Interviewmit Eduard Altmann

LEGO: Das Steinsystem seit 1958 trägt LEGOs Preismacht

Marke und kompatible Steine stärken LEGOs Geschäft; die Rendite der neuen Werke und die Preismacht bei sinkender Nachfrage bleiben offen.

Eduard Altmann ·
Interview mit Eduard Altmann über LEGO
Im Bild: Eduard Altmann

Kurz zusammengefasst

  • Steine seit 1958 miteinander kompatibel
  • Hello-Kitty-Kooperation startet ab 2027
  • Halbjahres-Betriebsgewinn: 10,9 Milliarden DKK
  • Virginia-Werk soll 2027 Produktion aufnehmen

Rund um LEGO wird über Lizenzen wie Pokémon und Hello Kitty als Wachstumstreiber gesprochen; im Hintergrund stehen teurere Vorleistungen und der Bau neuer Werke. Das Unternehmen ist privat gehalten, für seine Aktie gibt es keinen Börsenpreis. Mit Eduard Altmann sprechen wir darüber, wie tragfähig das Geschäft bei schwächerer Nachfrage wäre.

Stock World Redaktion: Welche Substanz lässt sich bei LEGO überhaupt beurteilen, wenn für die Aktie weder ein Börsenpreis noch eine Marktkapitalisierung vorliegt?

Eduard Altmann: Das Geschäft lässt sich beurteilen, die Aktie nicht bewerten. LEGOs stärkster Schutz ist für mich das seit 1958 kompatible Steinsystem: Familien können neue Sets mit alten Steinen verbinden, und Sammler bleiben über Jahre dabei. Die Marke gibt dem Ganzen Preismacht. Was ein Anteil an diesem Geschäft wert wäre, kann ich ohne Börsenpreis nicht seriös beurteilen.

Stock World Redaktion: Sie setzen auf das Steinsystem. Spricht die neue Hello-Kitty-Partnerschaft ab 2027 nicht eher dafür, dass LEGO für Wachstum immer stärker fremde Figuren braucht?

Eduard Altmann: Diese Abhängigkeit würde ich erst einmal belegt sehen wollen. Woran machen Sie fest, dass eine Lizenz die eigenen Steine für Käufer weniger wichtig macht? Hello Kitty kann Aufmerksamkeit schaffen; ob jemand später andere Sets ergänzt, entscheidet das kompatible System. Die Lizenz ist ein guter Türöffner, nur würde ich ihr keine dauerhafte Bindung zuschreiben.

Stock World Redaktion: Sie sagen, ob jemand später andere Sets ergänzt, entscheide „das kompatible System“. Was hilft diese Bindung, wenn Familien schlicht weniger Geld für Spielzeug haben?

Eduard Altmann: Es hilft nur begrenzt. Wer sparen muss, kauft auch keine neuen Steine. Vorhandene Steine bleiben auch bei knappen Budgets nutzbar. Das macht den nächsten Kauf leichter.

Stock World Redaktion: Mexikanische Zölle verteuern Kunststoffvorleistungen für das dortige Werk. Wie viel von LEGOs Preismacht bleibt, wenn zugleich die Nachfrage nachlässt?

Eduard Altmann: Teurere Vorleistungen verschwinden nicht durch einen starken Markennamen. Die regionale Fertigung begrenzt manche Handelsrisiken, schützt das mexikanische Werk aber nicht vor höheren Einkaufskosten. Bei einem Nachfrageknick will ich eine stabile operative Marge sehen. Bleibt dieser Beleg aus, muss ich meine Einschätzung zur dauerhaften Preismacht ändern.

Stock World Redaktion: Was müsste geschehen, damit die neuen Werke in Vietnam und Virginia tatsächlich für eine gute Kapitalrendite sprechen?

Eduard Altmann: Sie müssten über den Zyklus hinweg genügend Gewinn auf das zusätzlich gebundene Kapital erwirtschaften. Der Betriebsgewinn von 10,9 Milliarden DKK im ersten Halbjahr 2026 ist stark, belegt das für die neuen Werke aber noch nicht; Virginia soll erst 2027 die Produktion aufnehmen. Hohe Nachfrage hilft beim Anlaufen. Ob sich der Kapitaleinsatz auch in schwächeren Jahren trägt, ist offen.

Stock World Redaktion: Sie verlangen eine stabile operative Marge bei einem Nachfrageknick. Wie lautet damit Ihr Urteil über das Geschäft und über die Aktie?

Eduard Altmann: LEGO hat für mich ein außergewöhnlich gutes Geschäft. Marke und Steinsystem dürften Kunden länger halten als die Begeisterung für einzelne Lizenzfiguren. Die operative Marge muss diesen Schutz in einer Schwächephase noch belegen. Zur Aktie fehlt mir für ein Bewertungsurteil der Börsenpreis.

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