Lenzing Aktie: neweFlex ersetzt Kunststoff in Windeln

Lenzing bringt mit Woolchemy ein biobasiertes Hygienematerial voran, doch fehlende Absatzziele und der schwache Aktienkurs belasten die Perspektive.

Redaktion Stock-World ·
Nahaufnahme von nachhaltigen Cellulosefasern als Symbol für umweltfreundliche Materialinnovation in der Industrie. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Wolle und Lyocell kombiniert
  • Weniger Feuchtigkeit als Polypropylen
  • Breitere Markteinführung bleibt offen
  • Aktie verliert 6,8 Prozent

Lenzing setzt auf eine neue Materialkombination im Hygienesegment: Gemeinsam mit dem neuseeländischen Unternehmen Woolchemy hat der österreichische Faserhersteller ein biobasiertes Material namens „neweFlex“ entwickelt, das Wolle und Lyocell-Fasern verbindet.

Die Innovation soll Kunststoff in Windeln und anderen Hygieneartikeln ersetzen. Ein Drittanbieter-Test attestiert dem Material eine um 10 Prozent niedrigere Luftfeuchtigkeit im Vergleich zu Polypropylen sowie eine Oberflächentrockenheit, die drei- bis vierzehnmal besser ausfällt als bei anderen biobasierten Alternativen.

Für die Skalierung der Produktion hatte Lenzing bereits im Mai ein Abkommen mit dem spanischen Unternehmen BC Nonwovens geschlossen. Der Konzern, der an seinem Hauptsitz jährlich rund 358.000 Tonnen Fasern produziert, positioniert sich mit dem Projekt in einem Marktsegment, das zunehmend auf plastikfreie Alternativen setzt.

Ob sich daraus kurzfristig relevante Umsätze ergeben, bleibt allerdings offen – konkrete Absatzziele oder Zeitpläne für eine breitere Markteinführung nennt das Unternehmen bislang nicht.

Kurs bleibt unter Druck

Die Nachricht ändert wenig am schwierigen Kursumfeld der Aktie. Das Papier notiert aktuell bei 22,05 Euro und verliert damit am heutigen Freitag 2,4 Prozent, nachdem es gestern noch bei 22,60 Euro geschlossen hatte.

Über die vergangenen 30 Tage steht ein Minus von 6,8 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn beläuft sich der Rückgang auf 5,2 Prozent. Damit bewegt sich der Kurs weiterhin deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 24,11 Euro, ein Zeichen dafür, dass der mittelfristige Trend nach unten zeigt.

Der Marktwert des Unternehmens liegt derzeit bei rund 884 Millionen Euro. Belastet wird die Aktie von mehreren strukturellen Themen, die den Anlegern seit Wochen bekannt sind: Die auf einer außerordentlichen Hauptversammlung Ende August beschlossene Kapitalerhöhung sorgt weiterhin für Verwässerungssorgen, während der geplante Rückbau der Faserproduktion – das Werk in Heiligenkreuz soll bis Jahresende schließen, jenes in Grimsby bis Ende 2027 – noch nicht vollständig umgesetzt ist und Investoren auf Zwischenergebnisse warten lässt.

Rohstoffumfeld liefert keine Entlastung

Auch die Rahmenbedingungen für Holzfasern als Rohstoffbasis bleiben angespannt. Der US-Holz-Terminmarkt fiel Ende August zeitweise auf ein Neunmonatstief von 555 US-Dollar je 1.000 Board Feet. Kanada kündigte als Reaktion auf US-Handelsmaßnahmen Vergeltungszölle von 25 Prozent auf US-Schnittholz und 50 Prozent auf Sperrholz an.

Der kanadische Sägewerksbetreiber Canfor schließt sein Werk in Fox Creek, Alberta, dauerhaft bis Ende September – seit 2023 haben in British Columbia bereits mehr als 20 Sägewerke dichtgemacht.

Für Lenzing als Abnehmer von Zellstoff aus der Holzverarbeitung ist ein schwächelnder Sägewerkssektor kein unmittelbares Kaufsignal, verdeutlicht aber die fragile Lage der vorgelagerten Wertschöpfungskette.

Anleger dürften die Innovationsmeldung rund um „neweFlex“ daher eher als langfristiges Diversifikationssignal werten denn als kurzfristigen Kurstreiber. Die Aktie bleibt in einem Umfeld gefangen, in dem strukturelle Unsicherheiten – Kapitalerhöhung, Werksschließungen, Rohstoffpreise – das Sentiment stärker prägen als einzelne Produktnachrichten.

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Lenzing Aktie

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