KI-Boom beflügelt Hochtief und Aixtron — Nemetschek trotzt starken Zahlen vergeblich

Hochtief und Aixtron profitieren vom KI-Boom, während Nemetschek trotz starker Quartalszahlen fällt. Porsche erholt sich leicht.

Dieter Jaworski ·
Aixtron Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Hochtief erreicht neues Allzeithoch
  • Aixtron profitiert von Optoelektronik-Nachfrage
  • Porsche zeigt leichte Erholungstendenz
  • Nemetschek leidet unter Software-Abverkauf

Rechenzentren, Glasfaser, Halbleiter: Im MDAX trennt eine einzige Frage die Gewinner von den Verlierern — wer profitiert vom KI-Infrastrukturboom und wer nicht? Während Hochtief und Aixtron neue Kursregionen erobern, rutscht Nemetschek trotz blitzsauberer Quartalszahlen weiter ab. Porsche AG nutzt den Freitag für eine Erholungsbewegung.

AssetKursVeränderung
Aixtron49,83 €+3,38 %
Porsche AG42,63 €+2,45 %
Hochtief548,00 €+2,43 %
Nemetschek62,05 €-2,67 %

Hochtief: Allzeithoch dank Datencenter-Euphorie

Die Aktie kratzt an der 550-Euro-Marke und steht damit nur Cent-Beträge unter dem frischen Allzeithoch. Der Baukonzern hat sich zum vielleicht überraschendsten KI-Profiteur des deutschen Aktienmarkts entwickelt. Über die US-Tochter Turner und die australische CIMIC fließen milliardenschwere Aufträge für den Bau von Rechenzentren in die Bücher.

Der Auftragsbestand liegt bei enormen 73 Milliarden Euro. Mehr als 55 Prozent der neuen Aufträge entfallen auf zukunftsrelevante Bereiche wie digitale Infrastruktur und Energiewende. Das verschafft Planungssicherheit weit über das laufende Jahr hinaus.

Jefferies hat das Kursziel zuletzt von 387 auf 480 Euro angehoben, die Einstufung aber auf „Hold“ belassen — ein Signal, das die Diskrepanz zwischen operativer Stärke und dem bereits eingepreisten Optimismus verdeutlicht. Für das Gesamtjahr 2026 wird ein Gewinnwachstum von 20 bis 30 Prozent erwartet.

Ein wichtiger Termin steht bevor: Am 11. Mai legt Hochtief die Q1-Zahlen vor. Die Erwartungshaltung ist nach dem Kursfeuerwerk der vergangenen Wochen entsprechend hoch. Ein Kursplus von rund 19 Prozent allein in den letzten sieben Tagen macht den Titel anfällig, sollte auch nur ein Detail hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Aixtron: Optoelektronik-Boom treibt die Rally weiter

Aixtron notiert heute bei 49,83 Euro und nähert sich damit seinem 52-Wochen-Hoch. Der Halbleiterausrüster steht exemplarisch für die Gewinner des KI-Infrastrukturbooms: Seine Anlagen zur Herstellung optischer Halbleiterkomponenten — insbesondere Indiumphosphid-Laser für Glasfaserlösungen — sind gefragt wie nie.

Die Q1-Zahlen lieferten frischen Rückenwind. Der Auftragseingang stieg um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 171,4 Millionen Euro. Fast 70 Prozent davon entfielen auf die Optoelektronik. Ein einzelnes Segment trägt damit den Großteil der Wachstumsstory.

Die Analystenlandschaft zeigt sich gespalten:

  • Jefferies bestätigte Anfang Mai die „Buy“-Einstufung nach den Quartalsergebnissen
  • Berenberg stufte von „Kaufen“ auf „Halten“ herab, hob das Kursziel aber von 31 auf 42 Euro an

Die Abstufung durch Berenberg spiegelt ein reales Risiko wider. Aixtron handelt auf einem Bewertungsaufschlag von mehr als drei Standardabweichungen gegenüber dem langjährigen Umsatzdurchschnitt. Das bedeutet: Der Markt preist ein stark beschleunigtes Wachstum ein, das in dieser Form erst noch bestätigt werden muss. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von über 154 Prozent — jede Enttäuschung bei kommenden Quartalsberichten könnte heftige Korrekturen auslösen.

Porsche AG: 911er als Lichtblick im schwierigen Umfeld

Die Porsche-Aktie legt heute um 2,45 Prozent auf 42,63 Euro zu. Nach einer Phase erheblichen Drucks — seit Jahresbeginn steht noch immer ein Minus von gut 10 Prozent — ist das eine willkommene Gegenbewegung.

Die Q1-Zahlen zeichneten ein durchwachsenes Bild. Der Umsatz sank um 5,2 Prozent auf 8,40 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis brach um fast 22 Prozent auf 595 Millionen Euro ein. Die Auslieferungen gingen weltweit um 15 Prozent auf knapp 61.000 Fahrzeuge zurück, in China sogar um 21 Prozent.

Warum greifen Investoren trotzdem zu? Die Umsatzrendite von 7,1 Prozent liegt am oberen Ende des eigenen Prognosekorridors. Das Management wertet das als Bestätigung der Jahresguidance. Auf Modellebene gibt es zudem einen echten Lichtblick: Ausgerechnet die margenstarke 911er-Baureihe steigerte ihre Auslieferungen um 22 Prozent auf knapp 13.900 Einheiten. Das teuerste Modell läuft gegen den Branchentrend.

Strukturell bleibt das Bild herausfordernd. Rückläufige Absatzzahlen, ein schwächelnder China-Markt und ein laufender Konzernumbau lasten weiter auf der Bewertung. Die heutige Erholung dürfte eher technischer Natur sein — ein nachhaltiger Trendwechsel sieht anders aus.

Nemetschek: Starke Zahlen, schwacher Kurs

Der Münchner Bausoftware-Spezialist verliert heute 2,67 Prozent und fällt auf 62,05 Euro. Das Papier notiert damit rund 31 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau — und das bei operativ überzeugenden Ergebnissen.

Im ersten Quartal wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 17 Prozent auf 313 Millionen Euro. Das SaaS-Segment legte besonders kräftig zu: plus 35 Prozent auf 248 Millionen Euro Erlöse. Der Konzernüberschuss stieg um 34,5 Prozent auf 60 Millionen Euro, die EBITDA-Marge lag bei 31,4 Prozent.

Die Erklärung für die Kursschwäche liegt nicht im Unternehmen selbst, sondern im Marktumfeld. Softwareaktien werden branchenübergreifend abverkauft. Die Angst vor einer langfristigen KI-Disruption klassischer Geschäftsmodelle drückt auf die Bewertungen — nahezu unabhängig von der tatsächlichen operativen Leistung.

Jefferies-Analyst Charles Brennan hält an seinem „Buy“-Rating fest und sieht ein Kursziel von 90 Euro. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei rund 94,63 Euro — mehr als 50 Prozent über dem aktuellen Kurs. Eine bemerkenswerte Divergenz, die geduldige Anleger im Blick behalten dürften.

KI-Infrastruktur als MDAX-Trennlinie

Der Freitag im MDAX macht ein klares Muster sichtbar. Unternehmen, die direkt oder indirekt vom KI-Infrastrukturboom profitieren, werden vom Markt belohnt. Klassische Softwareanbieter geraten unter Bewertungsdruck, selbst wenn ihre Geschäftszahlen stimmen.

Für die kommende Woche richtet sich der Fokus auf Hochtiefs Q1-Bericht am Sonntag. Der Baukonzern hat mit seiner Rally enorme Erwartungen aufgebaut. Jede Abweichung nach unten könnte die gesamte Infrastrukturphantasie im Index kurzfristig dämpfen. Bei Nemetschek bleibt die Kluft zwischen Fundamentaldaten und Kurs das zentrale Thema — ein Zustand, der sich erst auflösen wird, wenn sich die Stimmung gegenüber Softwaretiteln grundlegend dreht.

Aixtron-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Aixtron-Analyse vom 8. Mai liefert die Antwort:

Die neusten Aixtron-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Aixtron-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 8. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Aixtron: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Aixtron Aktie

46,96 EUR

+ 2,36 EUR +5,29 %
KGV 61,82
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 5,30 Mrd. EUR
ISIN: DE000A0WMPJ6 WKN: A0WMPJ

Community Forum zu Aixtron

Ähnliche Artikel

Avis Budget Aktie: EPS-Miss von -8,01 Dollar im Q1

Avis Budget Aktie: EPS-Miss von -8,01 Dollar im Q1

Turnaround ·
Planet Labs: Q4 2026 mit 86,8 Millionen Umsatz

Planet Labs: Q4 2026 mit 86,8 Millionen Umsatz

Raumfahrt ·
Marriott Aktie: 618.000-Zimmer-Pipeline auf Rekord

Marriott Aktie: 618.000-Zimmer-Pipeline auf Rekord

Konsum & Luxus ·
Applovin: 1,0 Milliarde für Aktienrückkauf

Applovin: 1,0 Milliarde für Aktienrückkauf

Nasdaq ·
DeFi Technologies Aktie: Die Durststrecke bleibt?

DeFi Technologies Aktie: Die Durststrecke bleibt?

Ethereum & Altcoins ·

Weitere Artikel zu Aixtron

Alle Artikel anzeigen
Aixtron Aktie: Experten uneinig

Aixtron Aktie: Experten uneinig

Halbleiter ·
Aixtron: JPMorgan erhöht Ziel auf 54,50 Euro

Aixtron: JPMorgan erhöht Ziel auf 54,50 Euro

Halbleiter ·
Aixtron: Auftragsbestand auf 359,1 Millionen gestiegen

Aixtron: Auftragsbestand auf 359,1 Millionen gestiegen

Turnaround ·
Aixtron: EBIT-Marge auf 17-20 Prozent erhöht

Aixtron: EBIT-Marge auf 17-20 Prozent erhöht

KI & Quantencomputing ·
Aixtron: UBS überschreitet 3,3-Prozent-Schwelle

Aixtron: UBS überschreitet 3,3-Prozent-Schwelle

Anleihen ·