Kraft Heinz, Pfizer & Verizon: Hohe Renditen, niedrige Kurse

Kraft Heinz, Pfizer, General Mills, Verizon und Crown Castle führen die Liste der höchsten Dividendenrenditen im S&P 500 an. Die Ausschüttungen variieren stark in ihrer Aussagekraft.

Andreas Sommer ·
Kraft Heinz Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Kraft Heinz führt mit 6,2 Prozent
  • Pfizer zeigt starke Kurserholung
  • General Mills trotz Rendite unter Druck
  • Crown Castle leidet unter Abwärtstrend

Während Technologiewerte im August wieder für Schlagzeilen sorgen, suchen viele Anleger nach ruhigeren Alternativen mit verlässlichem Cashflow. Im S&P 500 sticht dabei eine Gruppe von Unternehmen heraus, deren Dividendenrenditen deutlich über dem Marktdurchschnitt liegen. Auffällig: Die Liste wird von Basiskonsumgütern, Pharma und Telekommunikation dominiert – Sektoren, die in den vergangenen Jahren eher unter dem Radar liefen.

Eine Rendite jenseits der 5-Prozent-Marke klingt verlockend, sagt aber wenig über die Qualität eines Investments aus. Sie entsteht rechnerisch aus dem Verhältnis von Ausschüttung zu Aktienkurs – und kann ebenso gut Ausdruck einer Unterbewertung wie eines fundamentalen Problems sein. Ein Blick auf die fünf Top-Zahler zeigt, wie unterschiedlich die Geschichten hinter den Prozentzahlen ausfallen.

Die Top 5 Dividendenwerte im S&P 500

RangUnternehmenDividendenrendite
1Kraft Heinz6,2%
2Pfizer6,1%
3General Mills5,9%
4Verizon5,6%
5Crown Castle5,6%

Kraft Heinz: Markenmacht trifft auf Value-Bewertung

Mit 6,2 Prozent führt der Ketchup- und Käseriese das Feld an. Bei einem Kurs von 22,02 Euro notiert die Aktie derzeit rund 21 Prozent über ihrem Jahrestief, hat sich in den vergangenen sieben Tagen aber bereits um 2,7 Prozent verteuert. Der RSI von 50,6 signalisiert einen neutralen Trend – keine Übertreibung in die eine oder andere Richtung.

Die hohe Rendite spiegelt vor allem die Rolle als Value-Titel wider, während wachstumsstärkere Branchen zuletzt mehr Aufmerksamkeit einsammelten. Bekannte Marken wie Heinz Ketchup verschaffen dem Konzern Preismacht, selbst wenn Verbraucher insgesamt sparsamer werden. Das Management setzt derzeit stark auf Kostendisziplin und Schuldenabbau, was die Ausschüttung auf solidem Cashflow abstützt. Das größte Risiko bleibt der Trend zu gesünderer Ernährung, dem der Konzern mit Portfolio-Anpassungen begegnet.

Pfizer: Rally nach der Post-Pandemie-Delle

Pfizer folgt mit 6,1 Prozent auf Platz zwei – allerdings mit deutlich anderer Kursdynamik als Kraft Heinz. Die Aktie ist in den vergangenen 30 Tagen um 10 Prozent gestiegen und liegt seit Jahresbeginn bereits 13 Prozent im Plus. Bei 23,98 Euro fehlen nur noch wenige Prozentpunkte bis zum 52-Wochen-Hoch, ein RSI von 66,8 deutet auf spürbaren Kaufdruck hin.

Die weiterhin hohe Dividendenrendite ist damit weniger Ausdruck aktueller Schwäche als vielmehr ein Nachklang der langen Korrekturphase nach dem Auslaufen der Pandemie-Sonderkonjunktur. Der Konzern investiert seither verstärkt in Onkologie und neue Wirkstoffklassen, unter anderem über die Integration des Krebsspezialisten Seagen. Ob diese Wetten die Lücke schließen können, die durch auslaufende Patente älterer Blockbuster entsteht, bleibt die zentrale Frage für die kommenden Quartale.

General Mills: Erholung nach schwachem Jahr

General Mills notiert bei 35,01 Euro und bringt es auf eine Rendite von 5,9 Prozent. Der Kurs hat sich zuletzt kräftig erholt – plus 6,4 Prozent in einer Woche, plus 7,8 Prozent im Monatsvergleich. Auf Zwölfmonatssicht steht dennoch ein Minus von 18 Prozent zu Buche, was die Aktie so nah an ihren gleitenden 200-Tage-Durchschnitt zurückgebracht hat, dass der Abstand nur noch 1,5 Prozent beträgt.

Hinter der Kursschwäche steckt vor allem ein Markt, der für Hersteller von Marken wie Cheerios und Häagen-Dazs künftig moderatere Wachstumsraten einpreist. Gleichzeitig bleibt das Geschäftsmodell defensiv: Lebensmittel werden unabhängig von der Konjunkturlage gekauft, was für einen berechenbaren Cashflow sorgt. Die Expansion im Tiernahrungssegment gilt als Wachstumshebel, während Eigenmarken des Handels als Belastungsfaktor im Blick bleiben.

Verizon: Stabiler Cashflow trotz Investitionsdruck

Verizon rangiert mit 5,6 Prozent auf Platz vier – bemerkenswert angesichts der Kursentwicklung der Aktie. Seit Jahresbeginn hat das Papier 25 Prozent zugelegt, auf Jahressicht sind es 13 Prozent. Bei aktuell 42,99 Euro liegt der Titel nur noch 4,6 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.

Die satte Rendite resultiert weniger aus Kursschwäche als aus der Tatsache, dass Telekomkonzerne traditionell hohe Ausschüttungsquoten fahren. Die milliardenschweren Investitionen in 5G-Netze und Glasfaserausbau haben in der Vergangenheit die Verschuldung nach oben getrieben, was Analysten mit Blick auf künftige Erhöhungsspielräume vorsichtig stimmt. Bündelangebote mit Streaming-Diensten sollen nun helfen, Kunden stärker zu binden und Abwanderung zu bremsen.

Crown Castle: Unter Druck trotz REIT-Pflichtausschüttung

Crown Castle bildet mit 5,6 Prozent das Schlusslicht im Ranking – und ist zugleich der Wert mit der schwächsten Kursentwicklung der Gruppe. Bei 65,00 Euro notiert die Aktie 27 Prozent unter ihrem Stand vor zwölf Monaten und liegt rund 12 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Allein heute gab der Kurs um 1,5 Prozent nach.

Als Real Estate Investment Trust ist der Betreiber von Mobilfunkmasten gesetzlich verpflichtet, den Großteil seiner steuerpflichtigen Gewinne auszuschütten, was die konstant hohe Dividende erklärt. Belastet wird der Kurs von Sorgen über die Konsolidierung unter Mobilfunkanbietern, die künftige Mietverträge unsicherer machen könnte. Sinkende Zinsen gelten als möglicher Katalysator für eine Erholung, da REITs traditionell zinssensitiv reagieren. Die strategische Fokussierung auf kleinere Funkzellen in Städten soll mittelfristig neues Wachstum liefern.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Top-Zahler eint ein gemeinsames Muster, auch wenn die Ausgangslagen unterschiedlich sind:

  • Defensive Branchen dominieren: Basiskonsumgüter, Pharma, Telekom und Infrastruktur-REITs bieten die planbarsten Cashflows im Index.
  • Bewertung schlägt Wachstum: Bei Kraft Heinz, General Mills und Crown Castle spiegelt die hohe Rendite vor allem verhaltene Kurserwartungen wider.
  • Momentum-Unterschiede sind groß: Während Pfizer und Verizon zuletzt kräftig zulegten, bleibt Crown Castle in einem Abwärtstrend gefangen.
  • Zinsniveau als Schlüsselfaktor: Besonders für Verizon und Crown Castle entscheidet die künftige Zinsentwicklung über den Spielraum für Kurserholungen.

Dividendenjäger im S&P 500: Worauf es jetzt ankommt

Die Rangliste zeigt, dass hohe Ausschüttungsrenditen selten aus einem einzigen Grund entstehen. Bei Pfizer und Verizon spricht die Kursstärke der vergangenen Monate eher für eine Normalisierung als für ein Warnsignal. Bei Crown Castle und General Mills bleibt dagegen abzuklären, ob sich die Kursschwäche fortsetzt oder die jüngste Erholung – wie bei General Mills bereits erkennbar – nachhaltig ist. Für Einkommensinvestoren bleibt entscheidend, ob die operativen Cashflows die Ausschüttungen auch bei künftig höheren Zinsen oder schwächerem Konsum tragen können.

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Kraft Heinz Aktie

22,00 EUR

– 0,07 EUR -0,29 %
KGV
KUV 1,22
Sektor Verbraucher defensiv
Div.-Rendite 6,26 %
Marktkapitalisierung 30,33 Mrd. EUR
Ø Kursziel 25,09 USD
ISIN: US5007541064 WKN: A14TU4

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