Leonardo Aktie: Roms riskantes Manöver

Der italienische Rüstungskonzern Leonardo verliert massiv an Wert, nachdem die Regierung als Hauptaktionär den Abgang des erfolgreichen Chefs Roberto Cingolani forciert. Anleger fürchten strategische Unsicherheit.

Andreas Sommer ·
Leonardo Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Aktienkurs bricht um bis zu 8,5 Prozent ein
  • Regierung als größter Aktionär drängt auf CEO-Wechsel
  • Unter Cingolani legte der Aktienkurs über 400 Prozent zu
  • Investoren warnen vor destabilisierender politischer Einmischung

Der italienische Rüstungskonzern Leonardo liefert seit Jahren Rekordzahlen. Nun greift der größte Aktionär massiv in die Führungsebene ein. Berichte über eine politisch motivierte Ablösung des erfolgreichen CEOs Roberto Cingolani haben die Anleger am Mittwoch auf dem falschen Fuß erwischt. Während die globalen Märkte aufatmeten, schickte die Unsicherheit über die künftige Strategie den Aktienkurs auf Talfahrt.

Gegen den Markttrend

Mit einem Minus von bis zu 8,5 Prozent koppelte sich das Papier im gestrigen Handel komplett vom positiven Gesamtmarkt ab. Eigentlich sorgte eine vorläufige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran weltweit für steigende Kurse. Bei Leonardo überwog stattdessen die Sorge vor einem strategischen Vakuum. Die italienische Regierung hält als Hauptaktionär 30,2 Prozent der Anteile und forciert offenbar den Abgang von Cingolani, der das Unternehmen erst seit Mai 2023 leitet.

Der Unmut der Investoren ist nachvollziehbar, wenn man auf die jüngste Geschäftsentwicklung blickt. Unter Cingolanis Führung legte der Aktienkurs seit 2023 um mehr als 400 Prozent zu. Auch die operativen Zahlen für das Jahr 2025 untermauern diesen Wachstumskurs mit einem Gesamtumsatz von 19,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 28 Prozent gegenüber 2023.

Die Erlöse verteilen sich dabei auf folgende Kernbereiche:
* Hubschrauber: 59,8 %
* Verteidigungssysteme: 38,9 %
* Luftfahrt: 21,7 %
* Raumfahrt: 5,1 %
* Cybersicherheit: 3,5 %

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Zudem weist das Unternehmen eine ausbalancierte internationale Präsenz auf. Italien und die USA steuern jeweils rund 23 Prozent zum Umsatz bei, gefolgt vom restlichen Europa und Großbritannien.

Warnung vor politischer Einmischung

Die drohende politische Intervention ruft bereits prominente Kritiker auf den Plan. Der aktivistische Investor Guy Wyser-Pratte warnte davor, dass ein solcher Schritt die starke Marktposition des Konzerns destabilisieren könnte. Hinter den Kulissen kursieren derweil erste Namen für die Nachfolge. Dem Vernehmen nach stehen Führungskräfte von Rheinmetall Italia und MBDA auf der Liste, um die Leitung der über 62.000 Mitarbeiter zu übernehmen.

Die anstehende Hauptversammlung rückt damit in den Fokus. Dort formieren sich die Aktionäre voraussichtlich für eine koordinierte Antwort, um die lukrative Ausrichtung auf margenstarke Verteidigungs- und Hubschraubersysteme gegen politische Eingriffe abzusichern.

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Leonardo Aktie

53,10 EUR

+ 1,11 EUR +2,14 %
KGV 23,46
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,23 %
Marktkapitalisierung 30,19 Mrd. EUR
ISIN: IT0003856405 WKN: A0ETQX

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