Kupfer-Deal im Kongo, Ölpreis-Crash und Uranstreit — Rohstoffe im Krisenmodus

Der Rohstoffmarkt zeigt sich tief gespalten: Während der Ölpreis einbricht, erreicht Kupfer neue Höhen. Edelmetalle konsolidieren und Uran wird zum diplomatischen Zankapfel.

Dieter Jaworski ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Brent Crude verliert fast zehn Prozent an einem Tag
  • Kupfer profitiert von strategischem USA-Kongo-Deal
  • Gold und Silber stabilisieren sich auf hohem Niveau
  • Uranpreis bleibt durch Verhandlungen unter Druck

Die zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg läuft am 22. April aus. Drei Tage vor dieser Frist zeigt sich der Rohstoffmarkt tief gespalten: Brent Crude verliert an einem einzigen Tag fast ein Zehntel seines Wertes, während Kupfer dank eines strategischen Deals zwischen Washington und Kinshasa neue Mehrwochenhochs markiert. Gold konsolidiert auf hohem Niveau, Silber zieht kräftig an — und Uran rückt als Verhandlungsmasse ins Zentrum der Diplomatie.

Gold: Konsolidierung nach Rekord-Volatilität

Das erste Quartal 2026 war für Gold eine Achterbahnfahrt. Allein im Januar deckte der Preis eine Spanne von rund 1.290 US-Dollar ab und erreichte bei 5.595 Dollar ein Allzeithoch. Dann folgte der Absturz: Im März verlor das Edelmetall mehr als 800 Dollar — der stärkste Monatsrückgang seit 2008. Die Tiefststände lagen bei knapp 4.100 Dollar.

Seitdem hat sich der Markt stabilisiert. Ende März hielt die Unterstützung bei 4.381 Dollar, der Kurs schob sich über den Widerstand bei 4.630 Dollar. Aktuell notiert Gold bei rund 4.858 Dollar je Feinunze — deutlich unter dem Rekordhoch, aber historisch betrachtet auf außergewöhnlichem Niveau.

Bemerkenswert ist die paradoxe Dynamik: Friedenshoffnungen im Iran-Konflikt drücken zwar die Safe-Haven-Prämie, gleichzeitig bleibt die strukturelle Nachfrage intakt. Asiatische Zentralbanken haben 2026 ihre Goldreserven weiter aufgestockt — ein Trend, der durch De-Dollarisierung und Reservediversifizierung getrieben wird. Ein möglicher Fed-Zinssenkungszyklus liefert zusätzlichen Rückenwind.

Analysten der IG Group sehen den Goldpreis 2026 in einer Bandbreite von 4.800 bis 5.500 Dollar. Morgan erwartet einen Anstieg in Richtung 5.000 Dollar bis Mitte des Jahres. Das Auslaufen des Waffenstillstands am 22. April gilt als nächster potenzieller Preistreiber.

Silber: Industrienachfrage trifft auf sechstes Defizitjahr

Silber legte vergangene Woche deutlich zu. Der Preis kletterte um knapp 4 Prozent auf 81,84 Dollar je Feinunze und notiert damit rund 7 Prozent höher als noch vor einer Woche. Die Volatilität bleibt enorm: Am 8. April sprang Spot-Silber um über 5 Prozent auf 76,81 Dollar. Kurz zuvor war der Preis innerhalb von acht Stunden um fast 9 Prozent von 76,41 auf 69,63 Dollar eingebrochen.

Die Schwankungen spiegeln die Zerrissenheit des Marktes wider. Einerseits wirkt Silber als Edelmetall — Spannungen rund um die Straße von Hormus treiben die Safe-Haven-Nachfrage. Andererseits ist es ein Industriemetall: Rund die Hälfte der globalen Silbernachfrage entfällt auf industrielle Anwendungen, vor allem Solarpaneele, Elektronik und Medizintechnik.

Das Silver Institute meldete für 2025 ein physisches Angebotsdefizit von 184 Millionen Unzen. Für 2026 wird eine weitere Verschärfung erwartet. Chinas Exportbeschränkungen für Silber, die bis 2028 gelten, verknappen das globale Angebot zusätzlich.

J.P. Morgan prognostiziert für 2026 einen Durchschnittspreis von 81 Dollar, gestützt auf ein Defizit von 200 Millionen Unzen. Charttechnisch hat Silber einen Keil-Ausbruch vollendet. Kursziele zwischen 85 und 110 Dollar werden diskutiert, der Support liegt bei 72 Dollar.

Brent Crude: Hormus-Öffnung und Übergewinnsteuer setzen Ölkonzerne unter Druck

Der Brent-Preis stürzte am Freitag um über 9 Prozent auf 90,38 Dollar je Barrel. Auslöser war die Ankündigung des iranischen Außenministers, die Straße von Hormus während der Waffenruhe vollständig für den kommerziellen Schiffsverkehr zu öffnen. Im vergangenen Monat hat Brent rund 14 Prozent verloren.

Vor dem Iran-Krieg handelte Brent in einer Spanne von 60 bis 70 Dollar. Nach dem Kriegsausbruch schossen die Preise zeitweise über 100 Dollar, als drei Frachtschiffe im Golf angegriffen wurden. Die Waffenruhe hat dieses Preisniveau nun wieder pulverisiert — doch die Unsicherheit bleibt extrem hoch.

Mindestens ebenso brisant wie die Preisentwicklung ist die politische Debatte um Übergewinnsteuern. Die Zahlen sind eindrücklich:

  • Europäische Ölkonzerne werden 2026 voraussichtlich 24 Milliarden Euro Übergewinn durch den Nahostkonflikt erzielen
  • An den ersten fünf Tagen der Feuerpause fielen allein für Benzin und Diesel jeweils 36,9 Millionen Euro täglicher Übergewinn an
  • Mehr als 30 Organisationen fordern die EU-Kommission zur Einführung einer europaweiten Sondersteuer auf

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil macht gemeinsam mit Amtskollegen aus Österreich, Italien, Portugal und Spanien in Brüssel Druck. Die Übergewinnsteuer hat einen EU-Präzedenzfall und gewinnt in Krisen sofort an politischer Zugkraft — sie ist längst keine Randdebatte mehr.

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Auf der Angebotsseite deuten Offizielle an, dass ein vollständiger Deal mit dem Iran bis zu sechs Monate dauern könnte. Der Konflikt hat die globalen Handelsströme bereits umgestaltet: US-Rohölexporte sind auf Rekordniveaus gestiegen, da Europa und Asien nach Alternativen suchen.

Kupfermarkt: Kongo-Deal verschiebt geopolitische Machtverhältnisse

Kupfer notiert bei 6,10 Dollar pro Pfund und schwebt damit nahe seinem Sechs-Wochen-Hoch. Im Monatsvergleich liegt der Preis rund 11 Prozent im Plus, auf Jahressicht sogar 30 Prozent.

Das strukturell bedeutendste Ereignis spielt sich fernab der Börse ab. Das kongolesische Staatsunternehmen Gécamines hat sein Vorkaufsrecht für 100.000 Tonnen Kupfer aus der Mine Tenke Fungurume ausgeübt — ein Fünftel der dortigen Jahresproduktion, bestimmt für den amerikanischen Markt. Langfristig strebt Gécamines Vertriebsrechte für bis zu 500.000 Tonnen an.

Grundlage ist ein strategisches Partnerschaftsabkommen zwischen den USA und der DR Kongo vom Dezember 2025. Das Timing ist kein Zufall: Während Chiles Kupferproduktion aufgrund alternder Infrastruktur und sinkender Erzgehalte stagniert, hat die DR Kongo ihre Förderung von rund einer Million Tonnen im Jahr 2015 auf geschätzte 3,3 Millionen Tonnen im Jahr 2024 mehr als verdreifacht. Washington sichert sich damit Zugang zu einem der dynamischsten Kupferproduzenten der Welt.

Die Nachfragetreiber reichen weit über den Iran-Konflikt hinaus. Erneuerbare Energien und Rechenzentren verschlingen enorme Kupfermengen. Eine einzige Offshore-Windkraftanlage enthält tonnenweise Kupfer in Generatoren und Seekabeln. Rechenzentren benötigen es für Stromverteilung und Kühlsysteme.

Goldman Sachs prognostiziert für das erste Halbjahr 2026 LME-Kupferpreise von durchschnittlich 10.710 Dollar pro Tonne. JP Morgan ist bullisher und erwartet ein globales Defizit an raffiniertem Kupfer von rund 330.000 Tonnen im laufenden Jahr.

Uran: Irans Atomprogramm als Verhandlungsmasse

Der Uranpreis hat sich bei rund 85,60 Dollar pro Pfund stabilisiert — ein Rückgang gegenüber den kurzzeitigen Notierungen über 100 Dollar zu Jahresbeginn, aber immer noch gut 30 Prozent höher als vor einem Jahr.

Das iranische Atomprogramm ist zum Kernstreitpunkt der Waffenstillstandsverhandlungen geworden. Die USA haben Teheran aufgefordert, 20 Jahre lang auf die Urananreicherung zu verzichten. Irans stellvertretender Außenminister Saeed Khatibzadeh wies das unmissverständig zurück: Kein angereichertes Material werde in die Vereinigten Staaten verschifft. Das Recht auf Anreicherung sei nicht verhandelbar — lediglich über das Niveau könne man sprechen.

Unabhängig vom diplomatischen Ausgang stützen strukturelle Faktoren den Uranmarkt. Die Kernenergie-Renaissance wird von Technologiegiganten befeuert, die Verträge für kleine modulare Reaktoren unterzeichnen, um ihre energiehungrigen Rechenzentren zu versorgen. Das US-Verbot für russisches Uran hat den Markt zusätzlich umstrukturiert. Versorger zahlen inzwischen höhere Prämien für Langfristverträge aus politisch sicheren Jurisdiktionen wie Australien, Namibia oder den USA.

Auf der Angebotsseite verschärft Kazatomprom die Lage bewusst. Der weltgrößte Uranproduzent mit einem Marktanteil von rund 43 Prozent hat eine Produktionskürzung von etwa 10 Prozent für 2026 angekündigt. Da neue Minenprojekte oft Jahrzehnte bis zur Inbetriebnahme brauchen, bleibt der Nachfrageüberhang praktisch garantiert. Bank of America erwartet stetig steigende Uranpreise im Jahresverlauf.

Rohstoffe zwischen Waffenstillstand und Strukturwandel

Der 22. April markiert die nächste Weggabelung. Eine Verlängerung der Waffenruhe oder ein Verhandlungsdurchbruch würde Brent weiter unter Druck setzen und die Edelmetall-Prämien dämpfen. Eine erneute Eskalation dürfte Öl zurück über 100 Dollar treiben und Gold sowie Silber beflügeln.

Andreas Kreig vom King’s College London schätzt Irans Verhandlungsposition nach dem Krieg als relativ stark ein. Größere Zugeständnisse — insbesondere bei der Urananreicherung — seien unwahrscheinlich. Das spricht für anhaltende Unsicherheit.

Jenseits des Tagesgeschäfts zeichnen sich zwei Lager ab: Gold und Silber profitieren von der Safe-Haven-Funktion und physischen Defiziten. Kupfer und Uran werden von Megatrends wie Energiewende, KI-Infrastruktur und Kernenergie-Ausbau getragen — Kräfte, die weit über den aktuellen Konflikt hinausreichen. Brent Crude dagegen steht unter dem größten politischen Gegenwind: Die Übergewinnsteuer-Debatte hat das Potenzial, die Margen der Ölkonzerne nachhaltig zu beschneiden.

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