Lenzing Aktie: 2.000 Jobs bis Ende 2027
Lenzing kündigt drastische Restrukturierung an: 2.000 Stellen fallen weg, Werke schließen. Eine Kapitalerhöhung von 300 Mio. Euro soll die Wende finanzieren.

Kurz zusammengefasst
- Streichung von 2.000 Arbeitsplätzen
- Schließung der Werke in Heiligenkreuz und Grimsby
- Kapitalerhöhung über 300 Millionen Euro
- Neue Mittelfristziele mit höherer Marge
Der oberösterreichische Faserkonzern Lenzing leitet eine tiefgreifende strategische Neuausrichtung ein. Unter dem Leitmotiv „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ reagiert das Unternehmen auf die anhaltenden Herausforderungen am Weltmarkt und plant einen umfassenden Umbau der Konzernstruktur. Kernpunkte des Vorhabens sind eine massive Reduzierung der Belegschaft, die Schließung unrentabler Standorte sowie eine umfassende Stärkung der Kapitalbasis.
Konsolidierung der Faserproduktion und Stellenabbau
Ein wesentlicher Bestandteil der neuen Strategie ist eine drastische Kostensenkung. Das Management gab bekannt, weltweit rund 2.000 Arbeitsplätze bis Ende 2027 abzubauen. Dieser Schritt geht mit einer Konsolidierung des Produktionsnetzwerks einher. Laut Unternehmensangaben wird die Faserproduktion am Standort Heiligenkreuz in Österreich bis zum Ende des Jahres 2026 eingestellt. Ein Jahr später, bis Ende 2027, soll auch das Werk im britischen Grimsby geschlossen werden.
CEO Georg Kasperkovitz, der seit Juni den Vorstandsvorsitz innehat, plant, die betroffenen Kapazitäten an wettbewerbsfähigere Kernstandorte zu verlagern. Durch die stärkere Fokussierung auf das Geschäft mit Vliesstoffen (Nonwovens) und eine Restrukturierung des Textilbereichs will Lenzing die Profitabilität nachhaltig sichern. Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet das Unternehmen infolge dieser Maßnahmen mit nicht zahlungswirksamen Wertminderungen auf das Anlagevermögen von bis zu 150 Millionen Euro sowie Restrukturierungsrückstellungen in Höhe von etwa 40 Millionen Euro.
Bezugsrechtskapitalerhöhung und neue Finanzierungsstruktur
Um die Transformation finanziell abzusichern, plant Lenzing eine vollständig garantierte Bezugsrechtskapitalerhöhung mit einem Volumen von bis zu 300 Millionen Euro. Die Kernaktionäre sichern dieses Vorhaben bereits ab: Das Konsortium aus der B&C Gruppe und dem brasilianischen Partner Suzano S.A., das gemeinsam rund 52,25 Prozent der Stimmrechte hält, hat sich unwiderruflich zur Zeichnung von Anteilen im Wert von bis zu 156,7 Millionen Euro verpflichtet. Zudem unterstützt die Oberbank die Maßnahme mit einer Investitionszusage von bis zu 11,6 Millionen Euro.
Parallel zur Kapitalstärkung hat Lenzing ein neues Refinanzierungspaket mit einem Bankenkonsortium vereinbart, dem unter anderem die UniCredit, BNP Paribas, die Commerzbank und die Erste Group angehören. Das Paket umfasst zusätzliche Kreditlinien von bis zu 300 Millionen Euro. Die Wirksamkeit dieser Finanzierung ist jedoch an die erfolgreiche Durchführung der geplanten Kapitalerhöhung geknüpft. Über die Ermächtigung für diesen Schritt soll eine außerordentliche Hauptversammlung am 25. August entscheiden.
Neue Mittelfristziele und Marktreaktion
Das Management konkretisierte im Zuge der Ankündigungen seine neuen mittelfristigen Finanzziele. Angestrebt wird eine EBITDA-Marge zwischen 20 und 25 Prozent. Gleichzeitig soll die Verschuldung deutlich reduziert werden; das Ziel ist ein Verhältnis der Nettoverschuldung zum EBITDA von unter 2,5x.
Analysehäuser bewerten die strategische Entscheidung differenziert. Die Analysten von Deutsche Bank Research äußerten sich heute grundsätzlich positiv zur Neuausrichtung nach den zurückliegenden Verlustjahren. Sie wiesen jedoch darauf hin, dass die angekündigte Kapitalverwässerung die Börsenkurse kurzfristig belasten dürfte.
An der Börse verliert das Papier heute 7,17 Prozent an Wert und notiert bei 21,35 Euro. Damit liegt die Aktie aktuell 28,24 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom 19. Juni. Anleger richten ihren Blick nun auf den 5. August, wenn Lenzing den Halbjahresfinanzbericht für das laufende Geschäftsjahr vorlegen wird.
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