KNDS geht an den Staat: Wer verdient jetzt noch am Leopard?
Der geplante Verkauf von 50 Prozent an KNDS an den Bund rückt Zulieferer Renk mit einem Auftrag über rund 130 Millionen Euro in den Fokus.

Kurz zusammengefasst
- Familien wollen KNDS-Anteile an Bund verkaufen
- Renk erhält Getriebeauftrag über rund 130 Millionen Euro
- Kion senkt EBIT-Prognose für 2026
- BASF erwägt höheres Evonik-Gebot
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
der größte Rüstungs-Börsengang Europas findet nicht statt. Der deutsch-französische Leopard-2-Hersteller KNDS wollte laut Handelsblatt mindestens 15 Milliarden Euro über die Börse erlösen. Dieses Volumen ist im aktuellen Umfeld für Rüstungsaktien nicht zu holen.
Statt der Börse soll nun der Bund einsteigen. Damit verrät die abgesagte Emission mehr über die Stimmung im Sektor als jeder Kursticker. Für Anleger stellt sich eine neue Frage: Wer verdient am Leopard, wenn der Hersteller selbst nicht handelbar wird?
KNDS: Die Familien verkaufen an den Staat
Für Privatanleger führt der Weg zum Leopard künftig nur noch über die Zulieferer. Die Eigentümerfamilien Braunbehrens und Bode wollen ihre 50 Prozent an KNDS über die Wegmann-Holding an den Bund verkaufen. Die anderen 50 Prozent hält bereits der französische Staat.
Deutschland will mit Frankreich gleichziehen, um einen Wissensabfluss und französische Dominanz zu verhindern. Die finale Entscheidung wird in den nächsten Wochen erwartet, verhandelt wird vor allem über den Preis.
Wie der Umweg über die Zulieferer aussieht, zeigt heute ein konkreter Auftrag. Renk erhält von KNDS Deutschland Order über rund 130 Millionen Euro für Leopard-2-Getriebe samt Steuerung und Gangwahlschalter. Die Auslieferung ist für 2029 bis 2032 geplant.
KNDS hält selbst 10,03 Prozent an Renk. Renk fertigte 2024 noch unter 600 Getriebe pro Jahr, für 2026 sind über 800 geplant, langfristig sollen es rund 2.000 werden.
An der Börse spiegelt sich dieser Hochlauf bisher nicht. Die Renk-Aktie notiert bei 34,43 Euro, nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 33,49 Euro vom 8. Oktober. Auf Zwölfmonatssicht hat sie 52 Prozent verloren. Rheinmetall legt im Verlauf um 2,8 Prozent auf 980,60 Euro zu, getragen von einer Kooperation mit dem norwegischen Wasserstoffspezialisten Nel ASA.
Vom Januar-Hoch bei 1.965 Euro ist Rheinmetall dennoch weit entfernt. Der VanEck-Defense-ETF hat seit seinem Allzeithoch im Januar rund 20 Prozent eingebüßt. Die Auftragsbücher füllen sich also weiter, nur die Bewertungen sind geschrumpft: Genau diese Lücke macht Zulieferer wie Renk für geduldige Anleger interessanter als den Hersteller, den es an der Börse nun nicht geben wird.
Wenn der Staat bei KNDS einsteigt, rückt Europas gesamte Aufrüstungswelle in den Fokus, denn über 800 Milliarden Euro fließen in neue Schlüsselindustrien. Der Spezial-Report von Analyst Volkmar Michler ordnet ein, welche Unternehmen aus Verteidigung, Hightech, Energie und Infrastruktur davon am stärksten profitieren könnten, und steht kostenlos als PDF bereit. Profiteure des Sicherheits-Booms entdecken
Starlink: Wenn der Lieferant die Drohnen bremst
Warum der Bund KNDS lieber selbst hält, zeigt eine zweite Geschichte des Tages. Die Ukraine wirft SpaceX vor, den Militärdienst StarShield über Nacht ohne Vorwarnung gedrosselt zu haben. Ab rund 160 Stundenkilometern funktionieren die Verbindungen laut Präsidentenberater Beskrestnow nicht mehr zuverlässig.
Drohnenmissionen mussten abgebrochen werden. Polens Außenminister Sikorski warf Elon Musk auf X vor, erneut Politik mit seinen Produkten zu machen. SpaceX hat sich bislang nicht geäußert.
Hinzu kommt physische Sabotage. In Bulgarien wurden am 9. September 11 von 17 Starlink-Antennen einer geheimen Anlage nahe Sofia zerstört. Südlich von Warschau brannte ein Terminal, zwei Tatverdächtige wurden gestern in Nürtingen festgenommen.
Die SpaceX-Aktie gibt im Verlauf auf 137,40 Euro nach und liegt damit deutlich unter dem Juni-Hoch von 194,46 Euro. Raymond James hält trotzdem an „Strong Buy“ mit Kursziel 800 Dollar fest und verweist auf den Antrag für bis zu 456 Starship-Starts pro Jahr in Starbase.
Für europäische Regierungen ist die Lehre eine andere als für Analysten: Wer seine Verteidigung auf einen einzelnen privaten Anbieter stützt, kauft sich ein politisches Risiko ein, und das stärkt den Fall für staatlich kontrollierte Schlüsselfirmen wie KNDS.
Kion: Eine Gewinnwarnung, die der Markt gekauft hat
Der Staplerhersteller Kion senkt die Prognose, und die Aktie dreht ins Plus. Das bereinigte EBIT für 2026 soll nur noch 815 bis 875 Millionen Euro erreichen, zuvor waren bis zu 980 Millionen angepeilt. Das Ziel einer zweistelligen bereinigten EBIT-Marge verschiebt Kion von 2027 auf die Zeit danach. Grund ist ein schwacher Auftragseingang bei Staplern im dritten Quartal, das bereinigte EBIT verfehlte den Konsens um 4 Prozent.
Nach einem Rutsch von 7 Prozent drehte die Kion-Aktie auf 36,63 Euro und damit 3,9 Prozent ins Plus, Jungheinrich gewann 4,3 Prozent. JPMorgan belässt Kion auf „Overweight“ mit Kursziel 60 Euro.
Analyst Akash Gupta hält die Bilanz für solide und erwartet eine Erholung des Staplergeschäfts durch deutsche Konjunkturmaßnahmen. Die Kion-Aktie hatte sich in diesem Jahr zuvor fast halbiert. Wenn eine Gewinnwarnung Käufer anlockt, ist das schlechteste Szenario offenbar eingepreist.
Das Umfeld bleibt allerdings zäh. Das Bundeswirtschaftsministerium sieht die Konjunktur im Sommer vorübergehend gebremst durch Niedrigwasser, Energiepreise und gestiegene Finanzierungskosten. Die Großhandelspreise stiegen im September um 8,7 Prozent zum Vorjahr, nach 6,8 Prozent im August.
Bei Krones senkt das Analysehaus MPCM das Kursziel von 191 auf 177 Euro, bleibt aber bei „Buy“, weil Projektentscheidungen verzögert werden. Für Vossloh bestätigt mwb research „Kaufen“ mit Kursziel 90 Euro, die Zahlen zum dritten Quartal kommen am 22. Oktober.
Siemens: Zwei Partnerschaften für die Rechenzentrums-Welle
Siemens baut seine Rolle als Ausrüster des KI-Booms an zwei Stellen gleichzeitig aus. Der Münchner Konzern investiert in Skeleton Technologies und erhält weltweite Exklusivität für deren Superkondensatoren im Rechenzentrumsmarkt.
Die Bauteile glätten extreme Stromspitzen, die KI-Rechenlasten erzeugen. Parallel forschen Siemens und IBM gemeinsam an IBMs neuer Nanostack-Transistorarchitektur, Siemens bringt dabei seine Software für Chipdesign und Lithografie-Optimierung ein.
Die Nachfrage dahinter ist real. ASML meldet ausverkaufte EUV-Anlagen für 2027 und Kundenanfragen bis 2030, Nvidia plant europäische KI-Deals über 2 Milliarden Dollar inklusive einer Beteiligung an Doctolib. Vattenfall beauftragt Fluence mit einem Batteriespeicher in Brunsbüttel mit 254 Megawatt Leistung, Inbetriebnahme Ende 2028. Die Siemens-Aktie notiert bei 276,40 Euro leicht im Plus.
Ein Warnsignal kommt von der Finanzierungsseite. CoreWeave brach zuletzt um 13 Prozent ein, nachdem Elon Musk eine Warnung vor den steigenden Anleiherenditen des Unternehmens mit „Yikes“ kommentierte. Für Anleger heißt das: Die Ausrüster mit solider Bilanz, also Siemens oder ASML, sind der sicherere Hebel als die hochverschuldeten Betreiber der Rechenzentren.
Was unterscheidet Qualitätsunternehmen mit stabiler Basis von Titeln, die nur der Hype trägt? Der Report „Rekord Aktien 2026″ stellt fünf Unternehmen mit starker Wachstumsperspektive vor und setzt dabei auf Qualität, Wachstum und Trendfaktoren statt auf blinde Spekulation. Fünf Wachstumswerte kostenlos einsehen
Evonik: BASF ist bereit nachzulegen
Nach der Buchprüfung ist BASF laut Insidern zu einem höheren Gebot für Evonik bereit. Die erste Offerte von 22,15 Euro je Aktie war als zu niedrig abgelehnt worden. Berenberg-Analyst Sebastian Bray hält 24 bis 25 Euro für denkbar. Standort- und Beschäftigungsgarantien bis 2032 sollen eingehalten werden.
Die Evonik-Aktie markierte im Tagesverlauf mit 21,84 Euro ein 52-Wochen-Hoch und liegt aktuell bei 21,42 Euro, seit Jahresbeginn ein Plus von 60 Prozent. Solange der Evonik-Kurs unter dem ersten Gebot bleibt, preist der Markt die Nachbesserung noch nicht voll ein.
Aus Berlin kommen derweil Kostenpunkte für Konzerne. Das Kabinett streicht der Deutschen Post die Umsatzsteuerbefreiung für Geschäftskundenbriefe, dem Bund bringt das rund 115 Millionen Euro jährlich. Die Zuckersteuer auf Getränke startet am 1. Juli 2027 mit 26 bis 32 Cent je Liter.
Unterm Strich
Der Tag zeigt, wie unterschiedlich Kapital in die deutsche Industrie fließt: Der Staat kauft KNDS, weil die Börse den Preis nicht zahlt, während Investoren bei Kion eine Gewinnwarnung als Einstieg lesen. In den kommenden Wochen entscheidet der KNDS-Preis, was Rüstung in Deutschland wert ist. Bei Evonik ist das nächste Gebot von BASF die Zahl, auf die es ankommt.
Beste Grüße,
Ihr Eduard Altmann
Stand heute, 14. Oktober: Siemens – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Siemens investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 14. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.