Lang & Schwarz Aktie: Extrem überverkauft nach Trade-Republic-Bruch
Nach dem Wegfall von Trade Republic als Hauptkunde steckt die Lang & Schwarz Aktie im freien Fall. Ein RSI von 9,5 signalisiert extreme Überverkauftheit.
Kurz zusammengefasst
- RSI von 9,5 signalisiert extreme Überverkauftheit
- Trade Republic stellt Ausführungsmodell um
- Aktie verliert 46,74 Prozent in 30 Tagen
- Neues Handelsmodell mit mehreren Market Makern
Ein RSI von 9,5 ist ein Alarmsignal. So tief stand der Indikator bei Lang & Schwarz historisch selten. Der Grund: Trade Republic hat dem Handelsplatzbetreiber den größten Kunden entzogen – und die Aktie taumelt seither von einem Tief zum nächsten.
Der Kurs schloss am Mittwoch bei 14,70 Euro. Das liegt nur 2,44 Prozent über dem frischen 52-Wochen-Tief von 14,35 Euro vom 14. Juli. Innerhalb von 30 Tagen hat die Aktie 46,74 Prozent verloren, binnen sieben Tagen allein 18,78 Prozent. Vom Jahreshoch bei 29,70 Euro aus dem Juni trennen das Papier mittlerweile über 50 Prozent.
Ausgelöst hat den Absturz eine Entscheidung von Trade Republic. Der Broker stellt sein Ausführungsmodell um und wickelt Orders künftig selbst zum Bestpreis ab. Diese Rolle hatte bisher die LS Exchange von Lang & Schwarz übernommen. Am 2. Juli bestätigte Trade Republic den Schritt offiziell – der Markt reagierte prompt mit deutlichen Verlusten.
Die entscheidende Frage
Kann Lang & Schwarz den Wegfall seines größten Auftraggebers durch neue Partner ausgleichen? Davon hängt der weitere Kursverlauf ab. Das Unternehmen selbst hatte dieses Risiko im Geschäftsbericht 2025 offen benannt: Die Abhängigkeit von Trade Republic sei hoch, ein Bruch könne das Handelsergebnis belasten.
Vorgesorgt hat der Konzern trotzdem. Bereits am 23. März kündigte Lang & Schwarz per Ad-hoc-Mitteilung ein zusätzliches Handelsmodell mit mehreren Market Makern an. Im Februar stärkte das Unternehmen zudem seine Eigenmittel um 19,2 Millionen Euro. Ob dieses Modell genug neuen Orderfluss bringt, zeigt sich erst in den kommenden Quartalszahlen.
Bullisches Szenario
Für eine Stabilisierung spricht zunächst die Technik. Ein RSI von 9,5 gilt als extremer Überverkauft-Indikator. Historisch folgt darauf oft zumindest eine kurzfristige Gegenbewegung.
Fundamental lief das Geschäft bis zuletzt gut. Im Geschäftsjahr 2025 erreichte das Handelsvolumen mit 334,3 Milliarden Euro einen Rekordwert, das Ergebnis aus der Handelstätigkeit stieg auf 145,4 Millionen Euro. Noch im zweiten Quartal 2026 lag das Handelsergebnis bei 32 Millionen Euro – deutlich über den 25 Millionen des Vorjahresquartals.
Hinzu kommt: PFOF-Einnahmen aus dem Geschäft mit Trade Republic machten nach eigenen Angaben ohnehin weniger als 30 Prozent der Erträge aus. Das lässt theoretisch Spielraum für eine geordnete Neuausrichtung. Gewinnt Lang & Schwarz über sein Mehr-Market-Maker-Modell neue Partner – etwa andere Neobroker oder klassische Banken – könnte sich das aktuelle Kursniveau als übertriebene Reaktion erweisen.
Bärisches Szenario
Dagegen steht die strukturelle Realität. Ohne den mit Abstand größten Orderlieferanten dürfte das Handelsvolumen der LS Exchange spürbar einbrechen. Ein gleichwertiger Ersatz ist keineswegs garantiert.
Auch bei anderen Brokern zeichnet sich eine Abkehr ab. Bei DADAT ist Lang & Schwarz inklusive Exchange bereits Ende März komplett weggefallen. Stattdessen setzt DADAT auf gettex und außerbörslich auf die Baader Bank. Der Wettbewerb um Orderflow wird im Zuge des PFOF-Verbots branchenweit neu verteilt – nicht zwangsläufig zugunsten von Lang & Schwarz.
Hinzu kommt die grundsätzliche Volatilität des Geschäftsmodells. Die Ergebnisse hängen stark von der Handelsaktivität privater Anleger ab und von der Konkurrenz unter Handelsplätzen. Bei schrumpfender Kundenbasis kann das zusätzlichen Druck erzeugen. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 68,60 Prozent zeigt: Der Markt rechnet weiter mit heftigen Ausschlägen in beide Richtungen.
Ausblick
Die Aktie notiert 43,84 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 37,85 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Dieses Ausmaß spricht für eine fundamentale Neubewertung des Geschäftsmodells, nicht für eine rein technische Korrektur.
Solange keine belastbaren Signale für neuen Orderfluss aus dem Mehr-Market-Maker-Modell vorliegen, dürfte der Abwärtsdruck anhalten. Denkbar ist auch eine Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau. Kippt die Wahrnehmung dagegen – etwa durch konkrete Zahlen zu neuen Handelspartnern oder eine Stabilisierung des Handelsvolumens – könnte die extrem überverkaufte Lage eine technische Gegenbewegung auslösen.
Der nächste konkrete Prüfstein sind die kommenden Quartalszahlen. Erst dort wird sich zeigen, wie stark der Wegfall von Trade Republic das Handelsergebnis von Lang & Schwarz tatsächlich trifft.
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