KI-Aktien: Palantir explodiert, SoftBank kämpft mit OpenAI-Kosten

Palantir glänzt mit Rekordquartal, während SoftBank unter OpenAI-Kosten leidet. SAP erholt sich, Alphabet sammelt Milliarden für KI-Infrastruktur.

Andreas Sommer ·
SAP Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Palantir mit Kurssprung nach starken Zahlen
  • SoftBank-Gewinn sinkt trotz Intel-Buchgewinn
  • SAP führt DAX-Erholung an
  • Alphabet platziert Milliardenanleihe für KI-Ausbau

Eine Woche, fünf völlig unterschiedliche Geschichten. Während Palantir mit einem Rekordsprung die Anleger elektrisiert, muss SoftBank die finanzielle Last seiner Milliardenwette auf OpenAI verdauen. Zwischen diesen Extremen zeigt sich, wie unterschiedlich der KI-Boom aktuell an den Märkten bewertet wird— je nachdem, ob ein Unternehmen bereits Kasse macht oder noch investiert.

Palantir: Ein „weltfremdes“ Quartal treibt die Rallye

Palantir war der Gewinner der Woche. Am Freitag legte die Aktie um 9,88 Prozent zu, auf Wochensicht steht ein Plus von 39,47 Prozent. Damit hat sich der Kurs binnen 30 Tagen um 28,58 Prozent verteuert— getrieben von Quartalszahlen, die selbst optimistische Schätzungen deutlich übertrafen.

Firmenchef Alex Karp wählte für die Beschreibung des Quartals ungewöhnlich blumige Worte: Das US-Geschäft mit Firmenkunden sei um 149 Prozent gewachsen, der Konzernumsatz insgesamt um 93 Prozent. Die Jahresprognose für den Umsatz wurde entsprechend angehoben. Auch die Geschäftsdynamik überzeugte— mehr als 200 Abschlüsse im Millionenbereich wurden im Quartal verbucht, darunter etliche Großaufträge über 10 Millionen Dollar.

Der Analyst Gil Luria von D.A. Davidson hatte die Aktie bereits im Vorfeld hochgestuft und verweist auf das Orchestrierungs-Tool von Palantir, mit dem Kunden zwischen verschiedenen KI-Modellen wechseln können, ohne den Betrieb zu unterbrechen. Sein Kursziel von 175 Dollar wirkt nach dem jüngsten Sprung fast schon konservativ. Trotzdem bleibt die Bewertung ambitioniert: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von deutlich über 150 gehört Palantir zu den teuersten Titeln im gesamten Sektor. Aktuell notiert die Aktie bei 148,84 Euro, nur noch 17,30 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von Anfang November.

SAP: Rückkehr an die DAX-Spitze

Auch SAP hat sich diese Woche eindrucksvoll zurückgemeldet. Der Kurs sprang am Freitag um 3,46 Prozent nach oben und führte damit die Erholung im DAX an. Wer die Kursentwicklung der vergangenen Monate verfolgt hat, dürfte überrascht sein: Auf Sicht von 30 Tagen steht nun ein Plus von 29,31 Prozent— eine bemerkenswerte Wende für eine Aktie, die zeitweise auf ihrem tiefsten Niveau seit November 2023 notierte.

Der Blick auf die Jahresbilanz relativiert die Euphorie allerdings. Seit Jahresbeginn liegt SAP noch immer mit 14,72 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 29,55 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 74,9 signalisiert inzwischen eine überkaufte Situation— nach dem starken Lauf der vergangenen Wochen keine Überraschung.

Inhaltlich treibt SAP die Integration von KI in seine Cloud- und Beschaffungslösungen voran, unter anderem mit dem neu gestarteten AI Agent Hub. Der wachsende Auftragsbestand im Cloud-Geschäft gilt als zentraler Beleg dafür, dass der Softwarekonzern vom KI-Trend tatsächlich profitiert— nicht nur davon spricht.

Alphabet: Milliardenanleihe für den Infrastruktur-Hunger

Bei Alphabet dreht sich die Geschichte weniger um Kursbewegungen als um die Finanzierung der KI-Ambitionen. Der Google-Mutterkonzern ging in dieser Woche an den Anleihemarkt und wollte ursprünglich zwischen 20 und 25 Milliarden Dollar einsammeln, verteilt auf bis zu zehn Tranchen mit Laufzeiten von zwei bis vierzig Jahren.

Am Ende platzierte Alphabet die vollen 25 Milliarden Dollar— und traf auf eine Nachfrage von rund 115 Milliarden Dollar. Damit reiht sich der Deal hinter die Rekordanleihen von Oracle und Amazon aus diesem Jahr ein, bleibt aber eines der größten AI-Bond-Geschäfte der Saison.

Der Grund für den Kapitalhunger liegt auf der Hand: Alphabet meldete im vergangenen Quartal erstmals einen negativen freien Cashflow und musste die Investitionsprognose für dieses Jahr bereits zum zweiten Mal anheben. Ergänzend zur Anleihe hatte der Konzern zuvor schon fast 85 Milliarden Dollar über Aktienplatzierungen eingesammelt, unter anderem mit Beteiligung von Berkshire Hathaway. Auffällig: Die Aktie geriet zuletzt trotz solider Quartalszahlen unter Druck, nachdem es zu einem Führungswechsel in der KI-Sparte kam. Aktuell notiert Alphabet bei 307,00 Euro, nur knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 310,02 Euro— ein Zeichen dafür, dass der Kurs nach den jüngsten Turbulenzen wieder Tritt fasst.

Tesla: KI-Ambitionen treffen auf europäische Absatzkrise

Bei Tesla klafft die Schere zwischen Zukunftsvision und Gegenwartsgeschäft weiter auseinander. In Europa brachen die Neuzulassungen im vergangenen Jahr um 27,8 Prozent ein— das dritte rückläufige Jahr in Folge, und jedes schlechter als das vorherige. Besonders schmerzhaft: In Deutschland, einst Teslas stärkstem europäischen Markt, sackten die Zulassungen alleine im vergangenen Jahr um 48 Prozent ab.

Eine echte Stabilisierung ist bislang nicht in Sicht. Die Zulassungszahlen zu Jahresbeginn 2026 bewegten sich praktisch auf dem miserablen Niveau des Vorjahres. Erschwerend kommt hinzu, dass der europäische Markt inzwischen mehr als 150 verschiedene Modelle bietet, mit rund 50 weiteren Neuvorstellungen allein in diesem Jahr— eine Konkurrenzdichte, die Teslas inzwischen in die Jahre gekommene Modellpalette zunehmend alt aussehen lässt.

Parallel dazu treibt Tesla seine KI-Infrastruktur voran. Zusammen mit SpaceX plant der Konzern eine milliardenschwere Chipfabrik in Texas, die die eigenen KI-Kapazitäten stärken soll. An der Börse zeigt sich Tesla zuletzt etwas erholt: Der Kurs legte am Freitag um 2,47 Prozent zu und liegt auf Wochensicht 5,32 Prozent im Plus. Der Blick auf die vergangenen 30 Tage zeigt allerdings weiterhin ein Minus von 17,56 Prozent— die Aktie bleibt damit deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 330,23 Euro.

SoftBank Group: Intel-Gewinne federn OpenAI-Kosten ab

Bei SoftBank zeigen die jüngsten Zahlen, wie teuer die aggressive KI-Strategie werden kann. Der Quartalsgewinn brach um 18 Prozent ein, da steigende Kosten die Investmenterträge auffraßen. Immerhin stiegen die Umsätze im gleichen Zeitraum um fast 11 Prozent.

Ein unerwarteter Lichtblick kam von einer eigentlich unerwarteten Seite: Ein nicht realisierter Buchgewinn auf die Intel-Beteiligung von umgerechnet rund 8,4 Milliarden Dollar hob die gesamten Investmenterträge deutlich an. Ohne diesen Effekt wäre die Bilanz wohl deutlich trüber ausgefallen— schließlich belasteten gleichzeitig höhere Personalkosten bei Arm Holdings, Ausgaben für die Ampere-Übernahme und Wechselkursverluste das Ergebnis. Der Vision Fund selbst enttäuschte: Der eigenständige Investmentgewinn brach um 65 Prozent ein.

Während die Zahlen belasten, wächst das OpenAI-Engagement munter weiter. Mit zusätzlichen Investitionen im Frühjahr und Sommer summiert sich SoftBanks Einsatz bei OpenAI inzwischen auf 44,6 Milliarden Dollar— und eine weitere Tranche von 10 Milliarden Dollar ist für Oktober bereits eingeplant. Zusätzlich sicherte sich der Konzern eine Kreditlinie, die mit OpenAI-Anteilen aus dem Vision Fund 2 besichert ist. Die Börse reagierte nervös: Die Aktie schloss zuletzt 3,87 Prozent im Minus, wenngleich sie auf Wochensicht immer noch 8,36 Prozent zulegen konnte.

Sektordynamik: Kapitalintensität trifft auf ungleiches Wachstum

Die fünf Geschichten dieser Woche offenbaren eine wachsende Kluft zwischen KI-Unternehmen mit sofortiger kommerzieller Zugkraft und jenen, die noch tief in langfristige Infrastruktur investieren:

  • Sofortige Monetarisierung: Palantir und SAP zeigen, dass Unternehmens-KI bereits handfeste Umsatzsprünge liefert— beide profitierten von der wachsenden Überzeugung, dass KI-Tools Software-Geschäftsmodelle stärken statt kannibalisieren
  • Kapitalintensive Wette: Alphabet und SoftBank stehen für die teure Seite des KI-Ausbaus— während Alphabet trotz negativem Cashflow Rekordnachfrage am Bondmarkt findet, zeigt SoftBank die Belastung einer Milliardenwette auf einen einzigen Namen
  • Zwischen den Welten: Tesla hängt zwischen KI-Ambitionen bei autonomem Fahren und einem bröckelnden Kerngeschäft in Europa, wo Wettbewerbsdruck und Markenprobleme unabhängig von den KI-Projekten belasten

Die Bewertungsunterschiede zwischen den fünf Titeln wachsen. Anleger müssen zunehmend zwischen operativer Substanz und reiner Infrastrukturspekulation unterscheiden— ein einheitliches „KI-Narrativ“ wird der Realität dieser Unternehmen kaum noch gerecht.

KI-Sektor vor der Bewährungsprobe

Ob Palantirs Rallye Bestand hat, dürfte davon abhängen, ob das US-Geschäft sein dreistelliges Wachstumstempo halten kann. SAPs Fähigkeit, die DAX-Führung zu verteidigen, hängt am wachsenden Cloud-Auftragsbestand— nach dem starken Lauf der vergangenen Wochen dürfte hier bald eine Konsolidierung anstehen.

Alphabets erfolgreiche Anleiheplatzierung zeigt, dass Kreditgeber weiterhin bereit sind, den KI-Infrastrukturausbau zu finanzieren. Bei SoftBank bleibt abzuwarten, wie die Märkte die OpenAI-Beteiligung bewerten, sobald weitere Milliardenzahlungen fällig werden. Und Tesla braucht vor allem eines: einen Beweis, dass die europäische Absatzkrise tatsächlich einen Boden gefunden hat, statt sich weiter zu verschärfen.

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