Kioxia Aktie: 18,3-Prozent-Crash auf 44.550 Yen
Kioxia verzeichnet mit 18,3 Prozent den größten Tagesverlust unter japanischen Tech-Werten. Auslöser sind chinesische Konkurrenz und Zweifel am KI-Boom.

Kurz zusammengefasst
- Aktie stürzt um 18,3 Prozent ab
- China-Konkurrenz belastet Halbleiterbranche
- Kurs seit Juni-Hoch um 45 Prozent gefallen
- Quartalszahlen am Freitag im Fokus
Der weltweite Ausverkauf bei Halbleiterwerten hat den japanischen Speicherchip-Hersteller Kioxia am heutigen Dienstag besonders hart getroffen. In Tokio brach die Aktie um 18,3 Prozent auf 44.550 Yen ein und markierte damit den größten Tagesverlust unter den großen japanischen Technologiewerten. Der Nikkei 225 rutschte parallel um mehr als 4 Prozent unter die Marke von 62.000 Punkten ab.
Auslöser: China-Konkurrenz und Zweifel am KI-Boom
Ausgangspunkt der Verkaufswelle war ein Bericht, wonach das chinesische Unternehmen Shanghai Yuliangsheng mit der Massenproduktion von Immersions-Lithografiemaschinen begonnen habe – einer Technologie, die bislang von ASML dominiert wurde. Zusätzlichen Druck erzeugte der fulminante Börsenstart des chinesischen Speicherchip-Herstellers CXMT, dessen Aktie am Vortag um 465,82 Prozent zulegte und das Unternehmen kurzzeitig zum wertvollsten Konzern Chinas machte. Analysten werteten den CXMT-Sprung als Signal für eine wachsende chinesische Kapazitätsausweitung im Speicherchip-Markt, auch wenn mehrere Beobachter CXMT als überbewertet und technologisch zwei Generationen im Rückstand einstuften.
Neben Kioxia gerieten auch Tokyo Electron, Advantest und Renesas mit Verlusten von rund 10 bis 11 Prozent unter die Räder, während Lasertec sogar mehr als 14 Prozent verlor. In Südkorea löste der Kospi mit einem Einbruch von über 10 Prozent eine Handelsunterbrechung aus, Samsung und SK Hynix verloren zweistellig. Zusätzlich belasteten Berichte über ein mögliches 250-Milliarden-Dollar-Engagement von Nvidia zur Absicherung eines OpenAI-Projekts, das Sorgen vor zirkulären Finanzierungsstrukturen in der KI-Branche schürte. Der Bloomberg-Chipindex für Asien verlor rund 7,5 Prozent, an der Wall Street summierten sich die Verluste bei sechs großen Speicherchip-Werten laut Berechnungen auf umgerechnet 541 Milliarden Dollar.
Kioxia bereits vor dem heutigen Einbruch unter Druck
Der aktuelle Kurssturz reiht sich in eine bereits laufende Korrektur ein. Schon am 17. Juli war die Aktie um 16,1 Prozent gefallen, seit dem Zwischenhoch von 111.250 Yen am 22. Juni summierte sich der Rückgang bis dahin auf rund 45 Prozent. Verschärft wurde die Lage durch den vollständigen Ausstieg von Bain Capital aus seiner Kioxia-Beteiligung, der bis zum 8. Juli abgeschlossen war. Beobachter machten zudem eine Entladung von Retail-Hebelpositionen für die scharfen Kursbewegungen verantwortlich.
Trotz der Talfahrt bleibt das fundamentale Bild differenziert: Die Ratingagentur S&P Global hatte Kioxia zuletzt auf BBB- hochgestuft, das erwartete EBITDA für das Geschäftsjahr 2026 wird auf rund 6 Billionen Yen geschätzt – das Fünffache des Vorjahreswerts. Für den Gesamtjahresgewinn kursiert eine Konsensschätzung von 5,3018 Billionen Yen, die den bisherigen Rekord von SoftBank übertreffen könnte. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei rund 116.768 Yen und impliziert damit ein erhebliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Niveau. Marktbeobachter spekulieren zudem über einen möglichen Aktiensplit sowie eine Dividendenankündigung.
Quartalszahlen am Freitag im Fokus
Am 31. Juli legt Kioxia seine Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor. Für dieses Quartal wird ein Nettogewinn von 948,99 Milliarden Yen erwartet, nach einer eigenen Unternehmensprognose von 869 Milliarden Yen. Der jüngste Kurseinbruch ließ die Marktkapitalisierung des Unternehmens in Japan auf den siebten Platz zurückfallen. Zusätzlich plant Kioxia für das Frühjahr 2027 ein Listing in Form von American Depositary Shares in den USA.
Charttechnik zeigt überverkaufte Lage
Im europäischen Handel notiert die Kioxia-Aktie bei 232,75 Euro und verliert damit heute 12,80 Prozent. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 621,00 Euro, das im Juni erreicht wurde, beträgt der Abstand mittlerweile 62,52 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 34,6 signalisiert eine überverkaufte Situation, nachdem der Kurs binnen 30 Tagen um mehr als die Hälfte eingebrochen ist. Die hohe annualisierte Volatilität von 167,55 Prozent unterstreicht, wie nervös der Handel in der Aktie derzeit verläuft – Anleger dürften die Quartalszahlen am Freitag als möglichen Wendepunkt genau beobachten.
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