KNDS Aktie: 72 Haubitzen für Großbritannien

KNDS sichert sich einen Milliardenauftrag für Haubitzen aus Großbritannien, während der geplante Börsengang mit einer reduzierten Bewertung kämpft.

Dr. Robert Sasse ·
KNDS Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Milliarden-Deal für 72 RCH 155 Haubitzen
  • Börsengang mit Bewertung unter 20 Milliarden Euro
  • Staatliche Beteiligungen schränken Streubesitz ein
  • Auftragsbestand steigt auf 33 Milliarden Euro

Großauftrag aus London, Interesse aus Washington, ein Kandidat für Kanada — KNDS betritt die Eurosatory 2026 in Paris als einer der gefragtesten Artilleriehersteller der Welt. Der Börsengang des deutsch-französischen Rüstungskonzerns steht trotzdem unter Druck.

72 Haubitzen für die britische Armee

Das Fundament ist ein fast eine Milliarde Pfund schwerer Vertrag, den OCCAR im Mai 2026 im Auftrag der britischen Armee vergab. ARTEC GmbH — ein Gemeinschaftsunternehmen von KNDS und Rheinmetall — liefert 72 ferngesteuerte Haubitzen des Typs RCH 155. Erste Lieferungen sind für 2028 geplant, eine einsatzfähige Grundkapazität soll noch vor 2030 stehen.

Das System ersetzt die AS-90-Haubitzen, die seit 1992 im Dienst sind. Laut britischem Verteidigungsministerium schießt die RCH 155 acht Schuss pro Minute auf Ziele bis zu 70 Kilometer Entfernung.

Die industrielle Wirkung ist erheblich. KNDS UK baut das Boxer-Fahrgestell in Stockport, Rheinmetall schafft 100 Arbeitsplätze in Telford. Hinzu kommen 100 Jobs in Stockport und 300 weitere in der britischen Zulieferkette.

Pipeline reicht bis Nordamerika

Der britische Auftrag steht nicht allein. Anfang Juni schlug American Rheinmetall die RCH 155 — gemeinsam mit KNDS — als Lösung für das US-Programm Mobile Tactical Cannon vor. Noch kein Vertrag, aber KNDS ist damit im Modernisierungsprogramm des Pentagon präsent.

Parallel dazu präsentierte General Dynamics Land Systems–Canada auf der CANSEC-Messe in Ottawa den Grizzly LAV 155mm. Das Fahrzeug kombiniert den RCH-155-Turm von KNDS mit einem modifizierten LAV-6.0-Fahrgestell. Auch hier fehlt noch ein Auftrag — das System bewirbt sich um Kanadas Programm zur Modernisierung indirekter Feuerunterstützung.

IPO mit reduzierter Bewertung

Hinter dem Exporterfolg verbirgt sich ein komplizierter Börsengang. KNDS strebt eine Doppelnotierung in Frankfurt und Paris an. Die Bewertung liegt inzwischen bei 18 bis 20 Milliarden Euro — deutlich unter den ursprünglich kolportierten 25 Milliarden Euro.

Eine wichtige Hürde ist gefallen. Am 2. Juni schloss eine Compliance-Prüfung eines Leopard-2-Vertrags mit Katar aus dem Jahr 2013 ohne Beanstandungen ab. Das war die Voraussetzung dafür, dass Wirtschaftsprüfer PwC die Jahresabschlüsse 2025 testiert — ohne dieses Testat wäre der Börsengang nicht möglich gewesen.

Das Konsortium aus Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale peilt Juni oder Juli als Listingfenster an, September gilt als Ausweichoption.

Problematisch bleibt die Eigentümerstruktur. Deutschland plant, über die KfW einen Anteil von 40 Prozent zum IPO-Preis zu übernehmen, mit dem Ziel, diesen innerhalb von zwei bis drei Jahren auf 30 Prozent zu reduzieren. Frankreich soll ebenfalls 40 Prozent halten. Für den Streubesitz bleiben damit nur 20 Prozent. Analysten fordern deshalb einen Bewertungsabschlag — Minderheitsaktionäre hätten kaum Einfluss.

Starkes Auftragspolster

Das operative Fundament ist solide. KNDS verbuchte 2025 neue Aufträge im Wert von 13,5 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand stieg auf 33,1 Milliarden Euro. Der Umsatz wuchs um knapp 16 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis kletterte von 500 auf 661 Millionen Euro. Die EBIT-Marge erreichte 15 Prozent.

Zwei Gemeinschaftsunternehmen ergänzen das Portfolio. EuroPuls — ein Zusammenschluss mit dem israelischen Rüstungskonzern Elbit Systems — produziert Raketenartillerie für europäische Streitkräfte. Deutschland plant allein rund 500 MARS-3-Werfer auf dieser Plattform. EuroTrophy, ein Konsortium mit Rafael und General Dynamics, rüstet Panzerfahrzeuge mit aktiven Schutzsystemen aus. Rund 200 Fahrzeuge werden bereits damit ausgestattet, darunter der Leopard 2A8 für Deutschland und Norwegen.

Offen bleibt die Frage nach dem MGCS, dem deutsch-französischen Kampfpanzer-Programm der nächsten Generation. Nachdem das Luftkampfsystem FCAS gestrichen wurde, beobachten Marktbeobachter das MGCS genau. KNDS ist dort zentraler Akteur — steckt aber gleichzeitig im deutschen MARTE-Programm, das 12 europäische Länder ohne Frankreich vereint. Wie der Konzern diese konkurrierenden nationalen Prioritäten vor dem Börsengang auflöst, wird Eurosatory 2026 kaum vollständig beantworten.

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