Lufthansa Aktie: Edi Wolfensberger übernimmt Edelweiss
Lufthansa treibt internationale Expansion voran, während die Pilotengewerkschaft neue Streiks plant. Zudem gibt es personelle Veränderungen in der Führungsebene.

Kurz zusammengefasst
- Gebot für TAP-Anteile abgegeben
- ITA-Übernahme schreitet planmäßig voran
- Neue Streiks nach gescheiterter Schlichtung
- Führungswechsel bei Tochtergesellschaften
Am heutigen Sonntag zeigt sich bei der Lufthansa ein kontrastreiches Bild zwischen globaler Expansion und internen Konflikten. Während der Konzern mit einem Gebot für eine Minderheitsbeteiligung an der staatlichen Fluggesellschaft TAP Air Portugal seine strategische Präsenz im Südatlantik-Geschäft festigen will, verschärft sich an der Heimatfront die Auseinandersetzung mit dem fliegenden Personal. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) bereitet nach einer gescheiterten Schlichtung neue Arbeitskämpfe vor.
Expansion im Südatlantik und Portugal-Engagement
Medienberichten zufolge hat die Lufthansa ein offizielles Angebot für den Einstieg bei TAP Air Portugal abgegeben. Ziel ist es, Lissabon als zentrales Drehkreuz für Routen in den Südatlantik zu nutzen. Dieser Schritt folgt der Strategie, durch gezielte Akquisitionen in Europa Marktanteile zu sichern. Bereits im Mai 2026 übte der Konzern eine Option auf weitere 49 Prozent der Anteile an der italienischen ITA Airways aus, nachdem zuvor bereits 41 Prozent für 325 Millionen Euro erworben worden waren. Der vollständige Abschluss dieser Übernahme wird für das erste Quartal 2027 erwartet, wobei die verbleibenden zehn Prozent bis zum Jahr 2028 übernommen werden sollen.
Parallel zur Airline-Beteiligung weitet die Lufthansa ihre industrielle Basis in Portugal aus. Der Wartungsarm Lufthansa Technik plant den Bau einer neuen Anlage in Santa Maria da Feira. Auf einer Fläche von rund 55.000 Quadratmetern sollen bis zum Jahr 2030 etwa 700 Arbeitsplätze entstehen, um die Kapazitäten in der Flugzeugwartung deutlich zu erhöhen.
Zuspitzung im Tarifstreit und operative Kürzungen
Trotz der Wachstumspläne drohen im Kerngeschäft operative Turbulenzen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) rief am Samstag zu weiteren Streiks auf, nachdem eine Schlichtung ohne Ergebnis geblieben war. Im Kern des Streits stehen Forderungen nach einer verbesserten betrieblichen Altersvorsorge. Zudem gibt es Unstimmigkeiten über den Umgang mit Dienst-Mails. Die Gewerkschaft wirft dem Management mangelnde Kompromissbereitschaft und die Ablehnung vorgelegter Angebote vor. Die Lufthansa hat angekündigt, das Gespräch mit der Arbeitnehmerseite erneut suchen zu wollen, um weitreichende Flugausfälle zu vermeiden.
Zusätzlich zu den drohenden Streiks passt der Konzern sein Streckennetz an. Aktuellen Berichten zufolge kürzt die Lufthansa die Frequenz ihrer Verbindungen nach New York. Die genauen Hintergründe für diese Maßnahme, ob sie auf Kostendruck oder Flottenprobleme zurückzuführen ist, bleiben derzeit unklar. Im operativen Alltag greifen zudem strengere Sicherheitsvorgaben: Seit Beginn des Jahres 2026 gilt ein generelles Verbot für Powerbanks im aufgegebenen Gepäck der Lufthansa Group; maximal zwei Geräte bis 100 Wh sind nur noch im Handgepäck zulässig.
Personelle Neuausrichtung der Tochtergesellschaften
Um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Billigfliegern zu stärken, hat der Konzern zudem eine umfassende Umstrukturierung der Führungsebene eingeleitet. Zum 1. Oktober 2026 übernimmt Edi Wolfensberger, bisheriger COO von Eurowings, den Chefposten bei der Schweizer Tochter Edelweiss. Er tritt die Nachfolge von Bernd Bauer an, der das Unternehmen nach über drei Jahrzehnten verlässt.
Gleichzeitig wird Matthias Spohr neuer COO bei Eurowings, während Michael Kircher zum 1. November 2026 den Posten des CEO bei Lufthansa City Airlines übernimmt. Kircher wird zudem Co-Geschäftsführer der Lufthansa Aviation GmbH. Mit dieser personellen Rochade verfolgt der Konzern das Ziel, die Effizienz in den verschiedenen Segmenten der Post-Pandemie-Phase zu erhöhen.
Die Aktie der Lufthansa beendete den Handel am Freitag bei 9,00 Euro. Damit weist das Papier seit Jahresbeginn ein Plus von 7,07 Prozent auf, notiert jedoch mit einem Abstand von -12,37 Prozent noch deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch. In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob die strategischen Expansionsmeldungen die Sorgen vor erneuten Streikkosten am Markt überwiegen können.
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