KNDS Aktie: Milliarde-Pfund-Auftrag für 72 Haubitzen

Der Rüstungskonzern plant eine Milliarden-Investition in neue Werke, sichert sich einen britischen Haubitzen-Auftrag und bereitet den Börsengang für Juli vor.

Redaktion Stock-World ·
KNDS Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Verhandlungen über Mercedes-Werk in Ludwigsfelde
  • Britisches Militär bestellt 72 Panzerhaubitzen
  • IPO für Juli 2026 in Paris und Frankfurt geplant
  • Berlin prüft Beteiligung vor Börsengang

Milliardenschwere Aufträge, Werksübernahmen und ein Börsengang in Sichtweite— beim europäischen Rüstungskonzern KNDS verdichten sich die Weichen stellenden Entscheidungen auf wenige Wochen.

Automotive-Werke für Rüstungsproduktion

KNDS verhandelt mit Mercedes-Benz über die Übernahme des Produktionsstandorts Ludwigsfelde. Dort fertigt Mercedes derzeit Sprinter-Fahrgestelle— bis 2030 läuft der bestehende Betrieb. KNDS will das Werk anschließend für die Produktion des Radpanzers „Boxer“ umrüsten. Die bestehenden Fertigungslinien in München stoßen angesichts des Auftragsbestands an ihre Kapazitätsgrenzen.

Parallel prüft das Unternehmen das Volkswagen-Werk in Osnabrück als weiteren Standort für die Militärfahrzeugmontage. Das Ziel: eine Kapazität von bis zu 3.000 Boxer-Einheiten. Das geplante Investitionsvolumen liegt bei rund einer Milliarde Euro.

Britisches Verteidigungsministerium bestellt Haubitzen

Zeitgleich sicherte sich KNDS einen bedeutenden Auftrag aus dem Vereinigten Königreich. Das britische Verteidigungsministerium vergab einen Vertrag über eine Milliarde Pfund an ARTEC— das Gemeinschaftsunternehmen von KNDS und Rheinmetall. Bestellt wurden 72 ferngesteuerte Panzerhaubitzen vom Typ RCH 155, die ab 2028 ausgeliefert werden sollen.

Das System verschießt acht Schuss pro Minute auf eine Reichweite von 70 Kilometern. Gefertigt wird in Stockport bei KNDS UK sowie in Rheinmetalls Werk in Telford. Der Auftrag fußt auf dem „Trinity House“-Verteidigungsabkommen zwischen Großbritannien und Deutschland vom Oktober 2024 und dient als Ersatz für die AS90-Systeme, die zuvor an die Ukraine geliefert worden waren.

IPO-Pläne und Bieterwettbewerb um Anteile

Strukturell steht KNDS vor einer Weichenstellung. Das Unternehmen— derzeit je zur Hälfte im Besitz des französischen Staates und der deutschen Unternehmerfamilie Bode-Wegmann— strebt für Juli 2026 einen Börsengang an. Die angestrebte Marktkapitalisierung liegt zwischen 15 und 20 Milliarden Euro, ein Doppellisting in Paris und Frankfurt ist im Gespräch.

Die deutsche Bundesregierung debattiert noch, ob sie vor dem Börsengang eine Sperrminorität von 30 oder 40 Prozent erwerben soll. Indes hat die tschechische Czechoslovak Group (CSG) der Familie Bode-Wegmann ein Barangebot für einen substanziellen Anteil vorgelegt. Die Eigentümer priorisieren jedoch den IPO und den geplanten Anteilsverkauf an den deutschen Staat.

Wie gut das Timing ist, zeigt ein Blick auf den CSG-Börsengang: Die Aktie notiert mit rund 15,74 Euro deutlich unter dem Ausgabepreis von 25 Euro aus dem Januar 2026. Für KNDS wird die Platzierung damit zur Nagelprobe— und der Druck auf Berlin, die Beteiligungsfrage rasch zu klären, wächst mit jedem Tag.

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