigte Anfang Juni eine Hold-Einstufung. Der Analystenkonsens sieht mit einem durchschnittlichen Kursziel von rund 60 Euro allerdings deutliches Erholungspotenzial — vorausgesetzt, die Margen stabilisieren sich.
Daimler Truck: Stiller Gewinner im Nutzfahrzeug-Zyklus
Während die Pkw-Hersteller unter Margendruck und Absatzschwäche leiden, profitiert Daimler Truck von einer ganz anderen Dynamik. Die Erholung des nordamerikanischen Lkw-Marktes gewinnt an Fahrt: US-Bestellungen für emissionsregulierte Nutzfahrzeuge haben sich im Mai gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt.
RBC Capital Markets bekräftigte gleich zweimal innerhalb weniger Tage seine „Outperform“-Einstufung mit einem Kursziel von 50 Euro. Analyst Nick Housden sieht Daimler Truck als Hauptprofiteur des beginnenden Aufschwungs, der Ende 2025 einsetzte und sich fortsetzen dürfte.
Die fundamentale Ausgangslage ist nicht ohne Makel. Der bereinigte operative Gewinn brach im ersten Quartal um 54 Prozent auf 498 Millionen Euro ein — belastet durch schwächere Volumina und Zollbelastungen in Nordamerika. Die Jahresprognose wurde dennoch bestätigt, gestützt auf das starke Auftragswachstum.
Am Freitag schloss die Aktie bei 40,73 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von über 8 Prozent — damit ist Daimler Truck der einzige Titel in dieser Runde mit positiver Jahresbilanz.
Drei Stellschrauben für den Autosektor
Die zentralen Variablen, die den Sektor in den kommenden Wochen bestimmen dürften:
- Autonomes Fahren: Teslas FSD-Abonnentenzahl erreichte im ersten Quartal rund 1,28 Millionen — ein Plus von 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ob die Robotaxi-Skalierung tatsächlich in relevante Umsätze mündet, entscheidet über die Tragfähigkeit der Bewertung.
- Batterielieferketten: Volkswagens Samsung-Deal und Mercedes-Benz‘ kürzlich gesicherte Vereinbarung mit demselben Zulieferer zeigen, wie aggressiv europäische Hersteller ihre Zellversorgung absichern. Die Kostenparität mit chinesischen Rivalen bleibt das Ziel.
- Nordamerikanische Zölle: US-Handelsbarrieren belasten sowohl Volkswagens E-Fahrzeug-Absatz als auch Daimler Trucks Margen. Jede Verschärfung — oder Lockerung — verschiebt das Kräfteverhältnis im Sektor spürbar.
BYD baut seine Übersee-Präsenz rasant aus, kämpft aber mit schwacher Inlandsnachfrage. Mercedes-Benz investiert in Spitzentechnologie, während die Renditen schrumpfen. Und Daimler Truck setzt auf den einfachsten, aber derzeit überzeugendsten Investmentfall: einen Lkw-Zyklus, der gerade erst Fahrt aufnimmt.
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