Lieferverzug bei Rheinmetall, Übernahmefieber bei Kraken Robotics
Rheinmetall wehrt sich gegen Verzögerungsvorwürfe, Kraken Robotics integriert Milliardenübernahme, während AeroVironment und Kratos mit neuen Deals wachsen.

Kurz zusammengefasst
- Rheinmetall bestreitet Lieferverzug
- Kraken schließt Covelya-Übernahme ab
- DroneShield senkt Umsatzprognose deutlich
- Kratos erhält erste Orbit-Aufträge
Zwischen kritischen Prüfberichten und neuen Milliardenaufträgen zeigt sich die Rüstungsbranche diese Woche von ihrer widersprüchlichen Seite. Während Rheinmetall sich gegen Vorwürfe verspäteter Lieferungen wehren muss, feiern AeroVironment und Kratos Defense neue Partnerschaften und Aufträge. Kraken Robotics verdaut derweil einen milliardenschweren Zukauf, DroneShield kämpft mit Short-Sellern und einer enttäuschenden Umsatzprognose.
Rheinmetall: Kritik von Bundeswehr und Beschaffungsamt belastet
Der DAX-Rüstungskonzern steht wegen interner Papiere von Bundeswehr und Beschaffungsamt BAAINBw im Fokus. Beim Flugabwehrsystem Skyranger 30 und beim Radpanzerprogramm Schwerer Waffenträger Infanterie soll sich die Lieferung deutlich gegenüber der ursprünglichen Planung verzögert haben. Das Beschaffungsamt geht davon aus, dass die unter Vertrag genommenen Skyranger-30-Systeme erst ab Mitte 2027 ausgeliefert werden, ursprünglich war Mitte 2026 avisiert.
Rheinmetall widerspricht dieser Darstellung. Im vergangenen Jahr sei bereits ein erstes Serienfahrzeug übergeben worden, bis Jahresende sollen weitere 24 folgen. Einen vertraglichen Verzug von elf Monaten will der Konzern nicht bestätigen.
Die Aktie reagierte auf die Berichte verhalten. Am Freitag notierte das Papier via XETRA bei 1.155,40 Euro, ein Minus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 4,1 Prozent zu Buche, auf Sicht von 30 Tagen dagegen ein Plus von 14 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie mit 26 Prozent im Minus und damit rund 42 Prozent unter ihrem Rekordhoch von gut 2.000 Euro aus dem Oktober vergangenen Jahres.
Das Analystenbild bleibt trotz der Kritik überwiegend positiv. Von 14 erfassten Analysten empfehlen zwölf den Kauf, nur zwei stufen neutral ein, ein Verkaufsvotum fehlt komplett. RBC Capital und Jefferies bekräftigten zuletzt jeweils ihre Kaufempfehlung mit Kurszielen von 1.600 beziehungsweise 1.350 Euro.
Auf der Positivseite steht ein neuer Zukunftsauftrag: Anfang Juli unterzeichnete das Beschaffungsamt einen Vertrag mit der Arbeitsgemeinschaft aus MBDA Deutschland und Rheinmetall Waffe Munition zur Entwicklung eines Hochenergie-Laserwaffensystems für die Marine, wofür beide Firmen ein Joint Venture gründen. Der Vertragswert bewegt sich im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Beim Auftragsbestand bleibt der Trend ohnehin intakt – Ende Juni erreichte er mit rund 80,5 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert.
DroneShield: Enttäuschte Prognose trifft auf Short-Attacken
Die australische Anti-Drohnen-Spezialistin bleibt der volatilste Titel im Sektor. Die Aktie notierte zuletzt bei 1,14 Euro, ein Tagesminus von 3,8 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich der Rückgang auf 5,9 Prozent, binnen 30 Tagen auf 16 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 37 Prozent zu Buche, der RSI von 38,3 signalisiert eine bereits überverkaufte Situation.
Operativ läuft es dagegen weiter rund. DroneShield baut seinen globalen Produktionsfußabdruck aus, unter anderem mit neuen Fertigungsstätten in Europa, und peilt bis Ende des Jahres eine kombinierte jährliche Produktionskapazität von rund 2,4 Milliarden Dollar an. Der laufende Produktzyklus gilt intern als der bedeutendste in der Firmengeschichte, weitere Markteinführungen sind bis 2027 geplant. Auf der Governance-Seite wurde das Board mit der Berufung des pensionierten Rear Admiral Lee Goddard zum unabhängigen Direktor gestärkt.
Belastend wirkt vor allem die jüngste Prognose: Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 250 und 270 Millionen Dollar – ein Wachstum von 15 bis 25 Prozent, deutlich unter dem zuvor erwarteten Konsens von rund 323 Millionen Dollar. Hinzu kommt Druck von Leerverkäufern: DroneShield zählt derzeit zu den am stärksten leerverkauften Titeln am australischen Markt, mit einem Short-Interest von 15,7 Prozent.
Auch eine laufende Untersuchung der australischen Börsenaufsicht zu Mitteilungen und Handelsaktivitäten rund um den vergangenen November bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Analysten sind entsprechend gespalten: Zwei von vier Broker-Einschätzungen lauten auf Strong Buy, zwei auf Sell oder Strong Sell.
AeroVironment: Griechenland-Joint-Venture als Wachstumssignal
AeroVironment treibt seine europäische Expansion voran. Über das neu gegründete Joint Venture AV Eagle mit der in Athen ansässigen Eyeonix SA baut der Drohnenspezialist eine industrielle Präsenz in Griechenland auf, nachdem die Gesellschaftervereinbarung final unterzeichnet und die Genehmigung für ausländische Direktinvestitionen erteilt wurde. Geplant ist eine Fertigungsstätte für unbemannte Luftfahrtsysteme, Loitering-Munition und Counter-UAS-Technik, die 2028 einsatzbereit sein soll. AeroVironment hält die Mehrheit an dem Gemeinschaftsunternehmen.
Die Aktie reagierte moderat positiv und notierte am Freitag bei 139,90 Euro, ein Plus von 2,2 Prozent. Auf Wochensicht bleibt trotzdem ein Rückgang von 16 Prozent stehen, seit Jahresbeginn liegt das Papier 34 Prozent im Minus.
Fundamental steht der Konzern auf breiterer Basis als je zuvor. Der Umsatz kletterte zuletzt auf einen Rekordwert von 1,97 Milliarden Dollar, ein Plus von mehr als 140 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben von der Integration der BlueHalo-Übernahme und der steigenden Nachfrage nach unbemannten Systemen. Im jüngsten Quartal übertraf das Unternehmen die Erwartungen mit einem Umsatzplus von 133,3 Prozent klar. Clear Street bekräftigte zuletzt seine Kaufempfehlung.
Zugleich hängt über dem Unternehmen eine juristische Wolke: Ein Anwaltskonsortium kündigte diese Woche eine Untersuchung des Vorstands im Zusammenhang mit einer bereits laufenden Sammelklage an. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 8,1 Milliarden Dollar, das Kurs-Gewinn-Verhältnis fällt wegen eines GAAP-Nettoverlusts negativ aus.
Kraken Robotics: Konsolidierung nach dem Covelya-Meilenstein
Nach dem im Juli abgeschlossenen Zukauf von Covelya im Wert von 615 Millionen Dollar durchläuft die kanadische Unterwassertechnik-Firma eine Konsolidierungsphase. Die Aktie notierte zuletzt bei 3,67 Euro, ein leichtes Plus von 0,7 Prozent. Auf Wochensicht bleibt ein Minus von 5,8 Prozent, seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 8,0 Prozent im Minus – auf Zwölfmonatssicht dagegen mit einem Plus von 69 Prozent klar im grünen Bereich.
Fundamental bleibt der Konzern auf Wachstumskurs. Nach Abschluss der Übernahme hob das Management die Prognose für das laufende Jahr auf einen Umsatz zwischen 290 und 320 Millionen Dollar sowie ein bereinigtes EBITDA von 65 bis 75 Millionen Dollar an. Die kombinierte Einheit beschäftigt inzwischen rund 1.200 Mitarbeiter und hält ein Patentportfolio von über 110 Schutzrechten.
Das Analystenbild bleibt überwiegend konstruktiv, wenn auch nicht einhellig. Während ATB Cormark Capital Markets an einem Sell-Rating festhält, bekräftigten sowohl Scotiabank als auch Canaccord Genuity zuletzt ihre Kaufempfehlung. Der Analystenkonsens sieht weiterhin deutliches Aufwärtspotenzial. Richtungsweisend dürfte der für Ende August terminierte Quartalsbericht werden, der erste Aufschlüsse über den Fortschritt der Integration liefern soll.
Kratos Defense: Orbit-Übernahme zahlt sich mit ersten Aufträgen aus
Kratos Defense hat einen sichtbaren Beleg dafür geliefert, dass sich die im Frühjahr abgeschlossene Übernahme von Orbit Communication Systems operativ auszahlt. Die israelische Tochter erhielt mehrere Millionen-Dollar-Aufträge für ihre GAIA-100-Tri-Band-Antennensysteme von internationalen Kunden. Es ist der erste offengelegte Auftragserfolg für Orbit, seit Kratos die Übernahme für rund 352,7 Millionen Dollar in bar abgeschlossen hatte.
Die Aktie legte am Freitag um 2,5 Prozent auf 49,74 Euro zu und liegt damit rund 19 Prozent über ihrem Niveau von vor 30 Tagen. Auf Wochensicht bleibt allerdings ein Rückgang von 11 Prozent bestehen, ausgelöst durch eine breitere Korrektur bei Drohnen-Titeln.
Das jüngste Quartal profitierte bereits deutlich von der Integration: Der Umsatz stieg um 30,5 Prozent auf 458,8 Millionen Dollar, das Segment Government Solutions wuchs sogar um 36,4 Prozent. Für das dritte Quartal rechnet das Management mit einem Umsatz zwischen 460 und 480 Millionen Dollar und will bei dieser Gelegenheit eine erste Prognose für 2027 vorlegen. Belastend wirkt der starke israelische Schekel, der die Profitabilität des dortigen Geschäfts mit mittlerweile über 700 Mitarbeitern schmälert.
Auf der Analystenseite überwiegt Optimismus. Von 18 Analysten empfehlen 39 Prozent Strong Buy und weitere 50 Prozent Buy, eine Verkaufsempfehlung fehlt vollständig. Piper Sandler stufte die Aktie zuletzt von Neutral auf Overweight hoch und verwies auf eine verbesserte kurzfristige Zuversicht, bei unverändertem Kursziel von 75 Dollar.
Sektordynamik im Überblick
Die fünf Titel spiegeln unterschiedliche Facetten des aktuellen Rüstungszyklus wider:
- Rheinmetall und Kratos zeigen, dass selbst etablierte Auftragsriesen mit Lieferverzögerungen kämpfen, während neue Geschäftsfelder – Laserwaffen hier, Satelliten-Bodenstationen dort – zusätzliches Wachstum eröffnen
- DroneShield und AeroVironment demonstrieren, wie stark Governance- und Rechtsrisiken selbst operativ starke Unternehmen belasten können
- Kraken Robotics steht exemplarisch für die Konsolidierungswelle, bei der kleinere Spezialisten durch Zukäufe zu global aufgestellten Anbietern werden
- Europäische und transatlantische Rüstungsindustrie rücken zusehends zusammen – sowohl Rheinmetall mit dem Marinelaser-Joint-Venture als auch AeroVironment mit der Griechenland-Partnerschaft setzen auf lokale Fertigung, um von steigenden NATO- und EU-Budgets zu profitieren
Auffällig bleibt sektorweit die Diskrepanz zwischen prall gefüllten Auftragsbüchern und der Geschwindigkeit, mit der Bestellungen tatsächlich in Umsatz umgewandelt werden. Genau an dieser Frage entscheidet sich derzeit, welche Titel an der Börse belohnt und welche abgestraft werden.
Rüstungsbranche zwischen Auftragsflut und Umsetzungsdruck
Für Rheinmetall dürfte entscheidend sein, ob der Konzern die Kritik von Bundeswehr und Beschaffungsamt in den kommenden Wochen ausräumt – ein Thema, das auch die Anfang November anstehenden Quartalszahlen prägen wird. Bei DroneShield bleibt der Fortgang der Untersuchung durch die Börsenaufsicht ein zentraler Belastungsfaktor, während das Auftragswachstum in Europa und den USA nach der jüngsten Prognoseenttäuschung genau beobachtet werden dürfte.
AeroVironment muss sein ambitioniertes Umsatzziel für Ende des Jahrzehnts mit der laufenden Rechtsunsicherheit in Einklang bringen. Kraken Robotics wird mit den nächsten Quartalszahlen zeigen müssen, wie gut die Integration von Covelya operativ vorankommt. Kratos Defense schließlich steht vor der Aufgabe, den positiven Auftragstrend aus der Orbit-Akquisition fortzusetzen – während drohende US-Zölle auf Drohnenkomponenten die gesamte Branche im Blick behalten dürfte.
Rheinmetall-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rheinmetall-Analyse vom 21. August liefert die Antwort:
Die neusten Rheinmetall-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rheinmetall-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 21. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Rheinmetall: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...