Lenzing Aktie: Im Kerngeschäft bleibt wieder mehr hängen
In neun Monaten verbesserte Lenzing die bereinigte Marge, verbuchte jedoch 130,3 Millionen Euro Verlust nach Steuern.

Kurz zusammengefasst
- Neunmonatsumsatz um 2,3 Prozent gesunken
- Bereinigte Marge steigt auf 18,3 Prozent
- Verlust nach Steuern: 130,3 Millionen Euro
- Kapitalerhöhung über rund 300 Millionen Euro abgeschlossen
Lenzing verdient im Kerngeschäft wieder mehr pro Euro Umsatz, schreibt unter dem Strich aber tiefrote Zahlen. Die Neun-Monats-Bilanz zeigt zwei Gesichter eines Konzerns, der sich gerade selbst umbaut.
Operativ stabil, bilanziell belastet
Der Umsatz sank in den ersten neun Monaten 2026 um 2,3 Prozent auf 1,93 Milliarden Euro. Gründe sind geringere Absatzmengen, weil Lenzing Standardfasern gezielt zurückfährt, sowie niedrigere Zellstoffpreise. Das bereinigte EBITDA hielt sich mit 353 Millionen Euro auf Vorjahresniveau, die bereinigte Marge stieg auf 18,3 Prozent nach 17,9 Prozent.
Besonders auffällig ist das dritte Quartal. Die bereinigte Marge kletterte dort von 13,3 auf 17,3 Prozent.
Der Blick auf die ausgewiesenen Zahlen fällt weniger freundlich aus. Das EBITDA sank um 7 Prozent auf 316,4 Millionen Euro, belastet durch Restrukturierungskosten von 36,6 Millionen Euro.
Beim EBIT steht ein Minus von 55,1 Millionen Euro, weil nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen auf die Standorte Heiligenkreuz und Grimsby von 136,1 Millionen Euro anfielen. Nach Steuern verbleibt ein Verlust von 130,3 Millionen Euro. Bereinigt um Sondereffekte schreibt Lenzing dagegen einen Gewinn von 42,4 Millionen Euro.
Umbau und Finanzierung
Die im Juli beschlossene Strategie „Grow Nonwovens. Reset Textile“ setzt auf Vliesstoffe, Premiumfasern und Zellstoff. Aus margenschwachen Standardfasern zieht sich der Konzern zurück. Die Produktion in Heiligenkreuz soll bis Ende des ersten Quartals 2027 enden, in Grimsby bis Ende 2027. Der Verkaufsprozess für den indonesischen Standort läuft weiter.
Das Sparprogramm soll gegenüber 2025 weitere 120 Millionen Euro bringen, die volle Wirkung wird bis Ende 2027 erwartet. Rund 600 Stellen, überwiegend in der Verwaltung, fallen weg. Zum 30. September waren davon bereits mehr als 260 Vollzeitäquivalente rechtlich beendet.
Schwach bleibt der Cashflow. Der Free Cashflow fiel auf 24,7 Millionen Euro, nach 110,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Nettoverschuldung stieg auf 1,42 Milliarden Euro.
Die im Oktober abgeschlossene Kapitalerhöhung über rund 300 Millionen Euro verschafft Luft. Hinzu kommen Finanzierungsvereinbarungen in ähnlicher Höhe, von denen laut Unternehmen etwa die Hälfte bereits verbindlich steht. Die vollständige Umsetzung wird bis Jahresende 2026 erwartet.
Ausblick
Für 2026 peilt Lenzing ein bereinigtes EBITDA von 430 bis 460 Millionen Euro an, nach 425,6 Millionen Euro im Vorjahr. Mittelfristig soll die EBITDA-Marge auf 20 bis 25 Prozent steigen und der Verschuldungsgrad unter das 2,5-Fache sinken.
Der CEO kündigte an, bis Jahresende weitere wesentliche Weichen für Portfolio und Produktionsnetzwerk zu stellen. Die Aktie notierte zur Veröffentlichung bei 11,58 Euro, leicht im Minus.
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