KNDS Aktie: Pentagon-Entscheid im Juli als Kurstreiber

Politische Streitigkeiten um Staatsbeteiligung drücken die erwartete Marktkapitalisierung des Rüstungskonzerns auf 18 bis 20 Milliarden Euro.

Felix Baarz ·
KNDS Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Erwartete Bewertung sinkt deutlich
  • Staaten wollen 80 Prozent halten
  • Compliance-Prüfung ohne Beanstandungen
  • Pentagon-Entscheid als Kurstreiber

Der Börsengang von KNDS steht unter Hochspannung. Politische Blockaden aus Berlin, ein dünner Streubesitz und ein Pentagon-Entscheid im Juli machen das Debüt zum Balanceakt.

Berlins Zögern drückt die Bewertung

Noch vor wenigen Monaten handelten Investoren KNDS bei bis zu 25 Milliarden Euro. Inzwischen ist die erwartete Marktkapitalisierung auf 18 bis 20 Milliarden Euro gesunken. Der Hauptgrund: ein Streit mit Berlin über staatliche Vetorechte.

Deutschland plant, über die KfW zunächst 40 Prozent der Aktien zum IPO-Preis zu übernehmen. Frankreich will ebenfalls 40 Prozent halten. Das lässt nur 20 Prozent für den freien Handel übrig. Für einen Konzern dieser Größe ist das ungewöhnlich wenig. Analysten fordern deshalb einen Bewertungsabschlag, weil Minderheitsaktionäre kaum Einfluss haben werden.

Paris drängt auf einen raschen Börsenstart, bevor im Herbst der Präsidentschaftswahlkampf beginnt. Berlin ist intern gespalten: 40 Prozent wie Frankreich, oder nur 30 Prozent? Einigt sich die Bundesregierung nicht rechtzeitig, könnte KNDS den Börsengang ohne deutsche Staatsbeteiligung durchziehen.

Compliance-Prüfung bestanden, Zeitplan hält

Ein wichtiges Hindernis ist aus dem Weg geräumt. Am 2. Juni 2026 schloss eine interne und externe Compliance-Untersuchung ohne Beanstandungen ab. Im Fokus stand ein Altvertrag aus dem Jahr 2013 über Leopard-2-Panzer und PzH-2000-Haubitzen für Katar.

KNDS hält an der geplanten Doppelnotierung in Frankfurt und Paris fest. Das Unternehmen betont, vollständig im Zeitplan zu liegen.

Parallel dazu hat KNDS sein Portfolio bereinigt. Ende Mai verkaufte der Konzern rund 5,8 Prozent seiner RENK-Anteile über ein beschleunigtes Bookbuilding und erlöste dabei rund 262 Millionen Euro. Deutsche Bank und Goldman Sachs begleiteten die Transaktion. Eine Restbeteiligung von etwa 10 Prozent bleibt bestehen, ist aber bis November gesperrt.

Pentagon-Entscheid als Zünder

Der wichtigste kurzfristige Kurstreiber kommt möglicherweise nicht aus Europa, sondern aus Washington. Im Juli 2026 entscheidet das US-Militär über einen Prototypenauftrag für 500 selbstfahrende Haubitzen. Eine Serienproduktion könnte ab 2028 beginnen.

KNDS tritt gemeinsam mit Leonardo DRS an. Der Konzern setzt auf schwere, gut gepanzerte Radfahrzeuge mit dem deutschen AGM-Turmmodul. Die Konkurrenz ist namhaft: Rheinmetall, BAE Systems Bofors, Hanwha Defense USA, General Dynamics und Elbit Systems bewerben sich ebenfalls.

Ein Zuschlag wäre ein Durchbruch außerhalb Europas. Fällt die Entscheidung noch während der Zeichnungsfrist, könnte die Nachfrage nach KNDS-Aktien sprunghaft steigen.

Starkes Fundament, wachsendes Auftragsbuch

Das operative Geschäft liefert solide Argumente für die Bewertung. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 15,9 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis kletterte auf 661 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich von 13,2 auf 15,0 Prozent.

Das Auftragsbuch wuchs von 23,5 auf 33,1 Milliarden Euro. Treiber ist die steigende Rüstungsbereitschaft der NATO-Staaten. Europäische Verbündete erhöhten ihre Verteidigungsausgaben 2025 um 20 Prozent. Beim Haager Gipfel verpflichteten sich die Bündnispartner, bis 2035 fünf Prozent des BIP für Verteidigung und Sicherheit bereitzustellen.

Jüngster Beweis für die Nachfrage: Die britische Armee bestellte 72 selbstfahrende RCH-155-Haubitzen für knapp eine Milliarde Pfund. Lieferungen beginnen 2028, produziert wird in Stockport und Telford.

Governance entscheidet über den Preis

Aufsichtsratschef Tom Enders hat den Konflikt öffentlich angesprochen. Er plädiert für einen langfristigen Rückzug der Staaten aus dem Kapital. Deutschland und Frankreich wollen ihre jeweiligen Anteile innerhalb von drei Jahren auf je 30 Prozent senken.

Ob das reicht, um Investoren zu überzeugen, hängt davon ab, wie Berlin die offenen Fragen zur Beteiligungsstruktur in den nächsten Tagen löst. Das Auftragsbuch ist beeindruckend. Die Governance-Architektur entscheidet letztlich, zu welchem Preis KNDS an die Börse geht.

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