KOSPI: 8-Prozent-Crash mit Circuit Breaker
Der südkoreanische Aktienmarkt erlebt einen historischen Absturz. Ein Circuit Breaker stoppt den Handel, während Chipwerte massiv unter Druck geraten.

Kurz zusammengefasst
- KOSPI stürzt um über acht Prozent ab
- Handelsstopp durch Circuit Breaker ausgelöst
- Chinesischer Chip-Konkurrent CXMT sorgt für Unruhe
- Aufsicht plant strengere Regeln für Hebelprodukte
Panikverkäufe lösen Handelsstopp an der Börse Seoul aus
Der südkoreanische Aktienmarkt erlebte am heutigen Dienstag einen historischen Einbruch, der als „Black Tuesday“ die Finanzplätze erschütterte. Der Leitindex KOSPI verlor im frühen Handelsverlauf über acht Prozent an Wert, was die Börsenaufsicht dazu zwang, um 10:13 Uhr Ortszeit einen sogenannten Circuit Breaker zu aktivieren. Der gesamte Handel wurde daraufhin für 20 Minuten vollständig ausgesetzt. Es markiert den achten derartigen Vorfall im laufenden Jahr, was die außergewöhnliche Volatilität am koreanischen Markt unterstreicht.
Aktuell steht der KOSPI bei 6.253,16 Punkten, was einem Rückgang von 7,09 % entspricht. Bereits unmittelbar nach der Eröffnung wurden für den KOSPI sowie den technologielastigen KOSDAQ Verkaufssignale (Sidecars) ausgelöst. Diese automatischen Mechanismen greifen ein, sobald die Futures-Märkte extreme Schwankungen aufweisen. Auslöser der Verkaufswelle war ein massiver Abwärtstrend im globalen Halbleitersektor, der die schwergewichtigen Technologiewerte Seouls unter Druck setzte.
Konkurrenzdruck aus China belastet Speicherchip-Produzenten
Ein wesentlicher Treiber für die heutige Flucht aus südkoreanischen Aktien ist der erfolgreiche Börsengang des chinesischen Chipherstellers CXMT in Shanghai. Das Unternehmen debütierte am Montag am STAR Market und verzeichnete einen Kurssprung von über 460 Prozent. Anleger befürchten nun, dass der verstärkte Kapazitätsaufbau in China zu einem Preisverfall bei Speicherchips führen könnte. Da Samsung Electronics und SK hynix gemeinsam mehr als die Hälfte des KOSPI-Gewichts ausmachen, wirken sich deren Verluste überproportional auf den Gesamtindex aus.
Zusätzliche Verunsicherung lösten Meldungen über technologische Durchbrüche in der chinesischen Halbleiterproduktion aus. Berichten zufolge haben Staatsunternehmen in Shanghai mit der Fertigung eigener Lithografiemaschinen begonnen, was die Abhängigkeit von westlicher Technologie verringern könnte. In diesem Umfeld verloren die Aktien von Samsung zeitweise rund neun Prozent, während SK hynix Kursabschläge von mehr als elf Prozent verkraften musste. Die Schwäche der US-Chipwerte, insbesondere von Nvidia und ASML am Vorabend, verstärkte die negative Stimmung zusätzlich.
Finanzaufsicht plant strengere Regeln für gehebelte Produkte
Inmitten der Marktturbulenzen hat die südkoreanische Finanzaufsicht FSC reagiert. Der FSC-Vorsitzende Lee Eok-won kündigte am heutigen Dienstag an, dass zusätzliche Maßnahmen zur Eindämmung der Spekulation geprüft werden. Im Fokus stehen gehebelte ETFs auf Einzelaktien, die in den vergangenen zwei Monaten maßgeblich zur Instabilität beigetragen haben. Laut FSC-Angaben wurden seit der Einführung dieser Produkte bereits 19 Sidecars und fünf Circuit Breaker am KOSPI ausgelöst.
Falls sich die Nachfrage nicht stabilisiert, erwägt die Behörde eine Begrenzung der Investitionen pro Anleger auf 20 Prozent des individuellen Gesamtportfolios. Ab dem 31. Juli tritt zudem eine erhöhte Mindesteinlage von 30 Millionen Won in bar in Kraft. Der Analyst Han Ji-young von Kiwoom Securities ordnete die aktuelle Lage zwar als volatil ein, verwies jedoch darauf, dass der Index mit dem aktuellen Stand noch immer etwa 2,03 % über seinem 200-Tage-Durchschnitt notiert. Dennoch verdeutlicht der heutige Absturz die hohe Verwundbarkeit des Marktes gegenüber globalen Handelsspannungen.
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