LPKF Laser Aktie: Kurssprung auf 27,30 Euro
Trotz roter Zahlen im ersten Quartal treibt die Hoffnung auf die LIDE-Technologie den Aktienkurs von LPKF Laser auf ein Jahreshoch.

Kurz zusammengefasst
- Aktienkurs steigt auf über 27 Euro
- Umsatzrückgang im ersten Quartal
- Auftragseingang übersteigt Umsatz deutlich
- LIDE-Technologie als Kurstreiber
Schwache Quartalszahlen, explodierender Aktienkurs – bei LPKF Laser klaffen Geschäft und Bewertung weit auseinander. Am Montag übersprang die Aktie die Marke von 25 Euro und notierte zuletzt bei 27,30 Euro, ein Tagesplus von gut zehn Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs damit mehr als vervierfacht.
Den Antrieb liefert nicht das operative Geschäft, sondern die Erwartungshaltung. Im Zentrum steht die patentierte LIDE-Technologie – ein Verfahren zur hochpräzisen Bearbeitung von Glassubstraten, das in der Halbleiterindustrie als Schlüssel für künftige Chip-Generationen gilt. Anleger wetten darauf, dass aus den derzeitigen Test- und Forschungsprojekten bald Serienaufträge werden.
Zahlen und Auftragseingang klaffen auseinander
Die Fundamentaldaten geben für den Höhenflug bislang wenig her. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz auf 17,1 Millionen Euro, nach 25,3 Millionen im Vorjahr. Das operative Ergebnis fiel mit minus 6,9 Millionen Euro tiefrot aus. Der Solarbereich, einst zweites Standbein, leidet weiter unter Wettbewerbsdruck aus China und makroökonomischen Gegenwinden.
Parallel dazu stimmt ein Indikator optimistisch: Der Auftragseingang lag mit 24,1 Millionen Euro deutlich über dem Umsatz. Die Book-to-Bill-Ratio von 1,4 gilt in der Branche als verlässlicher Frühindikator. Besonders die Segmente Development und Electronics legten zu. Die Nachfrage übersteigt aktuell die Auslieferungskapazität – ein ungewöhnliches Signal für ein Unternehmen, das operativ Verluste schreibt.
LIDE als strategische Wette auf die Chipindustrie
Die Technologie, auf die der Markt setzt, ist kein Laborprodukt mehr. LPKF Laser erweitert das Portfolio gezielt um Lösungen für glasbasierte Gehäuse und laserbasiertes Bonden von Multilayer-Stapeln. Künstliche Intelligenz und leistungshungrige Rechenzentren treiben die Nachfrage nach kompakteren Chip-Packages – genau hier greift LIDE.
Ein Ende der Testphase bei den Kunden wäre der entscheidende Wendepunkt. Sollten sich die laufenden Gespräche mit Halbleiterherstellern in Serienbestellungen materialisieren, würde dies die industrielle Bedeutung des Verfahrens untermauern. Die aktuelle Bewertung lebt von genau dieser Hoffnung.
Management setzt eigene Zeichen
Das Transformationsprogramm „North Star“ soll die Profitabilität nachhaltig sichern. Die Produktion von Schweiß- und Solarsystemen wird am Standort Suhl konsolidiert, die Strukturen werden gestrafft. Die damit verbundenen Restrukturierungskosten werden im laufenden Jahr mit drei bis vier Prozent vom Umsatz zu Buche schlagen. Das Ziel einer zweistelligen EBIT-Marge bis 2028 hält der Vorstand dennoch aufrecht.
Für Vertrauen sorgt auch ein Insiderkauf von Vorstandschef Dr. Klaus Fiedler. Zudem soll der Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung im Juni Verstärkung aus der Halbleiterbranche erhalten: Dr. Arne Schneider, CEO von Elmos Semiconductor, ist als Kandidat vorgesehen.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Vorstand einen Umsatz zwischen 105 und 120 Millionen Euro. Die bereinigte EBIT-Marge soll zwischen minus drei und plus 4,5 Prozent liegen. Potenzielle Großaufträge aus dem Advanced Semiconductor Packaging sind in dieser Prognose nicht enthalten – der erhoffte Durchbruch hängt von den Qualifizierungsschritten der Endkunden ab.
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