KI-Zweifel lösen weltweite Flucht in Staatsanleihen aus

Meta meldet einen vierteljährlichen Mittelabfluss; zugleich sinken US-Anleiherenditen und mehrere KI-Firmen verschieben ihre Börsengänge.

Felix Baarz ·

Kurz zusammengefasst

  • Meta verzeichnet vierteljährlichen Barmittelabfluss
  • CoreWeave-Aktie verliert zehn Prozent
  • Rendite zehnjähriger US-Papiere sinkt
  • Switch und Nscale verschieben Börsengänge

Sorgen über die enormen Kosten der künstlichen Intelligenz haben die Aktienmärkte erfasst und eine kräftige Flucht in sichere Häfen ausgelöst. Anleger zweifeln zunehmend an der Tragfähigkeit der milliardenschweren Ausgabenprogramme, weshalb Kapital von hoch bewerteten Technologiekonzernen direkt in Staatsanleihen und krisenfeste Währungen wie den japanischen Yen oder den Schweizer Franken umschichtet.

Die Verunsicherung traf vor allem die Schwergewichte des Sektors. Die Aktien der Facebook-Mutter Meta gaben um rund sieben Prozent nach, nachdem das Unternehmen wegen hoher KI-Ausgaben seinen ersten vierteljährlichen Barmittelabfluss seit über einem Jahrzehnt verzeichnete und neue stimmrechtslose Aktien zur Finanzierung ankündigte. Beim Rechenzentrumsbetreiber CoreWeave brach der Börsenkurs gar um zehn Prozent ein.

Erdrutsch an den Rentenmärkten

Der Kursrutsch bei den Tech-Werten löste an den globalen Rentenmärkten die stärkste Erholung seit Anfang 2023 aus. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe fiel um 19 Basispunkte und sackte damit wieder unter die Marke von fünf Prozent.

Parallel dazu verbuchten dreißigjährige US-Papiere einen Preissprung um zwei volle Punkte. Investoren nutzen Staatsanleihen wieder gezielt als Absicherung gegen konjunkturelle Bremsspuren. Außerhalb der USA sanken die Zinsen für langlaufende Staatstitel in Japan und Australien ebenfalls spürbar.

Die tektonische Verschiebung erfasste auch die Notenbankerwartungen. An den Terminmärkten strichen Händler eine vollständige US-Zinserhöhung für das kommende Jahr aus den Kursen. Auch eine Straffung im Dezember gilt nicht mehr als ausgemacht, die eingepreiste Wahrscheinlichkeit sank auf 85 Prozent. Marktbeobachter werten dies als klares Signal: Die Furcht vor einem Abflauen des Investitionsbooms wiegt an den Märkten derzeit schwerer als der anhaltende Preisdruck durch teure Energie.

Vorsicht erreicht den Emissionskalender

Die Ernüchterung hinterlässt auch abseits der Börsennotierungen deutliche Spuren. Mehrere Unternehmen aus den Bereichen KI-Infrastruktur und Rechenzentren, darunter Switch und Nscale, haben ihre geplanten Börsengänge vorerst verschoben. Investoren prüfen die massiven Investitionsbudgets inzwischen deutlich kritischer.

Lediglich das KI-Entwicklerunternehmen Anthropic hält an seinen Plänen für einen Börsengang Mitte November 2026 fest. Ob dieser Schritt in einem von Risikoaversion geprägten Umfeld gelingt, entscheidet sich ab der Woche des 9. November 2026, wenn das Institut seine Aktien institutionellen Anlegern anbietet.

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