KNDS Aktie: PwC-Testat bis Ende Mai entscheidend

Die Bundesregierung will 40 Prozent am Panzerbauer KNDS erwerben, doch der Kaufpreis ist noch offen. Ein ungeprüfter Jahresabschluss gefährdet den Zeitplan für das IPO.

Redaktion Stock-World ·
KNDS Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Staatseinstieg über KfW-Bank geplant
  • Preis an Börsenkurs gekoppelt
  • PwC verweigert Testierung des Abschlusses
  • Auftragsbestand über 23 Milliarden Euro

Die Bundesregierung will 40 Prozent an KNDS NV übernehmen — dem Hersteller des Leopard-Panzers. Das ist offiziell bestätigt. Über den Preis streitet Berlin jedoch noch.

Gleiche Anteile, gleiche Macht

Wirtschaftsministeriumssprecherin bestätigte am Freitag in Berlin: Die Bundesregierung plant den Einstieg über die staatliche KfW-Bank. Der Anteil soll dem bestehenden Anteil Frankreichs entsprechen — jeweils 40 Prozent. Beide Regierungen wollen ihre Beteiligungen innerhalb von zwei bis drei Jahren auf je 30 Prozent reduzieren. Unabhängig von der jeweiligen Anteilsgröße sollen beide Länder gleiche Stimmrechte behalten.

Allerdings: Berlin will den Kaufpreis an den IPO-Kurs koppeln. Die Bundesregierung besteht darauf, die Anteile von den Familiengesellschaftern zu einem Preis zu erwerben, der dem späteren Börsenpreis entspricht. Die Verhandlungen laufen noch.

Wenig Spielraum für freie Aktionäre

Das Eigentumsmodell lässt für den Streubesitz kaum Luft. Wenn Deutschland und Frankreich zusammen 80 Prozent halten, stehen beim Börsengang nur etwa 20 Prozent der Aktien frei zur Verfügung. Bei einer angestrebten Bewertung von rund 20 Milliarden Euro ist das eine schmale Scheibe.

Tom Enders, früherer Airbus-Chef und heutiger KNDS-Aufsichtsratsvorsitzender, begrüßte die Klarheit — mahnte aber zur Mäßigung. Die 80-Prozent-Staatsbeteiligung sei nur als Übergangslösung gedacht. Langfristig brauche KNDS weniger staatliche Einflussnahme, um für Kapitalmarktteilnehmer attraktiv zu bleiben.

Parallel prüft KfW die Transaktion gemeinsam mit JPMorgan.

Bilanzbereinigung vor dem Börsengang

KNDS hat vor dem IPO sein Portfolio gestrafft. Der Konzern verkaufte 5,8 Prozent seiner Renk-Beteiligung über ein beschleunigtes Bookbuilding zu 45,10 Euro je Aktie. Der Bruttoerlös lag bei rund 262 Millionen Euro. KNDS hält danach noch etwa 10 Prozent an Renk, mit einer Haltefrist von 180 Tagen für den Restbestand.

Die operative Zusammenarbeit mit dem Augsburger Unternehmen bleibt unberührt. Analysten werten den Schritt als Bilanzbereinigung vor der Notierung. Für bestehende Aktionäre steht außerdem eine Sonderdividende von bis zu 2 Milliarden Euro im Raum.

Das Audit-Problem blockiert den Zeitplan

Das größte Hindernis für den Börsengang ist kein politisches — es ist ein buchhalterisches. PwC verweigert die Testierung des Jahresabschlusses, bis die Anwaltskanzlei Freshfields eine interne Untersuchung abgeschlossen hat. Im Mittelpunkt steht ein Rüstungsgeschäft aus dem Jahr 2013: KNDS lieferte Leopard-Panzer und Panzerhaubitzen im Wert von knapp 2 Milliarden Euro an Katar. Medienberichte legen nahe, dass dabei Millionenprovisionen geflossen sein könnten. KNDS bestreitet das.

Ohne testierten Abschluss gibt es keinen Prospekt. Ohne Prospekt gibt es kein IPO. Liefert PwC bis Ende Mai grünes Licht, bleibt das Zeitfenster für einen Sommer-Börsengang offen. Verzögert sich das, rückt der Herbst ins Bild — ein Zeitraum, den Banker als volatiler und ungünstiger für KNDS einschätzen.

Starkes Auftragspolster

Das operative Fundament ist robust. KNDS buchte im vergangenen Jahr neue Aufträge im Wert von 11,2 Milliarden Euro. Der Gesamtauftragsbestand übersteigt 23,5 Milliarden Euro. Der Umsatz lag bei 3,8 Milliarden Euro. Der Konzern plant nun, seine Fertigungskapazitäten zu verdreifachen.

KNDS verhandelt außerdem über den Kauf des Mercedes-Benz-Werks in Ludwigsfelde südlich von Berlin und prüft den VW-Standort in Osnabrück. Allein in Ludwigsfelde könnten rund 2.000 Beschäftigte den Arbeitgeber wechseln. KNDS würde zunächst Teile des Werks mieten, um Militärfahrzeuge zu bauen, bevor eine vollständige Übernahme folgt.

Der Börsengang in Frankfurt ist für Juni oder Juli geplant. Ob der Zeitplan hält, entscheidet sich in den nächsten Wochen — vor allem in den Büros von PwC und Freshfields.

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