Lufthansa Aktie: Altlast vor Gericht
Elf Jahre nach dem Germanwings-Absturz prüft das Landgericht Braunschweig Schadenersatzforderungen von 30 Hinterbliebenen.

Kurz zusammengefasst
- Prozessauftakt am 28. August in Braunschweig
- 30 Kläger fordern bis zu 110.000 Euro
- Gericht hält Staatshaftung für unwahrscheinlich
- Aktie reagiert mit leichten Kursverlusten
Elf Jahre nach dem Absturz von Germanwings-Flug 4U9525 kommt der Fall erneut vor Gericht. Am 28. August verhandelt das Landgericht Braunschweig über Schadenersatzforderungen von Hinterbliebenen — ein Termin, der bei Lufthansa alte Wunden aufreißt, obwohl das operative Geschäft heute ein anderes ist.
30 Klägerinnen und Kläger fordern bis zu 110.000 Euro Entschädigung. Sie werfen der Bundesrepublik vor, die Flugtauglichkeit des Copiloten nicht ausreichend überwacht zu haben — jenem Piloten, der die Maschine 2015 absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz brachte. 144 Passagiere und sechs Crewmitglieder starben.
Das Gericht selbst dämpft die Erwartungen der Kläger schon vor Prozessbeginn. Nach erster Einschätzung hält es eine Staatshaftung für unwahrscheinlich und verweist stattdessen auf mögliche Ansprüche gegenüber der Fluggesellschaft. Germanwings existiert als Flugbetrieb seit der Pandemie nicht mehr, wird aber als Rechtsgesellschaft innerhalb des Lufthansa-Konzerns weiter abgewickelt.
An der Börse blieb die Reaktion überschaubar. Die Aktie gab zeitweise leicht nach und rutschte unter die Marke von neun Euro — für ein Papier, das ohnehin im Sog schwächerer Reisebranchen-Stimmung steht, kein ungewöhnlicher Ausschlag.
Ita Airways lockert Regeln für Hunde
Während der Konzern juristisch mit der Vergangenheit befasst ist, feilt die italienische Tochter Ita Airways am Kundenerlebnis der Zukunft. Ab kommendem Montag dürfen Hunde bis 30 Kilogramm ohne Transportbox in der Kabine mitfliegen, zunächst auf ausgewählten Inlandsstrecken. Der Zusatzservice ist kostenpflichtig und muss mindestens vier Tage vor Abflug gebucht werden. Lufthansa hält an der einstigen Alitalia derzeit 41 Prozent und strebt langfristig die Mehrheit an.
Der Prozessauftakt am 28. August dürfte in den kommenden Wochen erneut Aufmerksamkeit auf den Konzern lenken — weniger wegen finanzieller Risiken, die das Gericht selbst als gering einstuft, sondern wegen der symbolischen Aufarbeitung eines der schwersten Kapitel der Firmengeschichte.
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