Krypto-Markt: Cardanos Hard Fork sticht heraus, XRP wartet auf den Senat
Cardano verzeichnet nach Netzwerk-Upgrade Kursgewinne, während XRP auf die Senatsabstimmung zum CLARITY Act wartet. Bitcoin stabilisiert sich über 64.000 Dollar.

Kurz zusammengefasst
- Cardano-Upgrade treibt ADA-Kurs
- XRP wartet auf Senatsvotum
- Bitcoin erholt sich über 64.000 Dollar
- Solana mit ETF-Zuflüssen trotz Kursdelle
Fünf Kryptowährungen, fünf völlig unterschiedliche Wochen. Während Cardano nach seinem größten Netzwerk-Upgrade seit 2022 einen Kurssprung feiert, hängt XRP weiter am seidenen Faden der US-Gesetzgebung. Bitcoin robbt sich zurück über die 64.000-Dollar-Marke, Ethereum kämpft mit Wal-Käufen gegen den Abwärtstrend, und Solana zeigt ein Paradox aus starken Mittelzuflüssen bei schwacher Kursentwicklung.
Bitcoin: Zurück über 64.000 Dollar, aber die Stimmung bleibt angespannt
Die Leitwährung hat sich von den Tiefstständen unter 60.000 Dollar Ende Juni deutlich erholt. Aktuell notiert Bitcoin bei 64.476 US-Dollar, ein Plus von 0,86 Prozent innerhalb eines Tages. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Minus von 45,35 Prozent zu Buche— ein Beleg dafür, wie sehr der gesamte Sektor unter Druck stand.
Spot-Bitcoin-ETFs in den USA verzeichneten zuletzt Nettozuflüsse von rund 265,69 Millionen Dollar, den höchsten Wert seit Anfang Mai. Das half, die Stimmung nach dem Rutsch Ende Juni zu stabilisieren. Trotzdem bleibt die Marktpsychologie fragil: Der Fear-&-Greed-Index notiert bei 25 Punkten und signalisiert damit „extreme Angst“.
Prominente Skeptiker wie der Investor Jeremy Grantham lehnen die Anlageklasse weiterhin komplett ab. Langfristig orientierte Anleger verweisen dagegen auf das begrenzte Angebot und die wachsende institutionelle Nachfrage als strukturelle Stützen. Entscheidend für den gesamten Sektor bleibt, ob Bitcoin die Marke von 60.000 Dollar verteidigen kann— fällt sie, drohen auch Altcoins wie XRP unter Druck zu geraten.
XRP: Gefangen bei einem Dollar, während der Senat zögert
Für XRP ist der CLARITY Act der mit Abstand wichtigste Kurstreiber. Das Gesetz zur Marktstruktur könnte die Einstufung als Rohstoff dauerhaft festschreiben— und damit regulatorische Klarheit schaffen, die seit Jahren fehlt. Der Coin notiert aktuell bei 1,09 US-Dollar, nach einem Minus von 41,60 Prozent seit Jahresbeginn.
Die Zeitschiene ist eng getaktet. Der Senat soll in der Woche ab dem 20. Juli über das Gesetz abstimmen, bis zum 7. August muss die Entscheidung fallen— sonst droht die Vertagung ins nächste Jahr. Für eine Mehrheit braucht es 60 Stimmen, darunter sieben demokratische Senatoren. Bislang haben sich nur zwei festgelegt, ihre Zustimmung hängt an einer Ethik-Klausel zu den Krypto-Beständen von Präsident Trump, die noch ungeklärt ist.
Prognosemärkte spiegeln die Unsicherheit wider: Die Plattform Kalshi sieht eine Wahrscheinlichkeit von 79 Prozent für eine Abstimmung vor der Sommerpause, aber nur 36 Prozent dafür, dass das Gesetz tatsächlich noch dieses Jahr verabschiedet wird. Institutionelle Anleger lassen sich davon bislang wenig beirren— Spot-XRP-ETFs haben im vergangenen Monat zwischen 1,4 und 1,5 Milliarden Dollar an Zuflüssen eingesammelt. Ripple hat zudem in Luxemburg die vollständige MiCA-Zulassung erhalten und kann damit im gesamten europäischen Wirtschaftsraum regulierten Geschäften nachgehen. Kurzfristig bleibt der Kurs aber eng an Bitcoin gekoppelt, mit dünner Unterstützung unterhalb der Ein-Dollar-Marke.
Ethereum: Wale kaufen unterhalb von 1.900 Dollar
Ethereum hat einen Großteil des Jahres unter Druck verbracht, doch anhaltende Käufe großer Wallets geben Bullen neue Argumente. Der Kurs liegt derzeit bei 1.865,11 US-Dollar, nach einem Wochenplus von 4,16 Prozent testet die Kryptowährung die Widerstandszone um 1.900 Dollar. Spot-ETFs auf Ethereum verzeichneten zuletzt tägliche Nettozuflüsse von 53,83 Millionen Dollar, das verwaltete Gesamtvermögen liegt bei 10,40 Milliarden Dollar.
Das größere Bild bleibt herausfordernd. Ende Juni war der Kurs zeitweise auf rund 1.569 Dollar gefallen, nachdem ein schwaches Quartal die Stimmung belastet hatte. Unter der Oberfläche zeichnet sich jedoch ein konstruktiveres Bild ab: Die Zahl der Wallets mit Beständen zwischen 1.000 und 10.000 ETH steigt seit dem Tiefpunkt im Juni wieder— ein Muster, das typischerweise auf Akkumulation statt Verkaufsdruck hindeutet.
Strukturelle Belastungen bleiben dennoch bestehen. Die Ethereum Foundation hat ihre Belegschaft um ein Fünftel und ihr Betriebsbudget um zwei Fünftel gekürzt. Da immer mehr Aktivität auf Layer-2-Netzwerke abwandert und die Grundgebühren sinken, wird weniger ETH verbrannt— während Konkurrenten wie Solana zusätzliches On-Chain-Volumen abgreifen. Auf der Entwicklungsseite geht es dennoch voran: Die Vorbereitungen für die kommende Amsterdam-Hard-Fork laufen, die parallele Transaktionsausführung und eine tiefere Verankerung der Trennung von Proposer und Builder einführen soll, um die Basisebene skalierbarer zu machen.
Cardano: Van-Rossem-Fork treibt den Kurs um 5 Prozent nach oben
Cardano ist der auffälligste Gewinner der Woche. Nach der erfolgreichen Aktivierung des größten Netzwerk-Upgrades seit 2022 kletterte der ADA-Kurs innerhalb eines Tages um etwa 5 Prozent auf 0,1663 Dollar und übertraf damit einen insgesamt um 1,15 Prozent gestiegenen Gesamtmarkt deutlich. Auslöser war die planmäßige Aktivierung der Van-Rossem-Hard-Fork am 18. Juli um 21:44 UTC. Aktuell notiert Cardano bei 0,1648 US-Dollar.
Das durch die Community-Governance ratifizierte Upgrade hebt das Netzwerk auf Protokollversion 11 und führt neue Plutus-Funktionen ein, die die Ausführungskosten für Smart Contracts senken sollen. Bemerkenswert: ADA übertraf damit sogar den Anstieg von Bitcoin, der an diesem Tag bei 1,81 Prozent lag.
Vorausgegangen war wochenlange Akkumulation durch große Halter. Wallets mit Beständen zwischen 100.000 und 100 Millionen ADA kontrollierten zuletzt rund 25,65 Milliarden ADA— der höchste Stand seit Februar 2023. Symbolisch bedeutsam ist zudem, dass dies die erste Hard Fork in der Geschichte von Cardano war, die über das On-Chain-Governance-Framework Voltaire eingeleitet wurde, statt von der Entwicklungsorganisation IOG einseitig durchgesetzt zu werden. Delegierte Stimmrechtsinhaber (DReps) stimmten proportional zu ihrem gestakten ADA-Anteil ab, bevor das Verfassungskomitee die Maßnahme final ratifizierte. Das Upgrade ebnet zudem den Weg für künftige Skalierungsprojekte wie Leios. Analysten sehen erste Unterstützung an der 7-Tage-Durchschnittslinie nahe 0,163 Dollar, sollte der Schwung nach der Fork nachlassen.
Solana: ETF-Zuflüsse trotzen der Kursschwäche
Solana liefert eine der ungewöhnlichsten Divergenzen im gesamten Sektor. Jede US-Handelssitzung im Juli schloss bislang mit Nettozuflüssen in Solana-Spot-ETFs ab— und das, obwohl der Kurs rund 57 Prozent unter dem Niveau liegt, auf dem diese Fonds im Oktober vergangenen Jahres gestartet waren. Seit dem Launch am 28. Oktober 2025 haben die Produkte mittlerweile mehr als eine Milliarde Dollar an kumulierten Zuflüssen eingesammelt. Aktuell notiert Solana bei 75,93 US-Dollar, nach einem Monatsplus von 9,03 Prozent.
Das institutionelle Interesse weitet sich aus. Morgan Stanley hat bei der US-Börsenaufsicht eine geänderte Registrierung für seinen Solana-fokussierten ETF namens MSOL eingereicht— ein weiteres Zeichen dafür, dass klassische Finanzhäuser Engagement im Netzwerk aufbauen. Auf der Nutzungsseite wurden zuletzt Rekorde erreicht: Erstmals in der Geschichte des Netzwerks überstieg die Zahl wöchentlicher Nicht-Voting-Transaktionen die Marke von einer Milliarde.
Die Kursentwicklung bleibt trotzdem wackelig. Ein entscheidender Ausbruch über die Widerstandszone zwischen 80 und 81,50 Dollar könnte den Weg zu 88,50 Dollar und später zum 200-Tage-Durchschnitt bei etwa 94,50 Dollar öffnen. Zuletzt rutschte der Kurs jedoch wiederholt zurück in Richtung der 70er-Marke, was die anhaltende Vorsicht im Gesamtmarkt widerspiegelt.
Sektordynamik im Vergleich
Die fünf Kryptowährungen erzählen derzeit sehr unterschiedliche Geschichten über die Richtung von institutionellem und privatem Kapital:
- Bitcoin und Ethereum ringen beide mit dem Spannungsfeld zwischen Wal-Akkumulation und vorsichtigen ETF-Flüssen— beide müssen erst wichtige technische Marken zurückerobern, bevor von einer stabilen Erholung die Rede sein kann.
- XRP hängt fast vollständig an einem politischen Prozess außerhalb der Kontrolle des Marktes, was den Kurs in einer engen Bandbreite gefangen hält.
- Cardano zeigt, dass ein gut durchgeführtes Protokoll-Upgrade mit breiter Community-Unterstützung auch in einem schwachen Makroumfeld kurzfristig überdurchschnittliche Gewinne bringen kann.
- Solana liefert den ungewöhnlichsten Fall: anhaltende ETF-Zuflüsse und Rekord-Netzwerknutzung haben bislang nicht zu einem nachhaltigen Kursausbruch geführt.
Bitcoins Kursverlauf gibt weiterhin den Takt für den Rest des Sektors vor. Bleibt die Marke von 60.000 Dollar intakt, gilt das als wichtiges Stabilitätssignal für Altcoins— fällt sie, könnte das den gesamten Markt nach unten ziehen.
Krypto-Markt zwischen politischem Stillstand und technischem Fortschritt
Die kommenden Wochen bringen mehrere konkrete Prüfsteine. Für XRP markiert die erwartete Senatsabstimmung in der Woche ab dem 20. Juli und die Frist am 7. August das klarste binäre Ereignis im Sektor— eine Verabschiedung könnte neues institutionelles Interesse freisetzen, während eine weitere Verzögerung die Debatte bis 2027 vertagen könnte. Bei Ethereum entscheidet sich das Tauziehen zwischen Wal-Käufen und ETF-Abflüssen wohl daran, ob die Widerstandszone zwischen 1.850 und 1.900 Dollar fällt.
Cardanos Kursverlauf in den kommenden Tagen wird zeigen, ob aus dem Fork-Katalysator eine nachhaltige Erholung wird oder ein klassisches „Sell the News“-Szenario folgt— zumal viele Derivate-Händler vor dem Ereignis noch auf weiter fallende Kurse gesetzt hatten. Solanas ETF-Zuflussserie wird sich daran messen lassen müssen, ob sie endlich in einen Ausbruch über die 80-Dollar-Marke mündet. Bitcoin bleibt dabei der Taktgeber des gesamten Marktes— seine Fähigkeit, sich über 60.000 Dollar zu halten, dürfte die Stimmung im gesamten Sektor weiter prägen.
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