Kioxia vor der nächsten Weichenstellung im NAND-Markt

Kioxia-Aktie fällt nach Halbjahresprognose um fast 7 Prozent. Analysten uneins über Ende des KI-Speicherpreiszyklus.

Felix Baarz ·
Kioxia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Kursrutsch nach schwacher Halbjahresprognose
  • Analysten streiten über NAND-Preisentwicklung
  • Neue KI-SSD-Produkte vorgestellt
  • Aktiensplit für Oktober angekündigt

Ausgangslage

Kioxia-Aktien gaben am heutigen Donnerstag deutlich nach: Im deutschen Handel fiel der Kurs um 6,89 Prozent auf 274,80 Euro. In Tokio, dem Haupthandelsplatz des Papiers, brach der Kurs laut The Japan Times um rund 9 Prozent ein. Auslöser war die Prognose des Speicherchip-Herstellers für das operative Ergebnis im ersten Geschäftshalbjahr, die Analysten als Hinweis auf eine Abschwächung der KI-getriebenen NAND-Preise werteten.

Der Zeitpunkt ist heikel: Erst am 31. Juli hatte Kioxia für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Rekordumsatz von 1.767,1 Milliarden Yen gemeldet, ein Plus von 415,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen tilgte zugleich sämtliche ausstehenden Seniorkredite vollständig und weist seither eine Netto-Cash-Position von 186,7 Milliarden Yen aus. Dass ausgerechnet nach solchen Zahlen die Guidance die Anleger verschreckt, zeigt, wie sensibel der Markt auf jedes Signal für ein Ende des Preiszyklus reagiert.

Die entscheidende Frage

Für Anleger läuft alles auf eine Frage hinaus: Ist die Prognose von 3,16 Billionen Yen operativem Ergebnis fürs erste Geschäftshalbjahr bloß konservative Zurückhaltung des Managements, oder markiert sie den Wendepunkt im NAND-Preiszyklus? Genau daran scheiden sich die Lager. Analysten von Daiwa, UBS und Goldman Sachs bekräftigten am heutigen Donnerstag nach dem jüngsten Zahlenwerk ihre Kaufempfehlungen für die Aktie. Bernstein hält am selben Tag an einem Verkaufsvotum fest und verweist auf die langfristige Zyklizität des Geschäfts sowie auf Kapazitätsausbauten der Konkurrenz. Wie stark Wettbewerber wie Samsung und SK Hynix ihre Fertigung ausweiten, dürfte mitentscheiden, ob Kioxia die aktuellen Margen verteidigen kann oder ob ein Angebotsüberhang die Preise drückt.

Bullisches Szenario

Für die optimistische Lesart sprechen mehrere Bausteine: Kioxia bringt in kurzen Abständen neue Produkte für das KI-Infrastrukturgeschäft auf den Markt. Auf der FMS-Konferenz stellte das Unternehmen am Dienstag die GP1-Serie vor, PCIe-6.0-SSDs mit bis zu zehn Millionen zufälligen Lese-IOPS, optimiert für den direkten GPU-Zugriff. Bereits am 30. Juli hatte Kioxia mit der CM10-Serie die nach eigenen Angaben ersten Enterprise-SSDs auf Basis der zehnten BiCS-FLASH-Generation mit 332 Speicherlagen vorgestellt, die aktuell bei ausgewählten Kunden gemustert werden. Parallel entwickelt das Unternehmen UFS-5.0-Speicherbausteine für KI-Anwendungen auf Endgeräten, deren Massenproduktion noch in diesem Jahr anlaufen soll.

Hinzu kommt die finanzielle Basis: Die Rückzahlung der Seniorkredite und die Netto-Cash-Position verschaffen Kioxia Spielraum, den Zyklus ohne Refinanzierungsdruck zu durchstehen. Ab dem 1. Oktober tritt ein Aktiensplit im Verhältnis drei zu eins in Kraft, der die Liquidität des Papiers erhöhen und den Kreis potenzieller Investoren erweitern soll. Sollten sich die Gerüchte um wiederaufgenommene Fusionsgespräche mit Western Digital bestätigen, entstünde ein Anbieter, der Samsung und SK Hynix bei Größe und Verhandlungsmacht näherkäme.

Bärisches Szenario

Die Gegenseite verweist auf handfeste Warnsignale: Bernstein sieht im Kapazitätsausbau von Samsung und SK Hynix das strukturelle Risiko eines klassischen Preisverfalls, sollte die KI-Sonderkonjunktur bei NAND-Speichern abklingen. Auch Morningstar dämpfte am Dienstag die Euphorie mit dem Hinweis, der Quartalsumsatz sei um 7 Prozent unter den internen Erwartungen des Unternehmens geblieben, obwohl das Analysehaus die Investitionsdisziplin bei den Kapitalausgaben lobte.

Die extreme Schwankungsbreite der Aktie unterstreicht dieses Risiko: Nach dem heutigen Rückschlag liegt der Kurs 55,75 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Die Fusionsgespräche mit Western Digital bleiben zudem reine Spekulation: Western Digital ging in seinem Quartalsbericht am Mittwoch lediglich auf entsprechende Marktgerüchte ein, ohne Verhandlungen zu bestätigen. Zusätzliche Unsicherheit liefert ein Rechtsstreit gegen Kioxia-Tochtergesellschaften: Am Montag veröffentlichte das Unternehmen eine förmliche Mitteilung zu einem Gerichtsurteil in dieser Sache, nachdem bereits am 17. Juli ein Jury-Verdikt bekanntgeworden war.

Ausblick

Kurzfristig dürfte die Aktie zwischen den beiden Lesarten schwanken. Hält die Nachfrage nach KI-Speicherchips auf dem aktuellen Niveau, dürften die Kaufempfehlungen von Daiwa, UBS und Goldman Sachs weiter Gewicht bekommen. Bestätigen zusätzlich die neuen Produkte GP1, CM10 und die kommenden UFS-5.0-Bausteine das Auftragsinteresse der Kunden, stützt das die bullische These weiter. Kippt dagegen die Preisdynamik schneller als erwartet, weil Samsung und SK Hynix ihre Kapazitäten aggressiver hochfahren, bekommt Bernsteins Zyklus-Warnung recht.

Der nächste konkrete Termin steht bereits fest: Am 1. Oktober tritt der Drei-für-eins-Split in Kraft, der die Handelbarkeit verändert, aber die fundamentale Bewertungsfrage nicht löst. Bis dahin dürfte der Markt jede Nachricht zu den Fusionsgesprächen mit Western Digital genau verfolgen. Ein bestätigtes Zusammengehen würde die Wettbewerbsposition gegenüber Samsung und SK Hynix verändern, bleibt aber vorerst Spekulation. Ebenso im Blick bleibt der Rechtsstreit gegen die Tochtergesellschaften, dessen Ausgang zusätzliche Belastungen nicht ausschließt.

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Kioxia Aktie

274,10 EUR

– 16,55 EUR -5,69 %
KGV 54,07
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 163,63 Mrd. EUR
ISIN: JP3236330001 WKN: A2QB8W

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