Krieg, Banken und Marktturbulenzen

Großbanken wie JPMorgan und Goldman Sachs melden überraschend starke Quartalsgewinne, angetrieben durch Handelsaktivitäten in der Marktunruhe. Gleichzeitig bleiben die Märkte durch den Iran-Konflikt und diplomatische Bemühungen angespannt.

Felix Baarz ·
Krieg, Banken und Marktturbulenzen

Kurz zusammengefasst

  • Starke Quartalsgewinne bei JPMorgan und Goldman Sachs
  • Marktvolatilität treibt Handels- und Investmentbanking-Erlöse
  • Diplomatische Gespräche zu Iran-Konflikt in Islamabad
  • Anleihemärkte setzen auf steilere Zinskurve

Der Iran-Krieg hält die Finanzmärkte in Atem. Doch während Diplomaten um einen Waffenstillstand ringen und US-Kriegsschiffe den Zugang zu iranischen Häfen blockieren, liefern die großen Wall-Street-Banken überraschend starke Quartalsergebnisse — getragen ausgerechnet von der Volatilität, die den Konflikt begleitet.

Bankgewinne trotz — und wegen — der Krise

JPMorgan Chase legte am Dienstag Zahlen vor, die auf den ersten Blick paradox wirken: Der Nettogewinn stieg im ersten Quartal auf 16,5 Milliarden US-Dollar, ein Plus von rund 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Treiber dahinter ist die Marktunruhe selbst. Volatilität bringt Handelsvolumen — Kunden sichern Risiken ab, schichten Portfolios um, handeln aktiver. JPMorgans Markterlöse stiegen um 20 Prozent.

Goldman Sachs hatte bereits am Montag mit einem Gewinnanstieg von 19 Prozent für den gleichen Zeitraum überrascht. Die Investmentbanking-Gebühren bei JPMorgan legten sogar um 28 Prozent zu — der höchste Wert unter den globalen Großbanken laut Dealogic. Die Gesamtvolumen bei Fusionen und Übernahmen überschritten im Quartal die Marke von einer Billion US-Dollar.

CEO Jamie Dimon warnte dennoch vor den Risiken: „Es gibt eine zunehmend komplexe Reihe von Risiken — geopolitische Spannungen und Kriege, Energiepreisvolatilität, Handelsunsicherheit, hohe Haushaltsdefizite und erhöhte Vermögenspreise.“

Öl, Hormuz und die Diplomatie auf dem Prüfstand

Im Zentrum der Marktanspannung steht die Meerenge von Hormuz. Die Blockade iranischer Häfen durch die US-Marine, gestützt von 15 Kriegsschiffen, tritt in ihren zweiten Tag ein — und obwohl Rohölpreise zuletzt leicht nachgaben, bleibt die Lage angespannt. Brent-Rohöl fiel auf rund 97,88 Dollar pro Barrel, WTI auf 95,78 Dollar. Doch die Internationale Energieagentur warnte, die Märkte könnten den tatsächlichen Versorgungsschock noch unterschätzen.

Gleichzeitig gibt es diplomatische Bewegung. Berichten zufolge könnten US-amerikanische und iranische Verhandlungsteams noch diese Woche erneut in Islamabad zusammentreffen — Pakistan hat sich als wichtiger Vermittler etabliert. Vizepresident JD Vance sprach nach dem Wochenendtreffen von „guten Gesprächen“, betonte aber, der Ball liege nun im iranischen Feld. Trumps Prioritäten: die vollständige Öffnung der Hormuz-Straße und ein Ende des iranischen Atomprogramms.

OPEC senkte derweil seine Nachfrageprognose für das zweite Quartal um 500.000 Barrel pro Tag — beließ aber die Jahresprognose unverändert, was auf eine erwartete Erholung in der zweiten Jahreshälfte hindeutet.

Anleihen: Die Zinskurve als Risikobarometer

An den Anleihemärkten spiegelt sich die Gemengelage in einem klaren Trend: Investoren wetten auf eine steilere Zinskurve. Sogenannte „Curve Steepener“-Positionen — bullish auf kurzlaufende US-Staatsanleihen, bearish auf die langen Laufzeiten — gewinnen an Beliebtheit. Das Kalkül: Die Federal Reserve wird irgendwann wieder die Zinsen senken, während die langen Laufzeiten unter Inflations- und Defizitdruck leiden.

Tatsächlich sind Zinssenkungserwartungen zuletzt stark zurückgegangen. Der Terminmarkt preist laut LSEG für 2026 nur noch rund sechs Basispunkte an Zinssenkungen ein — verglichen mit etwa 55 Basispunkten vor Kriegsbeginn Ende Februar. Vishal Khanduja von Morgan Stanley Investment Management glaubt dennoch an ein bis zwei Senkungen in diesem Jahr: „Die zugrunde liegende Schwäche am Arbeitsmarkt wird im Laufe der Quartale deutlicher sichtbar werden.“

Der Volatilitätsindex MOVE für Zinsmärkte fiel auf ein Fünf-Wochen-Tief von 72,15 — ein Zeichen, dass die Märkte schlimmere Szenarien teilweise schon eingepreist haben. Guneet Dhingra von BNP Paribas betont, der Steepener-Trade lohne sich sogar bei Eskalation: Steigen die Verteidigungsausgaben weiter — das Pentagon beantragt über 200 Milliarden Dollar an Sondermitteln — wächst der Druck auf die langen Laufzeiten unabhängig vom Inflationspfad.

Dollar verliert, Yen unter Druck

Der US-Dollar schwächte sich ab — der Dollar-Index notierte bei 98,25 und steuerte auf seine siebte Verlustsession in Folge zu. Euro und Pfund Sterling gewannen leicht. Hoffnung auf Fortschritte in den Friedensgesprächen drückt den Risikoaufschlag für den Dollar als sicheren Hafen.

Besonders im Blick: der Yen. Gegenüber dem Dollar notierte er bei 159,16 — und die Marke von 160 rückt näher. Sollte die Bank of Japan angesichts der Kriegsunsicherheit auf eine Zinserhöhung im April verzichten, könnte diese Schwelle fallen. 160 Yen pro Dollar gilt als rote Linie, jenseits derer Währungsinterventionen wahrscheinlicher werden.

Evergrande: Ein Schlusspunkt für Chinas Immobilienkrise

Fernab des Nahost-Konflikts zog Chinas größte Unternehmenspleite einen symbolischen Schlussstrich. Hui Ka Yan, Gründer von China Evergrande, bekannte sich vor einem Gericht in Shenzhen schuldig — unter anderem wegen Mittelmissbrauchs, Fundraising-Betrugs und illegaler Einlagenaufnahme. 2017 war er mit einem Vermögen von 45,3 Milliarden Dollar Asiens reichster Mann. Nach drei Jahren Haft und dem Kollaps seines Imperiums mit über 300 Milliarden Dollar Verbindlichkeiten wartet er nun auf das Urteil.

Der Fall steht für das Platzen einer beispiellosen Schuldenblase — eine Saga, die Chinas Immobiliensektor bis heute belastet und Hunderttausenden Kleinanlegern massive Verluste beschert hat.

Ausblick: Zwischen Hoffnung und Risiko

Die kommenden Tage dürften richtungsweisend sein. Weitere Bankergebnisse — darunter Wells Fargo, Citigroup, Bank of America und Morgan Stanley — stehen auf dem Kalender. Und in Islamabad könnte sich entscheiden, ob die Diplomatie einen Durchbruch schafft. Für die Märkte bleibt die Rechnung dieselbe: Solange die Hormuz-Straße geschlossen bleibt, bleiben Inflation und Defizite das dominante Thema — und die Zinskurve das treueste Barometer dafür.

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