KI-Aktien: Broadcoms Schulden-Milliarden, Oracles Kurssprung
Broadcom verhandelt über 100 Mrd. Dollar Kredit, Oracle profitiert von Behördenauftrag. Nvidia-Quartalszahlen am 26. August im Fokus.

Kurz zusammengefasst
- Broadcom plant 100 Mrd. Dollar Kredit
- Oracle springt dank Veteranen-Deal
- Nvidia-Quartalsbericht am 26. August
- ASML trotzt Exportrisiken mit Rekordnachfrage
Fünf KI-Schwergewichte, fünf völlig unterschiedliche Wochen: Während Broadcom Milliarden an frischem Fremdkapital auftreibt, um im Rennen um Rechenleistung mitzuhalten, sorgt eine überraschende Behördenmeldung bei Oracle für einen kräftigen Kurssprung. Nvidia hält vor seinem Quartalsbericht in der kommenden Woche den Atem der gesamten Branche an. Der Sektor zeigt gerade eindrücklich, dass es längst nicht mehr nur um Chips geht — sondern auch um Kapital, Politik und die Frage, wer die Rechnung für den KI-Ausbau am Ende bezahlt.
Nvidia: Ruhe vor dem Quartalsbericht
Am 26. August legt Nvidia seine Zahlen für das zweite Fiskalquartal vor. Analysten rechnen mit einem Gewinn je Aktie von 2,09 Dollar — fast doppelt so viel wie vor einem Jahr. Der Bericht dürfte richtungsweisend für die Erwartungen an die gesamte Branche sein.
Politisch bleibt der Konzern im Fadenkreuz. Die USA haben Nvidias leistungsstärkste Chips für den chinesischen Markt gesperrt, wobei offenbar weiterhin ein Schlupfloch existiert, über das Geschäfte laufen können.
An der Börse zeigt sich die Aktie vor dem Termin erstaunlich gefasst. Aktuell notiert sie bei 183,98 Euro, nach einem Rücksetzer von 5,5 Prozent innerhalb einer Woche. Damit liegt sie 9,1 Prozent unter ihrem Rekordhoch von 202,50 Euro. Der RSI von 48,3 signalisiert weder Über- noch Unterhitze — der Markt scheint auf den Bericht zu warten, bevor er sich festlegt.
Broadcom: Ein Schulden-Coup gegen Nvidia
Broadcom verhandelt derzeit mit einer Gruppe privater Kreditgeber über ein Finanzierungspaket von historischem Ausmaß. Im Gespräch sind eine besicherte Tranche von 60 bis 70 Milliarden Dollar sowie eine nachrangige Tranche von rund 30 Milliarden Dollar. In der Summe könnte das Volumen auf bis zu 100 Milliarden Dollar anwachsen.
Das frische Kapital soll unter anderem Anthropic helfen, sich Rechenkapazität zu sichern — ein Deal, der im Juni bereits mit Blackstone und Apollo eingefädelt wurde und bis 2028 mehr als 20 Gigawatt für führende KI-Labore bereitstellen soll. Broadcom nutzt die Gelegenheit, um seine Data-Center-Ausrüstung breiter zu platzieren und Nvidias Dominanz anzugreifen. Der Konzern rechnet für kommendes Jahr mit einem KI-Chip-Umsatz von über 100 Milliarden Dollar, während die laufende Kooperation mit Apple auf mehr als 30 Milliarden Dollar bis 2031 taxiert wird.
Der Aktienkurs spiegelt die Nervosität rund um die Verhandlungen wider. Bei 313,00 Euro hat das Papier binnen einer Woche 7,7 Prozent verloren, über 30 Tage sogar zehn Prozent. Auf Zwölfmonatssicht steht dennoch ein Plus von 25 Prozent. Der RSI von 35,2 deutet auf eine überverkaufte Lage hin — die aktuelle Schwäche könnte also eher Verhandlungspoker als fundamentaler Zweifel sein.
ASML Holding: Zwischen Rekordnachfrage und Exportrisiko
Kein anderer Name im Sektor steckt so tief im geopolitischen Spannungsfeld wie ASML. Die sogenannte Affiliates Rule des US-Handelsministeriums, die Exportbeschränkungen auf Unternehmen mit chinesischer Mehrheitsbeteiligung ausweitet, wurde im Rahmen eines Handelsabkommens bis zum 10. November 2026 ausgesetzt. Gleichzeitig haben US-Gesetzgeber neue Exportkontrollen vorgeschlagen, die gezielt ASMLs Verkauf und Wartung von Lithografie-Anlagen für chinesische Chiphersteller einschränken sollen — ein Bereich, in dem der Konzern bei EUV-Technologie unter sieben Nanometern praktisch ein Monopol hält.
Auf der Nachfrageseite läuft es dagegen glänzend. SK Hynix hat Rekordbestellungen im Milliardenbereich platziert, Samsung sichert sich Kapazitäten bis mindestens 2027. Barclays und DBS haben in den vergangenen Handelstagen ihre Kaufempfehlungen bekräftigt.
Der Kurs bleibt trotz der politischen Unsicherheit beeindruckend. Bei 1.501,40 Euro steht seit Jahresbeginn ein Plus von 63 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 137 Prozent. Zuletzt kam es allerdings zu einem Rücksetzer von 5,6 Prozent binnen einer Woche, womit die Aktie 14 Prozent unter ihrem Hoch notiert — ein Hinweis darauf, dass Anleger die Exportrisiken nicht vollständig ausblenden.
Oracle: Behördenauftrag beflügelt trotz Cash-Burn
Für Oracle war es ein guter Tag: Das US-Veteranenministerium hat seine mehrjährige Vereinbarung zur Modernisierung elektronischer Patientenakten mit dem Konzern deutlich ausgeweitet. Die Nachricht bestätigt, dass Oracles Gesundheits-IT-Sparte weiterhin substanzielle Aufträge aus dem öffentlichen Sektor gewinnt — und lenkt zumindest kurzzeitig von der eigentlichen Sorge der Anleger ab.
Diese Sorge betrifft den gewaltigen Auftragsbestand im Cloud- und KI-Geschäft. Die offenen Leistungsverpflichtungen erreichten zuletzt 638 Milliarden Dollar, ein Plus von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahr, größtenteils getrieben durch großvolumige KI-Verträge. Das Problem: Der Umbau kostet enorm viel Geld. Der freie Cashflow lag im vergangenen Geschäftsjahr bei minus 23,7 Milliarden Dollar, während die Investitionen in den Ausbau der Cloud-Infrastruktur auf ein zweistelliges Milliardenniveau kletterten. Ratingagentur S&P Global reagierte mit einer Herabstufung auf BBB-, zusätzlich sorgten Berichte über eine sechsmonatige Verzögerung beim milliardenschweren Rechenzentrumsprojekt Jupiter für Kursschwankungen.
Die heutige Reaktion fällt entsprechend deutlich aus: Nach dem gestrigen Schlusskurs von 121,74 Euro springt die Aktie um 3,3 Prozent auf 125,78 Euro. Der Erholungsversuch bleibt aber fragil — seit Jahresbeginn liegt das Papier immer noch 24 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht sogar 37 Prozent. Mehrere Analysten bewerten die Aktie dennoch mit Kaufempfehlungen, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 252,87 Dollar.
ServiceNow: Softwareschicht für die KI-Produktivität
Während die Hardware-Namen um Kapital und Exportlizenzen ringen, positioniert sich ServiceNow als Bindeglied zwischen KI-Infrastruktur und tatsächlichem Unternehmensnutzen. Eine erweiterte mehrjährige Partnerschaft mit Tech Mahindra soll Firmen helfen, KI-Projekte aus der Pilotphase in den produktiven Einsatz zu bringen. Kernstück ist ein „Client Zero“-Modell, bei dem Tech Mahindra und die Mahindra-Gruppe selbst als interne Testumgebung dienen, bevor Lösungen an andere Kunden weitergegeben werden. Tech Mahindra wickelt über die Plattform bereits monatlich mehr als 100.000 Vorgänge in 90 Ländern ab.
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen ein gemischtes Bild: Der Gewinn je Aktie fiel von 0,37 auf 0,29 Dollar, während der Umsatz um 24 Prozent auf knapp vier Milliarden Dollar zulegte. Der Nettogewinn sank um 23 Prozent. Goldman Sachs strich das Papier zuletzt aus seiner US-Empfehlungsliste, beließ aber die Kaufeinstufung.
An der Börse überwiegt trotzdem der Optimismus. Bei 110,65 Euro hat die Aktie über die vergangenen 30 Tage rund 32 Prozent zugelegt, der RSI von 61,3 zeigt spürbaren Rückenwind. Das durchschnittliche Kursziel von 49 Analysten liegt bei 142,23 Dollar.
Sektordynamik: Kapital wird zur neuen Währung
Die fünf Werte laufen aktuell auf ein gemeinsames Thema zu: die Finanzierung der KI-Infrastruktur im großen Stil.
- Broadcom und Nvidia treiben beide milliardenschwere Finanzierungsrunden voran — Nvidia über eine Partnerschaft mit BlackRock und Goldman Sachs zur Unterstützung von Infrastrukturprojekten, Broadcom über die laufenden Kreditverhandlungen.
- Oracle steht am extremen Ende dieser Entwicklung: Rekordauftragsbestand auf der einen, historischer Cash-Verbrauch auf der anderen Seite.
- ASML muss kein frisches Kapital aufnehmen, kämpft dafür an der politischen Front gegen wachsende Exportbeschränkungen.
- ServiceNow bleibt der Ausreißer im Feld — kein Hardware-Bauer, sondern die Softwareschicht, die aus Infrastrukturausgaben messbare Produktivität machen soll.
Nvidia bleibt dabei der Fixpunkt für die gesamte Gruppe. Der Bericht am 26. August dürfte die Erwartungen an die Chip-Nachfrage bei Broadcom und ASML mitprägen.
Kapitalmärkte werden zum neuen Schlachtfeld der KI-Branche
Der nächste große Prüfstein für den Sektor ist Nvidias Quartalsbericht in der kommenden Woche. Bei Broadcom bleiben die Konditionen der Kreditverhandlungen mit Blackstone und Apollo offen, das Kapital könnte in mehreren Tranchen fließen. ASMLs weiterer Kursverlauf hängt maßgeblich davon ab, ob die vorgeschlagene US-Gesetzgebung zu DUV-Exporten tatsächlich verabschiedet wird. Oracle muss im nächsten Quartalsbericht zeigen, ob sich der gewaltige Auftragsbestand schneller in Umsatz verwandeln lässt, als die Schuldenlast wächst. ServiceNow wiederum muss beweisen, dass sich Partnerschaften wie die mit Tech Mahindra tatsächlich in beschleunigtem Abo-Umsatz niederschlagen. Die Richtung des gesamten Sektors dürfte sich in den kommenden Wochen an genau diesen Fragen entscheiden.
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