Kaffeepreis: 71,9 Millionen Säcke in Brasilien
Steigende Transportkosten bremsen den Preisverfall bei Kaffee und sorgen für eine Stabilisierung trotz globalem Überangebot.

Kurz zusammengefasst
- Arabica-Kurs steigt um 1,4 Prozent
- Brasilien erwartet Rekordernte von 71,9 Mio. Säcken
- Logistikkosten wirken als Preispuffer
- Marktspaltung zwischen Robusta und Arabica
Der Kaffeepreis hat sich am Freitag leicht von seinen Mehrjahrestiefs erholt. Mit 253,80 US-Cent pro Pfund notierte Arabica 1,4 Prozent höher. Das klingt unspektakulär, ist aber bemerkenswert.
Denn die Fundamentaldaten sprechen eine andere Sprache. Das US-Landwirtschaftsministerium erwartet für Brasilien eine Rekordernte von 71,9 Millionen Säcken – 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Rabobank prognostiziert einen globalen Überschuss von 9,5 Millionen Säcken. Allein bei Arabica sollen 5,9 Millionen Säcken dazukommen.
Im vergangenen Monat fiel der Preis deswegen um 14,33 Prozent. Verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch von 437,95 US-Cent liegt der Kurs sogar 42 Prozent tiefer.
Warum also steigt der Preis jetzt?
Transportkosten als Preispuffer
Der Grund liegt außerhalb der Kaffeefelder. Steigende Ölpreise und der anhaltende Konflikt im Nahen Osten treiben die Frachtraten nach oben. Brasilien ist als Exportweltmeister auf funktionierende Seewege angewiesen.
Die Logistikkosten wirken wie ein Gegengewicht zum Überangebot. Sie verhindern, dass der Preis noch tiefer fällt. Marktbeobachter sehen darin den Hauptgrund für die aktuelle Stabilisierung.
Zwei Gesichter des Kaffeemarkts
Parallel dazu zeigt sich eine Spaltung des Marktes. In Vietnam, dem führenden Produzenten der Sorte Robusta, fielen die Inlandspreise zuletzt. Die Exporteure halten sich zurück. Sie erwarten eine Normalisierung der Lieferketten.
Am Weltmarkt dagegen suchen die Preise ihren Boden. Diese Divergenz zwischen steigenden Transportkosten und fallenden Ursprungspreisen wird die kommende Handelswoche prägen.
Diese Woche zählt
Mehrere Faktoren werden die Richtung bestimmen:
- Geopolitik: Jede Eskalation im Iran-Konflikt könnte über die Ölpreise die gesamte Lieferkette verteuern.
- Währungen: Ein festerer brasilianischer Real senkt den Exportanreiz und stützt den Kaffeepreis.
- Wetter: Die Rekordprognose von 71,9 Millionen Säcken hängt an trocken-heißen Bedingungen. Neue Wettermodelle könnten die Erwartung kippen.
Charttechnisch gilt die Marke von 250 US-Cent als psychologische Unterstützung. Mit einem RSI von 39,2 ist der Markt bereits angeschlagen, aber noch nicht überverkauft.
Sollten die Logistikrisiken anhalten, stabilisiert sich der Preis über dieser Marke – trotz des massiven Angebotsüberhangs.
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