Kioxia Aktie: 10,24-Prozent-Absturz in Tokio
Kioxia verliert nach schwacher SanDisk-Prognose deutlich an Wert. Trotz neuer SSD-Generation bleibt die Unsicherheit im KI-Speichermarkt hoch.

Kurz zusammengefasst
- Kursrutsch nach SanDisk-Prognose
- Asiatische Speicherwerte brechen ein
- Neue PCIe-6.0-SSDs vorgestellt
- KI-Speicherboom unter Druck
Der weltweite Speicherchip-Sektor erlebt einen turbulenten Handelstag – und Kioxia steht mitten im Sturm. Der japanische Flash-Speicherhersteller verlor am Donnerstag im europäischen Handel 6,88 Prozent und schloss bei 272,00 Euro. Auslöser war eine enttäuschende Umsatzprognose des US-Konkurrenten SanDisk, die trotz Rekordzahlen eine Verkaufswelle bei Speicherchip-Aktien rund um den Globus auslöste.
Ausverkauf greift von Seoul bis Tokio über
Der Kurssturz bei Kioxia reihte sich in einen breiten Abverkauf asiatischer Technologiewerte ein. An der Tokioter Börse fiel die Kioxia-Aktie am Donnerstag um 10,24 Prozent auf 48.740 Yen, während der südkoreanische KOSPI um 4,59 Prozent auf 6.295,44 Punkte einbrach. Besonders hart traf es die koreanischen Speicherchip-Riesen: SK Hynix verlor 10,37 Prozent, Samsung Electronics gab 6,30 Prozent nach. Der Nikkei 225 schloss vergleichsweise moderat um 0,93 Prozent leichter. Am Freitag setzte sich die Schwäche bei Kioxia fort, das Papier fiel in Tokio um weitere 2,03 Prozent auf 47.750 Yen, obwohl sich der KOSPI mit einem Mini-Plus von 0,17 Prozent stabilisierte.
Der europäische Kursverlauf spiegelt diese Entwicklung mit zeitlichem Versatz wider. Nach dem kräftigen Rücksetzer notiert die Aktie inzwischen 32,08 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 400,47 Euro – ein deutliches Zeichen dafür, wie stark sich die Stimmung binnen weniger Wochen gedreht hat. Zugleich bleibt die Jahresperformance beeindruckend: Der Titel hatte im laufenden Jahr zeitweise eine außergewöhnliche Rally hingelegt, bevor die jüngste Korrektur einsetzte.
SanDisk-Prognose als Zünglein an der Waage
Den Ausschlag für den Ausverkauf gab SanDisk. Der US-Speicherhersteller meldete für das vierte Quartal einen Umsatz von 8,97 Milliarden Dollar – ein Plus von 372 Prozent gegenüber dem Vorjahr – sowie ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 39,25 Dollar, deutlich über den Erwartungen der Analysten. Der Rechenzentrums-Umsatz verdoppelte sich binnen eines Quartals nahezu. Doch die Prognose für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres von 10,3 bis 10,8 Milliarden Dollar Umsatz blieb hinter den besonders hohen Erwartungen zurück, die sich rund um den KI-getriebenen Speicherboom aufgebaut hatten.
Die Reaktion an den Märkten fiel entsprechend heftig aus: SanDisk selbst verlor im US-Handel zweistellig, Western Digital brach um mehr als zehn Prozent ein. Jefferies senkte sein Kursziel für SanDisk um 42 Prozent, blieb aber grundsätzlich konstruktiv gegenüber dem Datencenter-Geschäft. Diese Verunsicherung über die Nachhaltigkeit des KI-Speicherbooms sprang direkt auf Kioxia, SK Hynix und Samsung über, da alle drei Unternehmen als zentrale Anbieter im NAND- und Speichermarkt gelten und ihre Bewertungen zuletzt ähnlich stark von der KI-Nachfrage getrieben wurden.
Neue SSD-Generation als Gegengewicht
Losgelöst von der Kursturbulenz treibt Kioxia sein Produktportfolio für den KI-Markt voran. Das Unternehmen stellte die neue GP1-Serie seiner PCIe-6.0-SSDs vor, die mit dem NVMe-2.2-Standard und der XL-FLASH-Technologie mit 512-Byte-Blöcken bis zu 10 Millionen IOPS erreichen sollen. Ziel ist der direkte Zugriff für Grafikprozessoren als kostengünstigere Alternative zu teurem HBM-Speicher. Die Laufwerke sind in den Formfaktoren E3.S und E1.S verfügbar, wahlweise luft- oder flüssigkeitsgekühlt, und sollen bis zu 50 Laufwerksschreibvorgänge pro Tag aushalten. Kioxia kündigte zudem bereits künftige XL-FLASH-Generationen mit bis zu 100 Millionen IOPS an. Das Unternehmen präsentierte sich zudem auf der FMS-Konferenz in Santa Clara gemeinsam mit SanDisk, Micron, Intel und weiteren Speicherherstellern.
Für Anleger bleibt die Gemengelage anspruchsvoll: Einerseits bestätigt die neue Produktgeneration, dass Kioxia technologisch im Rennen um KI-taugliche Speicherlösungen mithält. Andererseits zeigt der jüngste Kursrutsch, wie sensibel der Markt auf jede Abweichung von den hochgesteckten Wachstumserwartungen im KI-Speichersegment reagiert.
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