KOSPI: Erholung auf Bewährung

Der südkoreanische Leitindex erholt sich nach massiven Verlusten deutlich. Halbleiterwerte treiben die Erholung, doch die Marktlage bleibt angespannt.

Redaktion Stock-World ·
Digitale Anzeigetafeln mit steigenden Aktienkursen an der Börse in Seoul. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • KOSPI erholt sich um 18 Prozent
  • Halbleiterwerte treiben Kursrally an
  • KI-Optimismus beflügelt südkoreanische Chipaktien
  • Marktbeobachter warnen vor fragiler Erholung

Ein Wochenausklang wie aus dem Bilderbuch für Optimisten: Der Kospi schoss am Freitag um 18 Prozent auf 6.585 Punkte nach oben und beendete damit einen der brutalsten Ausverkäufe der jüngeren Börsengeschichte Südkoreas. Wer die vergangenen Wochen verfolgt hat, reibt sich die Augen — von Rekordhoch zu Rekordtief und zurück, in wenigen Tagen.

Noch Mitte Juni hatte der Index bei knapp 9.400 Punkten sein Allzeithoch markiert. Bis Mittwoch dieser Woche fiel er auf unter 5.300 Zähler — ein Einbruch von bis zu 44 Prozent. Selbst nach dem Freitagssprung liegt der Kospi noch rund 30 Prozent unter seinem Rekordniveau, gleichzeitig aber knapp 60 Prozent über dem Stand von Ende 2025.

Chipwerte als Zünglein an der Waage

Der Ausschlag hat einen klaren Namen: Halbleiter. SK Hynix legte 26 Prozent zu, Samsung Electronics 22 Prozent. Beide Werte dominieren den Index und hatten zuvor die heftigsten Verluste eingefahren. Ausgelöst wurde die Kehrtwende durch überraschend starke Geschäftszahlen von Microsoft und Amazon, die den Optimismus rund um KI-Investitionen neu belebten. Zusätzlichen Rückenwind lieferte SK-Group-Chef Chey Tae-won, der eigene Käufe von SK-Hynix-Aktien offenlegte und damit Vertrauen in den weltweit zweitgrößten Speicherchiphersteller signalisierte.

Marktbeobachter verweisen zudem auf technische Faktoren: Short-Covering und mechanisches Rebalancing gehebelter ETFs dürften die Bewegung verstärkt haben. Neue Bareinlage-Pflichten für Investoren in gehebelten ETFs, die am Freitag in Kraft traten, könnten ebenfalls zu Umschichtungen beigetragen haben.

Fragile Stimmung bleibt

Nicht alle Marktteilnehmer werten den Sprung als Trendwende. Beobachter sprechen von einem Markt, der zwischen Panik und Euphorie pendelt — ausgelöst durch eine extrem überverkaufte Positionierung, die sich nun gewaltsam entlädt. Andere Stimmen warnen, die Kombination aus hoher Verschuldung im System und fragiler Anlegerstimmung mache weitere heftige Ausschläge wahrscheinlich, nicht unwahrscheinlicher.

Ob aus dem Freitagssprung eine tragfähige Erholung wird, entscheidet sich daran, ob ausländische Investoren nach dem Abklingen der Short-Covering-Welle weiter zukaufen. Bleibt das aus, dürfte der nächste heftige Ausschlag nicht lange auf sich warten lassen.

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