KI-Aktien: Datendeals, Patentsiege und ein Siri-Comeback

SAP kauft Datenplattform, Infineon gewinnt Patentstreit, AMD bringt neue KI-Hardware und Apple modernisiert Siri.

Felix Baarz ·
SAP Aktie

Kurz zusammengefasst

  • SAP schließt Dremio-Übernahme ab
  • Infineon siegt im US-Patentstreit
  • AMD bringt Ryzen AI Halo
  • Apple testet neue Siri-Stimmen

Fünf Wochen, fünf komplett unterschiedliche Geschichten. Während SAP seine Datenbasis für Agentic AI zusammenkauft, gewinnt Infineon einen Patentkrieg in Washington. AMD bringt derweil einen ernstzunehmenden Rivalen für Nvidias Hardware auf den Markt, Tesla kämpft mit europäischen Regulierern um sein Robotaxi-Versprechen — und Apple lässt Siri erstmals emotional klingen.

SAP: Der Dremio-Deal als Fundament für Agentic AI

Am Montag verkündete SAP den Abschluss der Dremio-Übernahme. Die offene Data-Lakehouse-Plattform soll SAP-Kunden künftig erlauben, eigene und fremde Datenquellen ohne Konvertierung in Echtzeit für Analyse- und KI-Workloads zu nutzen. Der Deal war bereits im Mai angekündigt worden und sollte planmäßig im dritten Quartal 2026 abgeschlossen sein.

Parallel dazu investiert SAP eine dreistellige Millionensumme über vier Jahre in Prior Labs, einen Spezialisten für tabellarische Foundation-Modelle. Beide Zukäufe fügen sich in die Strategie ein, die bereits mit der Business Data Cloud begonnen hatte — eine durchgängige Datenplattform als Basis für unternehmensweite KI-Anwendungen. Der Schritt trifft einen Nerv: Entscheider in Unternehmen stufen Datenintegration branchenweit als einen der wichtigsten Technologie-Trends ein.

Operativ läuft es für SAP solide weiter. Das erste Quartal 2026 brachte einen non-IFRS-Gewinn je Aktie von 1,72 Euro, deutlich über der Erwartung von 1,62 Euro. Der Aktienkurs selbst zeigt sich davon bislang unbeeindruckt: Nach einem Kursrutsch von rund 29 Prozent seit Jahresbeginn notiert SAP bei 143,18 Euro, gut 2 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Von Analystenseite bleibt der Rückhalt dennoch groß — die Mehrheit der Beobachter sieht in der Aktie weiterhin einen Kauf, mit Kurszielen deutlich über dem aktuellen Niveau.

Infineon: Patentsieg in den USA, Milliarden-Fab in Dresden

Für Infineon war es eine Woche mit zwei dicken Erfolgsmeldungen. Die US-Handelsbehörde ITC bestätigte nach Ablauf der Prüfungsfrist ihre finale Entscheidung gegen den chinesischen Konkurrenten Innoscience: Der Wettbewerber verletzt ein Infineon-Patent im Bereich Galliumnitrid-Technologie, ihm drohen nun Import- und Verkaufsverbote in den USA. Es ist der jüngste in einer ganzen Serie von Erfolgen — auch das Münchner Landgericht hatte bereits mehrfach zugunsten von Infineon entschieden. Innoscience kündigte Berufung an und beharrt darauf, aktuelle Produkte fielen nicht unter die deutschen Patente.

Die Basis für diese Patentmacht legte Infineon 2023 mit der Übernahme des kanadischen GaN-Spezialisten GaN Systems, die dem Konzern rund 450 Patentfamilien einbrachte. Fast zeitgleich mit dem US-Urteil eröffnete Infineon Anfang Juli seine neue Smart-Power-Fab in Dresden — mit fünf Milliarden Euro die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte und eines der größten Industrieprojekte Deutschlands. Bundeskanzler Friedrich Merz reiste persönlich zur Eröffnung an und sprach von einem starken Signal für den Industriestandort Europa.

Die Aktie honoriert diese Entwicklung mit einem beeindruckenden Lauf: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von fast 86 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 88 Prozent. Zuletzt kam der Titel allerdings ins Straucheln — binnen einer Woche ging es rund 9 Prozent nach unten auf 71,24 Euro, was einem Abstand von gut 20 Prozent zum 52-Wochen-Hoch entspricht. Die Mehrheit der Analysten bleibt trotz der jüngsten Schwäche bei einer Kaufempfehlung.

AMD: Neue Hardware, aber nervöse Anleger

Auch operativ hat AMD in dieser Woche geliefert. Am Montag startete Micro Center als erster Handelspartner den Verkauf des neuen Ryzen AI Halo-Systems — ausgestattet mit bis zu 128 Gigabyte gemeinsamem Speicher, ausgelegt darauf, lokale KI-Modelle mit bis zu 200 Milliarden Parametern zu betreiben. Zum Preis von 3.999 Dollar positioniert sich AMD damit direkt gegen Nvidias DGX Spark, dessen Preis wegen Lieferengpässen zuletzt auf 4.679 Dollar gestiegen war.

Am Aktienmarkt zeigte sich zuletzt trotzdem Nervosität. Nach einem furiosen ersten Halbjahr mit einem Kursplus von rund 136 Prozent seit Jahresbeginn geriet der Titel zusammen mit dem gesamten Halbleitersektor unter Druck — Sorgen vor einer KI-Blase drückten den Kurs binnen einer Woche um 5,4 Prozent auf 449,70 Euro. Gegenläufig wirkte zuvor eine deutliche Kurszielanhebung von Goldman Sachs, die ihr Ziel unter Verweis auf starke Server-CPU-Nachfrage kräftig anhob. Erst Ende Juni hatte AMD ein Allzeithoch markiert. Der Blick der Anleger richtet sich nun auf die „Advancing AI“-Konferenz Ende Juli in San Francisco, bei der CEO Lisa Su neue MI450-Beschleuniger vorstellen dürfte.

Tesla: Rekordauslieferungen treffen auf Regulierungsstau

Bei Tesla driften Geschäftszahlen und regulatorisches Umfeld gerade deutlich auseinander. Die Europa-Zulassungen legten in den ersten fünf Monaten des Jahres um 57,2 Prozent zu, allein im Mai verdoppelten sich die Auslieferungen nahezu. Anfang Juli startete zudem der Robotaxi-Dienst in Miami, während die US-Verkehrsbehörde NHTSA eine Untersuchung zu unerwartetem Bremsverhalten bei rund 695.000 Fahrzeugen einstellte. Im zweiten Quartal lieferte Tesla mit über 480.000 Fahrzeugen deutlich mehr aus als von Wall-Street-Analysten erwartet — der Kurs reagierte darauf zunächst mit einem Rückgang, bevor er sich in den Folgetagen wieder erholte.

Schwieriger gestaltet sich die Lage bei der Selbstfahr-Software in Europa. Mehrere große Mitgliedstaaten warten lieber auf eine koordinierte EU-Entscheidung, statt nationale Zulassungen zu erteilen, die Brüssel später kassieren könnte. Zusätzlichen Druck erzeugten Berichte, wonach Tesla europäischen Regulierern methodisch fragwürdige Sicherheitsstatistiken zu seiner Full-Self-Driving-Software präsentiert habe. Norwegische Aufsichtsbehörden bemängelten, die Zahlen stammten von Tesla selbst und ließen sich kaum mit offiziellen Unfallstatistiken abgleichen. Für eine EU-weite Zulassung braucht es eine Mehrheit von 55 Prozent der Mitgliedstaaten und 65 Prozent der EU-Bevölkerung — eine Hürde, die praktisch ein Ja aus Deutschland, Frankreich oder Italien voraussetzt.

Der Aktienkurs bewegt sich seit Wochen seitwärts: Bei 353,00 Euro liegt der Titel nahezu exakt auf seinem 50-Tage-Durchschnitt, seit Jahresbeginn steht ein moderates Minus von 5,6 Prozent zu Buche. Die nächste Weichenstellung folgt am 22. Juli mit den Quartalszahlen.

Apple: Siri lernt sprechen wie ein Mensch

Bei Apple dreht sich derzeit alles um den Neustart von Siri. In der dritten Entwicklerbeta von iOS 27 aktivierte der Konzern gestern neue Stimmregler, mit denen Tester erstmals Sprechtempo und Ausdrucksstärke der KI-Assistentin anpassen können. Zusätzlich lassen sich unterschiedliche Stimmen mit verschiedenen Akzenten auswählen. Diese Anpassungen sind Teil eines größeren Umbaus: Siri AI, angetrieben von neuen Apple Foundation Models, soll natürlichere Gespräche, mehr Kontextverständnis und tiefere App-Integration bringen, ergänzt um eine neue visuelle Darstellung rund um die Dynamic Island.

Der Rollout verläuft bewusst gestaffelt — in der EU startet Siri AI zunächst nicht, in China fehlen die neuen Funktionen wegen offener regulatorischer Fragen komplett. Die erste öffentliche Beta von iOS 27 soll noch diesen Monat folgen, die finale Version im Herbst.

Am Aktienmarkt läuft es für Apple derweil rund: Der Kurs von 271,95 Euro liegt nur noch rund 1,5 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch, angetrieben von einem Plus von über 5 Prozent binnen einer Woche. Die verlängerte Chip-Partnerschaft mit Broadcom bis 2031 sichert zusätzlich die Lieferkette ab, auch wenn beim Falt-iPhone Produktionssorgen bleiben. Am 30. Juli folgen die Quartalszahlen, die erste Hinweise auf die Nachfrage liefern dürften.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Unternehmen zeigen exemplarisch, wie gespalten der KI-Sektor derzeit tickt:

  • SAP und Infineon setzen auf Infrastruktur statt Modell-Wettrennen — Datenplattformen und Patentschutz als Burggraben
  • AMD pendelt zwischen Produkterfolgen und der Nervosität eines Halbleitersektors, der auf jede Blasen-Warnung empfindlich reagiert
  • Tesla zeigt, wie operative Rekorde von Glaubwürdigkeitsfragen bei Sicherheitsdaten überschattet werden können
  • Apple fährt die vorsichtigste Linie der Gruppe: lieber langsam und vertrauenswürdig als schnell und riskant

Ausblick: Diese Termine entscheiden die nächsten Wochen

Der Kalender für die kommenden Wochen ist dicht gedrängt. AMDs Advancing-AI-Event Ende Juli dürfte zeigen, ob die aktuelle Bewertung im Rechenzentrumsgeschäft gerechtfertigt ist. Tesla muss am 22. Juli beweisen, dass sich die Rekordauslieferungen auch in besseren Margen niederschlagen, während die EU-Prüfung der Selbstfahr-Software ein Unsicherheitsfaktor für das Europageschäft bleibt. Apples Zahlen am 30. Juli sollten Klarheit über die Produktionspläne beim Falt-iPhone bringen. Bei SAP und Infineon entscheidet sich die Zukunft an der Integration — gelingt es, aus Dremio und der neuen Dresdner Fab tatsächlich Marktanteile zu machen?

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Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,78 %
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