KNDS Aktie: 500-Haubitzen-Auftrag vor IPO-Tag

Kurz vor dem Börsengang winkt KNDS ein US-Großauftrag über Haubitzen. Die Bewertung fällt jedoch niedriger aus als zunächst erwartet.

Redaktion Stock-World ·
Eine moderne Artilleriehaubitze auf einem Militärgelände bei Sonnenuntergang, vor einem dramatischen Himmel. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • US-Heer vergibt Haubitzen-Auftrag im Juli
  • KNDS bewirbt sich mit CAESAR-System
  • Börsenbewertung bei 12 bis 15 Milliarden Euro
  • Starker Auftragsbestand von 33 Milliarden Euro

Wenige Wochen vor dem Börsengang könnte ein US-Rüstungsauftrag das Timing für KNDS kaum besser treffen. Das US-Heer will noch im Juli einen Vertrag über selbstfahrende Haubitzen vergeben — genau dann, wenn KNDS seine Aktien erstmals an der Börse platziert.

Haubitzen-Auftrag als Katalysator

Das US-Heer plant, bis zu 500 Systeme zu beschaffen. KNDS bietet gemeinsam mit dem amerikanischen Partner Leonardo DRS an. Das Angebot: die CAESAR-Selbstfahrhaubitze. Die Konkurrenz ist schlagkräftig — Hanwha und Rheinmetall buhlen ebenfalls um den Auftrag.

Ein entscheidender Vorteil spricht für das transatlantische Team. Derzeit testen 54 CAESAR-Einheiten unter Echtbedingungen in der Ukraine. Das ist kein Prototyp — das ist Kampferprobung.

Ein Vertragszuschlag noch vor dem 13. Juli, dem geplanten ersten Handelstag, würde KNDS einen konkreten Beweis für die Nachfrage liefern — genau in dem Moment, in dem institutionelle Investoren den Ausgabepreis bewerten.

Bewertung unter Druck

Der Börsengang selbst steht unter einem Schatten. Die angestrebte Marktkapitalisierung liegt bei 12 bis 15 Milliarden Euro. Frühere Bankenschätzungen hatten noch 25 Milliarden Euro als Ziel ausgegeben — also fast doppelt so viel.

Der Hauptgrund für den Abschlag ist strukturell. Die beiden Ankerstaaten — die französische Staatsbeteiligung Giat Industries und die deutsche Wegmann-Holding — halten zusammen 80 Prozent der Anteile und verfügen über gegenseitige Vetorechte. Institutionelle Investoren im 20-prozentigen Streubesitz können die Unternehmensstrategie kaum beeinflussen. Dieser Kontrollverlust hat seinen Preis.

Die Platzierung richtet sich ausschließlich an institutionelle Anleger. Ein öffentliches Angebot für Privatanleger gibt es nicht. Alle Erlöse fließen direkt an die beiden Ankergesellschafter.

Starke Zahlen, ambitionierte Ziele

Die Fundamentaldaten liefern dennoch ein überzeugendes Bild. Der Auftragsbestand liegt bei 33,1 Milliarden Euro — mehr als das Siebenfache des Jahresumsatzes von 4,4 Milliarden Euro. Das Umsatzwachstum betrug 2024 rund 16 Prozent. Das EBIT erreichte 661 Millionen Euro, der freie Cashflow 980 Millionen Euro.

Für 2026 plant KNDS ein Umsatzwachstum von rund 30 Prozent. Mittelfristig soll der Umsatz auf 11 bis 12 Milliarden Euro steigen. Das stärkste Wachstum erwartet der Konzern bei KNDS Land Systems Germany — der Umsatz soll sich dort gegenüber 2025 etwa verdreifachen. Ab dem Geschäftsjahr 2026 will KNDS Dividenden ausschütten, mit einer Ausschüttungsquote von rund 40 Prozent des Nettogewinns.

Neue Systeme, schwieriges Marktumfeld

Auf der Rüstungsmesse Eurosatory präsentierte KNDS zwei neue Systeme. Der Kampfpanzer CAPINT kombiniert ein verbessertes Leopard-2A8-Fahrwerk mit einem unbemannten Turm. Das Artilleriesystem LORAS schießt mit Standardmunition auf über 60 Kilometer Reichweite — mit Spezialmunition sogar auf bis zu 100 Kilometer.

Das Marktumfeld bleibt trotzdem herausfordernd. Europäische Rüstungsaktien haben seit Anfang 2026 deutlich nachgegeben. Investoren zweifeln daran, ob die angekündigten Rüstungsbudgets schnell genug in Gewinne umgemünzt werden. Rheinmetall — zugleich KNDS-Konkurrent und angeblicher Kaufinteressent, der von den Regierungen ausgebremst wurde — hat in diesem Jahr rund ein Viertel seines Börsenwerts verloren.

Ein institutioneller Investor beschrieb das KNDS-Angebot als „deutlich gesünder“ als andere Rüstungsbörsenplatzierungen des Jahres. Der Grund: Es zieht gezielt Käufer an, die Landstreitkräfte-Exposure suchen — keine Momentum-Trader. Ob das reicht, zeigt sich spätestens am 13. Juli.

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