Kontron Aktie: Prognose trotz Chipengpass bestätigt
Höheres bereinigtes EBITDA und ein wachsender Auftragsbestand stehen sinkendem Nettogewinn und schwachem Cashflow gegenüber.

Kurz zusammengefasst
- Bereinigtes EBITDA steigt auf 151 Millionen Euro
- Konzernergebnis sinkt auf 52,7 Millionen Euro
- Auftragsbestand wächst auf 2,75 Milliarden Euro
- Kontron hält an 2026-Zielen fest
Kontron hält an seinen Jahreszielen fest, obwohl Speicherchips knapp sind und ein Großkunde Abnahmemengen nicht erfüllt. Die Neunmonatszahlen zeigen ein gemischtes Bild: operativ stärker, beim Umsatz und Nettogewinn schwächer. Die Aktie notierte am Morgen kaum verändert bei rund 20,50 Euro.
Operativ besser, unter dem Strich schwächer
Der Umsatz belief sich auf 1.102,9 Millionen Euro. Bereinigt um Entkonsolidierungen lag der Vorjahreswert bei 1.123,6 Millionen Euro, der Rückgang fällt also moderat aus. Das bereinigte EBITDA stieg auf 151,0 Millionen Euro nach 140,1 Millionen Euro.
Das ausgewiesene EBITDA betrug 125,9 Millionen Euro. Dabei schlugen 25,1 Millionen Euro Restrukturierungskosten zu Buche, im Vorjahr hatten dagegen Sondererträge aus der Entkonsolidierung des COM-Geschäfts geholfen.
Genau dieser Effekt erklärt den Gewinnrückgang. Das Konzernergebnis sank auf 52,7 Millionen Euro, nach 110,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Chipmangel bremst den Cashflow
Der operative Cashflow fiel auf 4,3 Millionen Euro, nach 49,7 Millionen Euro. Kontron baute wegen der angespannten Verfügbarkeit von Speicherchips Vorräte auf. Noch nicht ausgelieferte Produkte summieren sich auf 68,6 Millionen Euro. Sie sollen größtenteils im vierten Quartal an Kunden gehen und dann Umsatz, EBITDA und Cashflow stützen.
Die Bilanz hat sich verbessert. Der Zahlungseingang aus dem Verkauf des COM-Geschäfts hob die liquiden Mittel auf 246,1 Millionen Euro, die Nettoverschuldung sank auf 135,2 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote liegt bei 43,4 Prozent.
Der Auftragsbestand wuchs auf 2.751,9 Millionen Euro, Ende 2025 waren es 2.495,3 Millionen Euro. Das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,23 signalisiert, dass mehr Aufträge hereinkommen, als abgearbeitet werden.
Sparprogramm und VW-Risiko
Die GreenTec-Restrukturierung ist laut Unternehmen planmäßig abgeschlossen. Sie soll jährlich mehr als 30 Millionen Euro einsparen, die volle Wirkung folgt ab 2027. Erste Effekte zeigten sich bereits im dritten Quartal.
Ein Risiko bleibt der Streit mit dem VW-Konzern. Dieser nimmt trotz bindenden Auftrags die vereinbarten Stückzahlen nicht ab. Aus laufenden Vergleichsgesprächen könnte sich ein Abwertungsbedarf bei immateriellen Vermögenswerten von bis zu 25 Millionen Euro ergeben. Eine solche Abschreibung wäre nicht zahlungswirksam und würde das EBITDA nicht berühren.
Für 2026 erwartet der Vorstand weiterhin rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz und ein EBITDA von etwa 200 Millionen Euro, vor Restrukturierungskosten sind es 225 Millionen Euro. Die Auslieferung der aufgestauten Produkte im Schlussquartal ist dafür die zentrale Bedingung.
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