KI-Euphorie oben, Materials-Rally unten: Der Split im Depot

Nvidia und Cybersecurity treiben Technologiewerte, während europäische Materials-Aktien trotz besserer Industriedaten zurückbleiben.

Eduard Altmann ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Deutsche Bank nähert sich Jahreshoch
  • Materials-Aktien bleiben hinter Industrie zurück
  • Nvidia steigert Umsatz um 106 Prozent
  • Uber startet Delivery-Hero-Angebot

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

An den US-Börsen dominieren heute zwei Geschichten: ein Rekordquartal von Nvidia und ein regelrechtes Kursfeuerwerk bei Cybersecurity-Aktien. Für ein europäisch geprägtes Depot lohnt der Blick aber gerade dorthin, wo die Euphorie noch nicht angekommen ist – zu einer deutschen Großbank, die ihre IT saniert, und zu Rohstoff-Aktien, die von der beginnenden Erholung der europäischen Industrie bislang nichts mitbekommen haben. Dazu ein Übernahmefall, dessen Annahmefrist heute startet. Fünf Geschichten, die für ein deutsches Depot heute wirklich zählen.

Deutsche Bank: Vom Zins-Play zur Effizienzgeschichte

GFT Technologies unterstützt die Deutsche Bank beim Umzug des Privatkundengeschäfts in die Cloud – 15 Kernbankensysteme werden auf zwei Plattformen konsolidiert, eingebettet in ein Strategieprogramm, das bis 2028 läuft. Der Markt honorierte das prompt: Die GFT-Aktie sprang um 9,5 Prozent. Für die Deutsche Bank selbst ist das kein Randthema. Die Aktie notiert bei 34,77 Euro, nur knapp unter ihrem am Mittwoch markierten 52-Wochen-Hoch von 34,98 Euro, binnen zwölf Monaten um 16 Prozent gestiegen, davon 12 Prozent allein in den vergangenen 30 Tagen. Die eigentliche Botschaft steckt in dieser Kursentwicklung: Die Bank wird am Markt nicht mehr nur als Zinsdifferenz-Wette gehandelt, sondern zunehmend als Kostensenkungs- und Effizienzgeschichte – ein Muster, das auch andere europäische Großbanken mit Legacy-IT auf dem Schirm haben sollten.

Materials hängen der Konjunkturerholung hinterher – genau das macht sie interessant

Während die Deutsche Bank ihre Bewertung neu verhandelt, tut sich in der europäischen Industrie etwas, das an der Börse noch kaum ankommt. Österreichs Einkaufsmanagerindex sprang im August um 2,9 Punkte auf 54,4 – deutlich über die Wachstumsschwelle von 50 – und die Industriebeschäftigung legte erstmals seit drei Jahren wieder zu. Der Eurozonen-PMI liegt bei 52,8 Punkten. Die Signale einer Entspannung in der europäischen Industrie verdichten sich also. Bei den klassischen Materials-Werten ist davon aber wenig zu sehen: Heidelberg Materials notiert bei 169,80 Euro, nur wenig über seinem erst am 18. August markierten 52-Wochen-Tief von 154,40 Euro, nach einem Jahresverlust von 24 Prozent seit Januar. K+S bleibt trotz der Erholungssignale an diesem Donnerstag schwächster MDAX-Wert, hat über zwölf Monate aber immer noch 35 Prozent zugelegt. Wer an die zyklische Erholung der Industrie glaubt, findet hier eine Bewertungslücke, die sich erst noch schließen muss – ein Kontrapunkt zur reinen KI-Euphorie an anderer Stelle im Markt.

Nvidia liefert – aber Washington könnte die Rally bremsen

Ganz anders die Dynamik bei Chip-Werten. Nvidia legte am Mittwoch nach US-Börsenschluss Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor: 96,2 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Data-Center-Umsatz kletterte um 117 Prozent auf 89 Milliarden Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,22 Dollar, der GAAP-Gewinn bei 59,7 Milliarden Dollar (+126 Prozent). Für das laufende Quartal stellt Nvidia rund 108 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht. JPMorgan hob sein Kursziel auf 320 Dollar an, Melius auf 420 Dollar, Mizuho auf 315 Dollar. Der Halo-Effekt erreicht auch deutsche Zulieferer: Süss MicroTec legt heute 3,4 Prozent zu und hat sich binnen zwölf Monaten mehr als verdoppelt (+169 Prozent), Aixtron gewinnt moderat hinzu und steht seit Jahresbeginn mit +115 Prozent da. Der Haken dabei: Die US-Regierung prüft offenbar eine neue Zollrunde auf Halbleiter und darauf basierende Technologieprodukte – Laptops, Rechenzentrums-Server und Gaming-Hardware eingeschlossen. Wer über Aixtron, Süss MicroTec oder Nvidia selbst an der KI-Rally partizipiert, sollte dieses politische Risiko nicht ausblenden, gerade weil der Wettlauf um KI-Infrastruktur erst richtig an Fahrt gewinnt.

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Nvidias Rekordquartal mit einem Umsatzsprung von 106 Prozent zeigt, wie gewaltig die Investitionen in KI-Infrastruktur inzwischen ausfallen – doch abseits des offensichtlichen Branchenprimus bleiben viele Big-Data-Werte im Schatten. Ein aktueller Report stellt zehn Unternehmen vor, die von diesem Megatrend maßgeblich profitieren könnten. Jetzt Report zu den Top-10-KI-Aktien sichern

Cybersecurity wird zur zweiten Gewinnerbranche der KI-Welle

Auch abseits der Chip-Lieferkette zeigt sich, wie breit die KI-Story inzwischen wirkt. CrowdStrike und Okta legten ihre Zahlen für das zweite Fiskalquartal ebenfalls am Mittwochabend vor – über den Erwartungen, mit angehobenen Prognosen. Die Begründung: Die zunehmende Bedrohung durch KI-Agenten zwingt Kunden zu höheren Sicherheitsausgaben. CrowdStrike-Chef George Kurtz sprach von einem „Wettrüsten“, in dem KI sowohl mehr Angriffe als auch mehr Abwehrbedarf erzeugt. Die Börse reagierte mit Kurssprüngen von 15 Prozent bei CrowdStrike und rund 20 Prozent bei Okta, der gesamte Sektor zog mit – Palo Alto Networks, SailPoint und Rubrik legten jeweils rund 9 Prozent zu. Für Anleger heißt das: Die KI-Story ist längst nicht mehr nur eine Chip- und Cloud-Geschichte, sie erzeugt eine ganze zweite Welle an Nutznießern in der IT-Sicherheit.

Uber macht Ernst mit Delivery Hero

Und dann ist da noch eine Übernahme, die heute in ihre entscheidende Phase geht. Das offizielle Angebot von Uber liegt bei 41,50 Euro je Delivery-Hero-Aktie, was das Unternehmen mit bis zu 13 Milliarden Euro bewertet. Die Annahmefrist läuft vom 27. August bis zum 5. November, Uber hält bereits 53 Prozent der Anteile. Delivery Hero selbst hat parallel die Prognose für das Bruttowarenwert-Wachstum 2026 auf 9 bis 11 Prozent angehoben. Bemerkenswert ist der Kurs: Die Aktie notiert aktuell bei 36,99 Euro, spürbar unter dem Angebotspreis und unter ihrem bisherigen 52-Wochen-Hoch von 40,49 Euro. Der Markt preist die volle Offerte also noch nicht ein – für Bestandsaktionäre die zentrale Frage, ob sie auf eine Nachbesserung setzen oder lieber die Sicherheit des Andienens wählen.

Unterm Strich

Der heutige Tag zeigt ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite ein KI- und Cybersecurity-getriebener Optimismus, der sich in Kurssprüngen bei Chipzulieferern und Sicherheitsanbietern entlädt, befeuert von Nvidias Rekordzahlen. Auf der anderen Seite eine europäische Industrieerholung, die sich in den PMI-Daten längst zeigt, an den Materials-Aktien aber noch nicht abgebildet ist. Wer im Depot ein Gegengewicht zur Tech-Konzentration sucht, findet es eher bei Heidelberg Materials und K+S als bei einer weiteren Chip-Wette – vorausgesetzt, die Zoll-Debatte in Washington bleibt im Blick, denn sie kann die gesamte Halbleiter-Rally jederzeit einbremsen.

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Dass CrowdStrike und Okta binnen eines Tages zweistellige Kurssprünge verzeichnen, zeigt: Die KI-Welle erfasst längst nicht nur Chiphersteller, sondern verändert ganze Industrien von Grund auf. Ein kostenloser Report beleuchtet, welche Unternehmen aus Robotik und Künstlicher Intelligenz von dieser nächsten industriellen Revolution profitieren dürften. Hier den Report herunterladen

Beste Grüße,

Ihr Eduard Altmann

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