Lenzing Aktie: Die Verwässerungs-Angst!
Berenberg reduziert Kursziel und EBITDA-Ausblick für 2026; Lenzing plant eine Bezugsrechtsemission zur Stärkung der Eigenkapitalbasis.

Kurz zusammengefasst
- Berenberg stuft Lenzing auf Halten
- Kursziel sinkt auf 17 Euro
- EBITDA-Ausblick 2026: 55 Millionen Euro
- Bezugsrechtshandel ab 6. Oktober geplant
Mit einem Minus von 2,1 Prozent auf 14,02 Euro ging die Lenzing-Aktie am Freitag aus dem Handel. Medienberichten zufolge setzte eine Herabstufung durch das Analysehaus Berenberg den Faserhersteller unter Druck. Die Experten stuften die Papiere von „Kaufen“ auf „Halten“ herab und verwiesen auf die Verwässerung durch die bevorstehende Bezugsrechtsemission sowie auf Unsicherheiten bei der operativen Ertragsentwicklung.
Die Skepsis der Analysten trifft auf ein schwieriges Branchenumfeld. Berenberg begründete die Zurückhaltung unter anderem mit der schleppenden Weitergabe gestiegener Rohstoffpreise für Baumwolle und Viskose an die Kunden. Zudem belasten das Zinsumfeld und Unsicherheiten über die künftigen Marktkonsensschätzungen die Stimmung unter den Marktteilnehmern.
Berenberg kappt Kursziel und EBITDA-Prognose
Das Analysehaus passte seine Erwartungen nach unten an und senkte das Kursziel von 29,50 Euro auf 17,00 Euro. Zugleich reduzierten die Experten ihre EBITDA-Prognose für das Geschäftsjahr 2026 auf 55 Millionen Euro. Ausschlaggebend für die Neubewertung waren neben den verhaltenen operativen Margen vor allem die strukturellen Folgen der angekündigten Kapitalmaßnahme.
Lenzing strebt mit dem Sanierungskurs eine umfassende Neuaufstellung an. Das Unternehmen richtet seine Geschäftsbereiche im Rahmen der Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ neu aus. Ziel ist es, die industrielle Basis zu stärken und unprofitable Bereiche im klassischen Textilsegment zurückzuschneiden, während wachstumsstärkere Vliesstoffanwendungen ausgebaut werden sollen.
Kapitalerhöhung und verlängerte Kreditlinien
Parallel zur Neuausrichtung sichert das Management die Liquidität über mehrere Säulen ab. Neben zusätzlichen Kreditlinien von bis zu 300 Millionen Euro verständigte sich der Konzern auf eine Verlängerung bestehender Finanzierungen bis zum Jahr 2030. Den Kern bildet eine vollständig garantierte Barkapitalerhöhung mit Bezugsrechten, über die frisches Eigenkapital in ähnlicher Größenordnung zufließen soll.
Im Zuge der Transaktion sollen 34.756.362 neue Aktien zu einem Bezugspreis von 8,65 Euro je Stück ausgegeben werden. Großaktionäre signalisierten frühzeitig ihre Unterstützung: Die B&C-Gruppe und der brasilianische Partner Suzano sagten die anteilige Zeichnung von 18.159.291 neuen Anteilen fest zu.
Zeitplan für den Bezugsrechtshandel
Trotz dieser garantierten Abnahme reagieren freie Aktionäre verunsichert auf den rechnerischen Verwässerungseffekt. Das Management setzt darauf, dass die gestärkte Eigenkapitalbasis die notwendige Stabilität bringt, um den Konzernumbau ohne akuten Refinanzierungsdruck voranzutreiben.
Für Bestandsaktionäre stehen die relevanten Fristen fest. Der Bezugsrechtshandel an der Wiener Börse ist für den Zeitraum vom 6. bis einschließlich 14. Oktober 2026 anberaumt. Die Bezugsfrist für die neuen Anteile soll vom 6. bis einschließlich 20. Oktober 2026 laufen. Erst nach Abschluss dieser Fristen wird sich zeigen, wie die Investoren die Neuausrichtung langfristig bewerten.
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