KI-Chip-Rennen nimmt Fahrt auf — Palantir und Amazon glänzen weiter

Software-Firmen profitieren vom KI-Boom, während Hardware-Hersteller Margendruck erleben. Microsoft plant eigenen Chip, Amazon erhöht Investitionen.

Dieter Jaworski ·
Palantir Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Palantir-Aktie erreicht Rekordhoch
  • Infineon startet Aktienrückkaufprogramm
  • Microsoft stellt neuen KI-Chip vor
  • AMD übernimmt Taalas für Inferenz-Chips

Fünf Berichtssaisons, ein gemeinsamer Nenner: Wer bei Künstlicher Intelligenz nicht investiert, fällt zurück. Doch zwischen Palantirs Rekordlauf und Infineons Margendruck zeigt sich, wie unterschiedlich der Markt die KI-Story aktuell bepreist. Während Software-Anbieter für Wachstum gefeiert werden, müssen Hardware-Hersteller ihre Zahlen gegen skeptische Margenerwartungen verteidigen.

Palantir: Ein RSI von 74 warnt vor der eigenen Rally

Die Palantir-Aktie kostet aktuell 154,74 Euro und legte heute um 3,96 Prozent zu, nach einem Freitagsschluss bei 148,84 Euro. Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Plus von 41,57 Prozent, über 30 Tage sind es 39,33 Prozent. Diese Rally wirkt umso bemerkenswerter, als die Aktie auf Jahressicht mit -1,51 Prozent und über zwölf Monate mit -1,75 Prozent praktisch unverändert notiert.

Der Auslöser war ein Quartalsbericht, der die Erwartungen auf allen Ebenen übertroffen hat. Das Umsatzwachstum von 93 Prozent, getrieben von deutlichen Zuwächsen im US-Geschäfts- und Regierungssegment, ließ den Kurs regelrecht explodieren. Der Quartalsumsatz von rund 1,94 Milliarden Dollar sorgte für Kursziel-Anhebungen bei mehreren Häusern.

Der technische Blick mahnt allerdings zur Vorsicht. Ein RSI von 74,4 gilt klassisch als überkauft, und der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 115,14 Euro liegt bei über 34 Prozent. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro fehlen noch 14 Prozent — genug Raum nach oben, aber auch genug für eine Verschnaufpause.

Infineon: Rekordquartal, aber die Marge bremst die Rückkaufeuphorie

Infineon startete heute sein drittes Aktienrückkaufprogramm seit Herbst 2025. Bis zu drei Millionen Aktien sollen über Xetra zurückgekauft werden, das maximale Budget liegt bei 300 Millionen Euro, wobei die aktuelle Tranche auf 225 Millionen Euro begrenzt ist. Die zurückgekauften Aktien sind ausschließlich für Mitarbeiterbeteiligungsprogramme vorgesehen.

Der Rückkauf folgt auf ein Rekordquartal. Der Umsatz stieg um 12,8 Prozent auf 4,172 Milliarden Euro und überschritt damit erstmals seit rund zweieinhalb Jahren die Vier-Milliarden-Marke. Verantwortlich dafür war vor allem die boomende Nachfrage nach Leistungshalbleitern für KI-Rechenzentren. Der KI-bezogene Umsatz soll im laufenden Geschäftsjahr die 1,6-Milliarden-Euro-Marke übertreffen und damit über dem eigenen Ziel von 1,5 Milliarden liegen.

Trotz dieser Zahlen reagierte die Aktie zunächst negativ — die Marge blieb hinter den Erwartungen zurück und schickte den Kurs am Tag der Vorlage um mehr als fünf Prozent nach unten. Aktuell notiert die Aktie bei 63,27 Euro, ein Plus von 1,56 Prozent zum Vortag, nachdem sie über die vergangenen 30 Tage rund 12,68 Prozent verloren hatte. Auf Jahressicht bleibt trotz allem ein Plus von 67,69 Prozent stehen.

Für die kommenden Jahre hat Infineon mehrjährige Reservierungsvereinbarungen im hohen einstelligen Milliardenbereich abgeschlossen oder verhandelt diese noch. Die Analystenmeinungen bleiben konstruktiv: Goldman Sachs bekräftigte seine Kaufempfehlung mit Kursziel 91 Euro, Bernstein setzt 102 Euro an, während die Deutsche Bank vorsichtiger bei 85 Euro liegt. Der RSI von 46,4 signalisiert derzeit weder Über- noch Unterhitzung.

Microsoft: Maia 300 als nächster Schritt zur Chip-Unabhängigkeit

Microsofts Aktie hat eine beeindruckende Erholung hinter sich. Aktuell steht der Kurs bei 440,60 Euro, ein Plus von 1,91 Prozent zum Vortag und von 30,61 Prozent über die vergangenen 30 Tage. Über zwölf Monate liegt die Aktie dennoch minimal im Minus, ein Beleg dafür, wie stark die jüngste Erholung nach einer schwachen ersten Jahreshälfte ausgefallen ist.

Treiber der Rally ist unter anderem Microsofts Vorstoß in die Eigenentwicklung von KI-Chips. Der neue Beschleuniger Maia 300 soll spätestens im September vorgestellt werden. Parallel führt Microsoft Gespräche mit TSMC über Fertigungskapazität für mehr als 300.000 Einheiten mit Lieferung im Jahr 2027. Ziel ist ein deutlicher Kostenvorteil gegenüber Nvidia-Chips und die aktive Anwerbung großer Cloud-Kunden wie Anthropic.

Bei der Skalierung dieser Strategie liegt Microsoft allerdings zurück. Der erste Maia-Chip kam bereits im November 2023, doch bisherige Maia-200-Einsätze beschränken sich auf wenige US-Rechenzentren — ein deutlicher Rückstand gegenüber Alphabet und Amazon. Ergänzend setzt Microsoft künftig auch auf AMDs Helios-Rack-System, gemeinsam mit Meta, OpenAI und Oracle. Der RSI von 78,1 zeigt, dass auch hier die Rally kurzfristig heiß gelaufen ist.

AMD: Taalas-Zukauf zielt auf die Inferenz-Nische

Bei AMD geht es zuletzt volatiler zu. Der Kurs notiert bei 412,45 Euro, heute mit einem Minus von 1,33 Prozent, nach einem Rückgang von 15,60 Prozent über die vergangenen 30 Tage. Auf Jahressicht bleibt trotz dieser Konsolidierung ein Plus von 124,13 Prozent, über zwölf Monate sogar von 177,74 Prozent — die Aktie hat sich damit fast verdreifacht.

Strategisch bleibt die Richtung klar. Vor wenigen Tagen gab AMD eine endgültige Vereinbarung zur Übernahme des Toronto-Start-ups Taalas bekannt, spezialisiert auf Halbleiter für KI-Inferenz. Taalas-Chef Ljubisa Bajic beschrieb die Mission als Neuausrichtung der Inferenz-Hardware rund um das Modell selbst — der Anschluss an AMD liefere dafür die notwendige Größenordnung.

Der Deal fügt sich in eine breitere Offensive. AMD meldete zuletzt einen Rekordumsatz von 11,5 Milliarden Dollar, das Rechenzentrumssegment verdoppelte sich im Jahresvergleich auf 6,7 Milliarden Dollar. Zusagen von Meta und Microsoft zum Einsatz des Helios-Systems untermauern diese Entwicklung.

Bei der Bewertung bleibt Vorsicht angebracht. AMD weist ein Forward-KGV von 66 auf, deutlich über Nvidias 23 und Broadcoms 21 — wenig Spielraum für Enttäuschungen im Rechenzentrumsgeschäft. US-Analysten bleiben mit einem durchschnittlichen Kursziel von 613,33 US-Dollar bei „Strong Buy“ trotzdem mehrheitlich optimistisch. Der RSI von 45,0 zeigt derzeit keine Übertreibung nach oben oder unten.

Amazon: AWS wächst zweistellig, die Rechnung dafür steigt

Amazon-Aktien notieren bei 239,95 Euro, ein Plus von 1,07 Prozent zum Vortag und nur noch 3,63 Prozent unterhalb des 52-Wochen-Hochs von 249,00 Euro. Über 30 Tage steht ein Plus von 11,63 Prozent, während die vergangene Woche mit -2,78 Prozent leicht negativ verlief.

Der Auslöser für die jüngste Stärke war ein Quartalsbericht mit überraschend starkem AWS-Wachstum. Die Cloud-Sparte legte um 37 Prozent im Jahresvergleich zu, deutlich über der erwarteten Rate von 31 Prozent — das schnellste Wachstum seit 2021. CEO Andy Jassy bezeichnete AWS als „boomend“ und verwies auf die Sparten für Künstliche Intelligenz und eigene Chips, die beide eine jährliche Umsatzrate von über 25 Milliarden Dollar überschritten haben.

Dieses Wachstum hat seinen Preis. Amazon hob seine Investitionsprognose für dieses Jahr auf 220 Milliarden Dollar an, nachdem im Februar noch 200 Milliarden Dollar veranschlagt worden waren. Bei der eigenen Chip-Entwicklung verfügt der Trainium-Chip über mehrjährige, mehrere Gigawatt umfassende Zusagen von Anthropic und OpenAI, während der Graviton-Chip bereits bei 98 Prozent der größten EC2-Kunden zum Einsatz kommt. Kritisch beobachtet wird zugleich ein geplantes Gaskraftwerk in Texas, das zu einem bedeutenden Klimabelaster werden könnte.

Vergleichende Sektordynamik

Die fünf Aktien zeigen, wie unterschiedlich sich der KI-Boom je nach Geschäftsmodell auswirkt:

  • Palantir bleibt die höchstbewertete Software-Story der Gruppe, deren Rally fast ausschließlich von fortgesetztem Wachstum bei Software-Verträgen abhängt — der überkaufte RSI mahnt zur Vorsicht.
  • Infineon zeigt die industrielle Seite des KI-Trades: boomende Auftragsbücher, aber eine Marge, die dem Wachstum hinterherhinkt.
  • Microsoft, AMD und Amazon liefern sich – zusammen mit Alphabet – ein Wettrennen um Unabhängigkeit von Nvidia durch Eigenentwicklung von Chips, mit unterschiedlichem Reifegrad.
  • AMD setzt statt auf direkten GPU-Wettbewerb auf eine breitere Plattform aus GPUs, CPUs und nun Inferenz-Chips über Taalas.
  • Amazon trägt unter den Hyperscalern die größte Capex-Last der Gruppe, mit einer 2026 bereits zweimal angehobenen Ausgabenprognose.

Kapitalintensität verbindet alle fünf Namen. Ob Infineons Fabrikinvestitionen, Amazons Capex-Plan, Microsofts TSMC-Bestellungen oder AMDs Übernahmereihe — überall fließen enorme Summen in KI-Infrastruktur. Belohnt wurden dafür zuletzt vor allem Amazon und Palantir, während Infineons Margenverfehlung und AMDs hohe Erwartungen trotz starker Zahlen skeptischer beurteilt wurden.

KI-Sektor zwischen Rekordlaune und Bewertungssorgen

Die kommenden Wochen dürften zeigen, wie belastbar der aktuelle KI-Trade wirklich ist. Infineons Rückkauf läuft bis Mitte November und wird gemeinsam mit weiteren Details zur KI-Umsatzprognose beobachtet. Palantirs Bewertung steht und fällt weiterhin damit, ob das Unternehmen die bereits hohen Erwartungen erneut übertreffen kann.

Microsofts geplante Maia-300-Enthüllung im September und die Kapazitätsverhandlungen mit TSMC dürften ein wichtiges Signal dafür sein, ob der Rückstand gegenüber Alphabet und Amazon aufgeholt werden kann. AMD muss die Taalas-Übernahme und das Helios-Ökosystem nun in konkrete Kundengewinne umsetzen. Amazon wiederum steht vor der Aufgabe, das beschleunigte AWS-Wachstum aufrechtzuerhalten, während die Investitionsausgaben und die Kritik am Energieinfrastrukturausbau weiter zunehmen.

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Palantir Aktie

155,00 EUR

+ 6,16 EUR +4,14 %
KGV 147,02
Sektor Technologie
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 413,35 Mrd. EUR
Ø Kursziel 189,90 USD
ISIN: US69608A1088 WKN: A2QA4J

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