Kupfer trotzt dem Nahost-Chaos an den Rohstoffmärkten
Ölpreise steigen wegen Golfkonflikt, während Gold und Silber unter Zinssorgen leiden. Kupfer folgt eigener Dynamik aus Zollpolitik und Angebotsknappheit.

Kurz zusammengefasst
- Öl profitiert von Eskalation
- Gold leidet unter Zinsängsten
- Silber erreicht neues Wochentief
- Kupfer folgt eigener Logik
Vier Rohstoffe, ein Auslöser – und vier völlig unterschiedliche Reaktionen. Während sich am Persischen Golf die Lage erneut zuspitzt, zerfällt der Rohstoffsektor in klar erkennbare Lager: Öl schießt nach oben, Edelmetalle geraten unter Druck, und Kupfer schert komplett aus dem Muster aus. Wer verstehen will, warum ein einziges geopolitisches Ereignis so gegensätzliche Kursbewegungen auslöst, muss genauer hinschauen.
Sektor-Überblick: Ein Ereignis, vier Reaktionen
Auslöser der jüngsten Turbulenzen war die Ankündigung, das Interimsabkommen mit dem Iran gelte als beendet. Militärische Angriffe und Gegenschläge folgten, der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus geriet ins Stocken. Die Ölpreise reagierten mit heftigen Ausschlägen, Gasölnotierungen legten zeitweise um rund 9 Prozent zu.
Gold und Silber schlugen dagegen die entgegengesetzte Richtung ein. Statt als Krisenwährung zu profitieren, gerieten beide Edelmetalle unter Verkaufsdruck – die Furcht vor steigenden Zinsen wog schwerer als die geopolitische Unsicherheit. Kupfer wiederum ignoriert die Nahost-Lage nahezu komplett und folgt einer eigenen Logik aus Zollpolitik und Angebotsknappheit.
Gold: Zinssorgen wiegen schwerer als Kriegsangst
Der Goldpreis schloss am Donnerstag bei 4.136,90 US-Dollar je Feinunze, nach einem Rückgang von 1,20 Prozent innerhalb der vergangenen sieben Handelstage. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 1,04 Prozent über 30 Tage zu Buche – ein Zeichen dafür, wie volatil die Handelswoche verlief.
Bemerkenswert ist der Abstand zur 200-Tage-Linie: Mit einem Minus von 8,86 Prozent hat Gold seinen langfristigen Aufwärtstrend spürbar eingebüßt. Der RSI von 44,6 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand, deutet aber auf fehlende Kaufimpulse hin. Verantwortlich für den Rücksetzer sind vor allem veränderte Erwartungen an die US-Geldpolitik und ein festerer Dollar – zudem haben sich die Goldkäufe der Zentralbanken zuletzt verlangsamt.
Ganz pessimistisch muss man deshalb nicht werden. Ein Großteil des Marktes hat sich bereits an das hohe Zinsumfeld angepasst, während strukturelle Faktoren wie Haushaltsdefizite und Staatsverschuldung weiterhin für das Edelmetall sprechen. Nach dem Bruch der 200-Tage-Linie bleibt die 4.000er-Marke die entscheidende charttechnische Untergrenze.
Silber: Im Windschatten von Gold auf Wochentief
Silber folgte der Goldpreisbewegung nahezu im Gleichschritt. Die September-Futures eröffneten zuletzt bei 58,88 US-Dollar je Unze und stiegen im Tagesverlauf zwischenzeitlich auf 59,38 US-Dollar – ein neues Wochentief war zuvor erreicht worden, während sich die militärische Lage zwischen den USA und dem Iran weiter zuspitzte.
Die Belastung wirkt doppelt: Steigende Ölpreise befeuern Inflationssorgen, und höhere Zinserwartungen setzen zinslose Anlagen wie Silber überproportional unter Druck. Langfristig bleibt der fundamentale Rahmen dennoch angespannt-positiv. Der Silbermarkt befindet sich seit 2021 in einer ununterbrochenen Defizitphase, für 2026 wird bereits das sechste Defizitjahr in Folge erwartet, mit einem Fehlbetrag von rund 67 Millionen Unzen.
Brent Crude: Rally mit Rücksetzer
Brent Crude schloss am Donnerstag bei 76,65 US-Dollar je Barrel, nach einem Plus von 6,27 Prozent innerhalb einer Woche. Über 30 Tage steht dennoch ein Minus von 19,07 Prozent zu Buche – seit Jahresbeginn liegt die Sorte aber mit 26,09 Prozent klar im Plus.
Die Schwankungsbreite bleibt außergewöhnlich hoch: Die 30-Tage-Volatilität von 46,12 Prozent unterstreicht, wie nervös der Markt die tatsächlichen Auswirkungen der Eskalation einpreist. Nach zwei Tagen mit kräftigen Kursgewinnen kam die Rally zwischenzeitlich ins Stocken, obwohl das US-Militär bestätigte, erneut Angriffe auf Ziele im Iran geflogen zu haben.
Präsident Trump erklärte die Waffenruhe für beendet und warnte vor weiteren militärischen Aktionen gegen den Iran – einschließlich einer möglichen Blockade und Angriffen auf das wichtige Exportterminal auf Kharg Island. Ein Teil der Marktbeobachter sieht die Auswirkungen der Eskalation noch weit in das Jahr 2027 hineinwirken, sollte der globale Öldurst Chinas und Indiens zusätzlich Druck aufbauen.
Rohöl WTI: US-Sorte zieht im Windschatten mit
Die US-Referenzsorte bewegte sich zuletzt in einer Spanne von rund 71 bis 74 US-Dollar je Barrel. Der Aufschlag von Brent gegenüber WTI von gut 2 Prozent deutet auf eine geopolitische Risikoprämie hin, die vor allem der europäischen Sorte zugutekommt.
Ein überraschender Lageraufbau bremste die Rally zusätzlich: Die US-Energiebehörde EIA meldete für die Woche zum 4. Juli einen Anstieg der Rohölbestände um rund 3 Millionen Barrel – der erste wöchentliche Aufbau seit April, während der Markt eigentlich einen Rückgang erwartet hatte. Charttechnisch war WTI zuvor aus einer fallenden Widerstandslinie ausgebrochen und von rund 68,80 auf ein Hoch nahe 76,12 US-Dollar gestiegen, bevor die Rally in eine Konsolidierung überging.
Kupfer: Stark trotz drohender US-Zölle
Während Edelmetalle und Öl von der Nahost-Lage dominiert werden, folgt Kupfer einer eigenen Logik. Der Schlusskurs vom Donnerstag lag bei 6,27 US-Dollar je Pfund, mit einem Plus von 10,00 Prozent seit Jahresbeginn. Zum 52-Wochen-Hoch von 6,72 US-Dollar fehlen nur noch 6,68 Prozent.
Auffällig ist die Positionierung am Terminmarkt. Große Spekulanten sind laut den jüngsten CFTC-Daten so stark auf der Long-Seite engagiert wie selten in den vergangenen zwei Jahrzehnten – ein Zustand, der Risiken birgt. Fällt die anstehende US-Zollentscheidung zu raffiniertem Kupfer milder aus als erwartet, könnte die Enttäuschung auf eine extrem einseitige Positionierung treffen und eine scharfe Korrektur auslösen. Bestätigt Washington dagegen hohe Zölle, dürfte der Kupferpreis kurzfristig weiter gestützt bleiben. Fundamental bleibt der Markt ohnehin angespannt: Ausfälle in Minenbetrieben, Zollrisiken und knappe Lagerbestände sorgen für ein strukturelles Defizit.
Vergleichende Sektordynamik: Warum die Korrelation zerbricht
Die Reaktionsmuster der vergangenen Handelstage lassen sich klar zusammenfassen:
- Öl (Brent, WTI) profitiert direkt von der Eskalation am Persischen Golf, da die Straße von Hormus als kritisches Nadelöhr für den globalen Öltransport gilt
- Gold und Silber leiden paradoxerweise unter genau dieser Eskalation, weil die dadurch geschürte Inflationsangst die Erwartungen an eine straffere Fed-Politik verstärkt
- Kupfer bewegt sich weitgehend unabhängig von der Nahost-Thematik – hier dominieren US-Zollpolitik und strukturelle Angebotsengpässe
- Der US-Dollar bleibt die verbindende Klammer: Ein starker Dollar verteuert alle in der Leitwährung notierten Rohstoffe für internationale Käufer, wirkt bei Öl aber von geopolitischen Angebotssorgen überlagert
Die Korrelation zwischen den fünf Rohstoff-Preisen ist damit derzeit ungewöhnlich schwach ausgeprägt. Idiosynkratische Faktoren wie Handelspolitik und Minenproduktion wirken kurzfristig stärker als der übergeordnete geopolitische Trend.
Rohstoffmärkte zwischen Hormuz-Risiko und Fed-Protokoll
Zwei Faktoren dürften die kommenden Handelstage prägen. Bleibt der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt, dürfte der Ölpreisdruck anhalten und über steigende Inflationserwartungen auch die Zinspolitik der Fed beeinflussen – mit entsprechenden Folgen für Gold und Silber.
Die anstehende US-Entscheidung zu Kupferzöllen liefert den zweiten Unsicherheitsfaktor. Angesichts der extremen spekulativen Positionierung am Terminmarkt könnte bereits eine moderate Enttäuschung für deutliche Ausschläge sorgen. Die Fed-Protokolle der Juni-Sitzung dürften unterdessen zeigen, wie die Notenbank auf die durch den Nahost-Konflikt verschärfte Inflationslage reagieren will. Bleibt die Zinserwartung erhöht, dürfte dies Gold, Silber und Kupfer gleichermaßen belasten, während Öl weiterhin primär auf die Entwicklung am Golf reagieren dürfte.
Gold: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gold-Analyse vom 10. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Gold-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gold-Investoren. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 10. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Gold: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...