Kaffeepreis: Arabica auf 18-Monats-Tief
Rekordernte in Brasilien lässt Kaffeepreis auf 18-Monats-Tief fallen. Überschüsse und Zollrisiken prägen die Marktlage.

Kurz zusammengefasst
- Arabica-Kaffee fällt auf Jahrestief
- Brasilien erwartet Rekordernte
- US-Zölle bedrohen Kaffee-Exporte
- Nestlé sieht Entlastung bei Preisen
Der Kaffeemarkt erlebt einen heftigen Preissturz. Arabica-Kaffee fiel am Mittwoch auf ein neues 18-Monats-Tief. Der S&P GSCI Coffee Index rutschte auf 194,61 Punkte — ein Minus von 2,5 Prozent an einem Tag.
Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf mehr als 29 Prozent. Für einen Kontrakt müssen Anleger aktuell 252,65 US-Dollar zahlen. Das ist fast exakt das 52-Wochen-Tief vom selben Tag: 252,40 Dollar. Vom Hoch im Oktober 2025 trennen den Rohstoff mehr als 42 Prozent.
Brasiliens Rekordernte verändert den Markt
Der Hauptgrund liegt beim weltgrößten Produzenten. Das US-Landwirtschaftsministerium USDA erwartet für Brasilien eine Rekordernte von 71,9 Millionen Säcken. Das wären 14 Prozent mehr als in der Vorsaison. Allein die Arabica-Produktion soll um 25 Prozent auf 47,5 Millionen Säcke steigen.
Die Rabobank bestätigt den Trend. Ihre Analysten signalisieren: Der Markt steuert in der Saison 2026/27 auf deutliche Überschüsse zu. Auch die Exportprognosen untermauern das Bild. Brasilien wird voraussichtlich 49 Millionen Säcke ausführen — ein Plus von 30 Prozent.
Der Inlandsverbrauch bleibt mit rund 22,39 Millionen Säcken stabil. Die Folge: Die zusätzliche Menge drängt auf den Weltmarkt und senkt die Preise.
Zollrisiken trüben das Bild
Trotz des Abwärtstrends gibt es neue Risiken. Die USA haben Brasilien mit Extrazöllen von 25 Prozent gedroht. Rohkaffee ist zwar ausgenommen — nicht aber der Markt für löslichen Kaffee. Hier könnten Zölle von bis zu 35 Prozent die Wettbewerbsfähigkeit brasilianischer Exporteure schwächen.
Auf der Nachfrageseite zeichnet sich indes eine Erleichterung ab. Nestlé zeigte sich am 3. Juni optimistisch: Sinkende Kaffee- und Kakaopreise könnten die Margen der Lebensmittelindustrie entlasten. Nach Monaten mit hohen Energie- und Erzeugerkosten eine willkommene Entwicklung.
Schwache Weltwirtschaft als Bremsklotz
Die aktuelle Marktlage zeigt eine klare Divergenz. Auf der einen Seite drücken Rekordernten aus Südamerika auf die Preise. Auf der anderen Seite kämpfen Dienstleistungssektoren in Europa mit hohen Energiekosten und schwacher Kaufkraft.
Der Kaffeemarkt bleibt damit kurzfristig abhängig von den Ernteerwartungen in Brasilien und der weiteren Entwicklung der US-Handelspolitik. Die nächsten offiziellen USDA-Prognosen werden zeigen, ob sich der Überschuss-Trend weiter verfestigt.
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