Lanxess Aktie: Sparen trotz Erholung
Trotz deutlicher Ergebnisverbesserung im zweiten Quartal belasten schwache Nachfrage und Sparmaßnahmen die Lanxess-Aktie.

Kurz zusammengefasst
- EBITDA steigt um 62 Prozent
- Aktie fällt trotz besserer Zahlen
- Sparprogramm bis 2028 beschlossen
- Niedrigwasser am Rhein als Risiko
Bessere Zahlen, tieferer Kurs — bei Lanxess klaffen Quartalsbericht und Marktreaktion an diesem Freitag deutlich auseinander. Der Kölner Spezialchemiekonzern legte eine kräftige Erholung gegenüber dem schwachen ersten Quartal vor, doch die Aktie rutschte um 4,8 Prozent auf 16,36 Euro ab. Der Grund: Unter der Oberfläche bleibt die Nachfrage fragil, und Vorstandschef Matthias Zachert machte auf der Bilanzpressekonferenz keinen Hehl daraus, dass ein nachhaltiger Aufschwung in den Kernmärkten nicht in Sicht sei.
Erholung mit Schönheitsfehler
Das bereinigte EBITDA kletterte im zweiten Quartal auf 152 Millionen Euro — ein Plus von 62 Prozent gegenüber den 94 Millionen Euro im ersten Quartal, aber nur auf Vorjahresniveau. Der Umsatz stieg um 6 Prozent auf 1,561 Milliarden Euro, getragen von Preis- und Mengenwachstum in etwa gleichem Ausmaß. Für das erste Halbjahr insgesamt sanken Umsatz und Ergebnis dennoch: 2,939 Milliarden Euro Erlös bedeuten ein Minus von 4 Prozent, das operative Ergebnis fiel auf 246 Millionen Euro.
Unter den drei Segmenten lieferte Specialty Additives das stärkste Bild mit einem Ergebnisplus von 33 Prozent im Jahresvergleich, angetrieben von Elektronik- und Luftfahrtkunden. Advanced Intermediates dagegen kämpfte mit Bauschwäche und höheren Energiekosten, das Segmentergebnis brach um 20 Prozent ein. Der Konzern profitierte im Quartal zudem vom Iran-Krieg, der asiatische Konkurrenten bei der Öl- und Gasversorgung ausbremste — ein Effekt, den Analyst Chetan Udeshi von JPMorgan als Sondereinfluss einordnete, ohne die grundsätzlich zurückhaltende Einschätzung („Neutral“) zu ändern. Jefferies-Analyst Marcus Dunford-Castro bleibt bei „Underperform“.
Sparkurs und Saltigo-Umbau
Die Kapazitätsauslastung liegt unter 70 Prozent — einer der schwächsten Werte in der 30-jährigen Unternehmensgeschichte. Lanxess reagiert mit einem verschärften Sparprogramm: Bis Ende 2028 sollen strukturelle Einsparungen von rund 170 Millionen Euro erreicht werden, für 2026 allein sind 65 Millionen Euro geplant, vor allem im zweiten Halbjahr. Weltweit sollen rund 550 Stellen wegfallen, 214 davon sind seit Ende 2025 bereits abgebaut.
Zusätzlich baut der Konzern die Custom-Synthesis-Sparte Saltigo um, die bislang zu rund 80 Prozent vom Agrochemie-Geschäft abhängt. Das Geschäft soll stärker in Richtung Pharma- und Spezialanwendungen verschoben werden — eine Reaktion auf den Konkurrenzdruck chinesischer und indischer Anbieter. Finanziell zeigt sich Lanxess derweil solide aufgestellt: Eine neue Anleihe über 500 Millionen Euro mit einem Kupon von 4,375 Prozent war mehrfach überzeichnet, die Nettofinanzverschuldung sank auf 2,049 Milliarden Euro.
Rhein-Pegel im Blick
Ein aktuelles Risiko bleibt das Niedrigwasser am Rhein. Zachert betonte, größere Produktionseinschränkungen habe es bislang nicht gegeben, lediglich ein kleinerer Betrieb habe kurzzeitig wegen fehlender Rohstoffe pausieren müssen. Jährlich bezieht der Konzern rund 400.000 Tonnen Material per Schiff, betroffen sind vor allem die Werke in Leverkusen, Krefeld und Dormagen. Der Konzern verlagert nach eigenen Angaben Transporte auf Straße und Schiene, wo möglich.
Für das Gesamtjahr hält Lanxess an der Prognose von 450 bis 550 Millionen Euro EBITDA fest, für das dritte Quartal werden 130 bis 150 Millionen Euro erwartet — über Vorjahresniveau, aber schwächer als im zweiten Quartal. Eine spürbare Erholung der Baumärkte erwartet das Management nun erst für 2027, ein Jahr später als bislang geplant. Seit Jahresbeginn 2026 verlor die Aktie rund 7 Prozent, während der europäische Chemiesektor im gleichen Zeitraum um fast 18 Prozent zulegte.
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