KNDS Aktie: Börsengang verschiebt sich über 2026 hinaus
KNDS erwägt eine Verschiebung des Börsengangs über 2026 hinaus. Parallel stehen ein möglicher Einstieg des Bundes und neue Aufträge im Fokus.

Kurz zusammengefasst
- Börsenstart möglicherweise über 2026 hinaus
- Familien fordern mindestens 12,5 Milliarden Euro
- Bund prüft 40-Prozent-Einstieg bei KNDS
- Indien-Auftrag umfasst 126 neue Türme
Der für den Herbst 2026 geplante Börsengang des deutsch-französischen Panzerbauers KNDS steht vor einer weiteren Verzögerung. Wie gestern bekannt wurde, erwägen das Unternehmen und seine Eigentümerfamilien, das größte europäische Börsendebüt des Jahres möglicherweise über das kommende Jahr hinaus aufzuschieben. Grund für diese Überlegungen sind anhaltende Differenzen bei der Unternehmensbewertung sowie ein schwieriges Marktumfeld für Rüstungswerte.
Bewertungskonflikt bremst den Börsengang
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die angestrebte Bewertung des Herstellers des Kampfpanzers Leopard. Die Eigentümerfamilien Bode und Braunbehrens, die über die Wegmann-Holding 50 Prozent der Anteile halten, lehnen Berichten zufolge jede Bewertung unterhalb von 12,5 Milliarden Euro strikt ab. Diese Untergrenze liegt deutlich unter der ursprünglichen Zielmarke vom Juni, die noch zwischen 15 und 18 Milliarden Euro angesiedelt war.
Institutionelle Investoren zeigen sich derzeit jedoch nicht bereit, diese Forderungen zu erfüllen. Banken raten dem Vernehmen nach zur Geduld, da die Marktlage für Rüstungsaktien zuletzt an Dynamik verloren hat.
Während das Branchenumfeld stagniert, bleibt die Preisfindung für KNDS-Papiere schwierig. Eine endgültige Entscheidung über das weitere Vorgehen wird für Ende September oder Anfang Oktober erwartet.
Bundesregierung als alternative Käuferin
Sollte der Gang an die Börsen in Frankfurt und Paris scheitern oder weiter verschoben werden, rückt eine bereits diskutierte Alternative in den Fokus. Die Bundesregierung könnte einen Anteil von 40 Prozent direkt von der Wegmann-Holding übernehmen.
Ein solcher Deal würde dem Vernehmen nach ein Volumen von rund 6 Milliarden Euro umfassen, was einer Gesamtbewertung von 15 Milliarden Euro entspräche. Dieser Preis läge etwa 25 Prozent über dem aktuellen Marktwert, den Investoren derzeit veranschlagen.
Der deutsche Staat drängt Berichten zufolge auf eine zeitnahe Lösung, während die Eigentümerfamilien betonen, für den Börsengang „alle Zeit der Welt“ zu haben.
Neben dem Bund zeigen auch andere Akteure Interesse: Unternehmen wie die Czechoslovak Group (CSG), Leonardo und Rheinmetall sowie Finanzinvestoren wie Carlyle, KKR und Triton werden als potenzielle Interessenten genannt. Da die Bundesregierung jedoch über ein Veto-Recht bei Eigentümerwechseln verfügt, bleibt sie der entscheidende Akteur in diesem Prozess.
Starke Auftragslage trotz Unsicherheiten
Trotz der Hängepartie am Kapitalmarkt verzeichnet KNDS operativ bedeutende Erfolge. Wie gestern bekanntgegeben wurde, konnte das Unternehmen einen Auftrag für die Lieferung von 126 neu gefertigten 20mm-THL20-Türmen für das indische Light Combat Helicopter-Programm (LCH) sichern. Die Türme basieren auf der bewährten 20M621-Kanone und setzen eine seit 2006 bestehende Partnerschaft fort.
Diese Nachricht unterstreicht die robuste fundamentale Verfassung des Konzerns. Für das Geschäftsjahr 2025 meldete KNDS einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Besonders beeindruckend ist der Auftragsbestand, der zum Jahreswechsel 2025/2026 bei rund 33,1 Milliarden Euro lag.
Mit etwa 11.000 Mitarbeitern und einer starken Positionierung im Bereich gepanzerter Fahrzeuge bleibt das Unternehmen technologisch führend, auch wenn die strategische Zukunft der Eigentümerstruktur vorerst ungeklärt bleibt. Das für diesen Monat vorgestellte Celeris 8×8 Mobility-Kit zeigt zudem, dass der Konzern seine Palette im Bereich Fahrwerkskomponenten weiter diversifiziert.
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