100 Jahre Lufthansa – und ausgerechnet zum Jubiläum prallen Symbolik und Realität aufeinander. Während das Management mit Expansionsplänen die nächsten Wachstumsschritte ausruft, zwingen geopolitische Spannungen in Südamerika den Konzern zu kurzfristigen Umwegen. Wie stabil ist die aktuelle Zuversicht, wenn zusätzliche Kosten und Wettbewerbsdruck gleichzeitig zunehmen?
Historisches Jubiläum und Wachstumsagenda
Heute jährt sich die Gründung der ursprünglichen „Deutsche Luft Hansa AG“ zum 100. Mal. Das Management nutzt diesen Punkt nicht nur für Rückblicke, sondern vor allem für den Blick nach vorn. Unter dem Motto „We are the Journey“ stellt CEO Carsten Spohr klar: Die Gruppe will 2026 weiter wachsen, insbesondere auf der Langstrecke.
Konkret ist eine Kapazitätsausweitung von rund 6 Prozent auf den profitablen Fernstrecken geplant. Das signalisiert Vertrauen in die Nachfrageentwicklung nach der Erholung des Luftverkehrs und soll die Ertragsbasis verbreitern. Nach einem starken Jahr 2025 bewegt sich die Aktie in einem etablierten Aufwärtstrend, was die Börse bislang als Bestätigung dieser Strategie interpretiert.
Unterstützung kommt von der Analystenseite: Kepler Cheuvreux hat die Einstufung zuletzt auf „Buy“ angehoben. Gleichzeitig liegen die durchschnittlichen Kursziele der Experten im Bereich von 7,60 bis 8,00 Euro – also leicht unter dem aktuellen Kursniveau. Das spricht für eine grundsätzlich positive, aber nicht überbordende Erwartungshaltung.
Wesentliche Punkte im Überblick:
- 100-jähriges Jubiläum als Bühne für neue Wachstumsziele
- Geplante Kapazitätsausweitung von ca. 6 % auf der Langstrecke 2026
- Technisch intakter Aufwärtstrend nach deutlicher Erholung seit 2025
- Analystenkursziele im Bereich von 7,60–8,00 Euro deuten begrenzte Zusatzfantasie an
Charttechnisch spiegelt sich die Erholung klar wider: Gestern schloss die Aktie bei 8,66 Euro. Damit liegt sie rund 46 Prozent über dem 52‑Wochen‑Tief von 5,60 Euro, aber noch gut 15 Prozent unter dem Hoch bei 10,20 Euro. Der Kurs notiert zudem spürbar über den gleitenden 50-, 100- und 200‑Tage-Durchschnitten, was den bestehenden Aufwärtstrend untermauert.
Geopolitik: Umwege über Südamerika
Auf der operativen Seite zeigt sich jedoch, wie schnell äußere Faktoren die Planung beeinflussen können. Nach Berichten über einen US-Militärschlag in Venezuela hat Lufthansa als Vorsichtsmaßnahme beschlossen, den venezolanischen Luftraum vorerst zu meiden.
Die Folgen für den Flugbetrieb sind klar umrissen:
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Lufthansa?
- Routenanpassungen bei Südamerika-Verbindungen, insbesondere nach Bogotá
- Verlängerte Flugzeit um rund 30 Minuten auf etwa 12 Stunden
- Direkt höhere Treibstoffkosten und damit Druck auf die Marge dieser Strecken
In der Summe dürfte die finanzielle Belastung für den Gesamtkonzern aktuell überschaubar bleiben. Trotzdem werten Marktteilnehmer die Situation als Erinnerung daran, wie anfällig internationale Fluggesellschaften für geopolitische Entwicklungen sind. Zusätzliche Risikoprämien oder weitere Ausweichrouten könnten die Kostenbasis im Jahresverlauf weiter beeinflussen.
Der Relative-Stärke-Index (RSI) von 45,2 signalisiert dabei weder Überhitzung noch kurzfristige Panik – die Aktie bewegt sich aktuell eher im neutralen Bereich. Die hohe annualisierte 30‑Tage-Volatilität von gut 81 Prozent zeigt jedoch, dass schnelle Stimmungsumschwünge nicht ausgeschlossen sind.
Übernahmefantasie: TAP als strategischer Baustein
Parallel zur Tagespolitik läuft ein strukturelles Thema, das für die mittelfristige Positionierung entscheidend sein könnte: die mögliche Beteiligung an der geplanten Privatisierung von TAP Air Portugal. Die portugiesische Regierung hat den Verkaufsprozess für die Staatsairline vorangetrieben und Lufthansa – neben Air France-KLM und IAG – zur Abgabe unverbindlicher Angebote eingeladen.
Ein Zuschlag hätte vor allem eine strategische Dimension. TAP verfügt über ein starkes Streckennetz nach Südamerika, insbesondere nach Brasilien. Für Lufthansa wäre dies eine Ergänzung des eigenen Langstreckenportfolios – und das ausgerechnet in jener Region, die momentan durch den Konflikt um Venezuela zusätzliche Komplexität mit sich bringt.
Kurzfristig würde eine Übernahme die Bilanzstruktur belasten, etwa durch Kaufpreis, Integrationskosten und potenzielle Restrukturierungen. Mittel- bis langfristig könnte ein erfolgreicher Deal jedoch die Marktposition im transatlantischen Verkehr stärken und zusätzliche Ertragspotenziale eröffnen. Wie groß dieser Hebel tatsächlich wäre, hängt von Kaufkonditionen, regulatorischen Auflagen und der Integrationstiefe ab.
Fazit: Solider Trend, sensible Rahmenbedingungen
Zum 100. Geburtstag präsentiert sich die Lufthansa Aktie in einer deutlich besseren Verfassung als noch vor einem Jahr. Der Abstand von mehr als 50 Prozent zum 52‑Wochen‑Tief signalisiert eine klare Trendwende, während der Kurs mit 8,66 Euro spürbar über den wichtigen Durchschnittslinien verläuft.
Gleichzeitig zeigt die Konstellation aus geopolitischen Umwegen in Südamerika und der möglichen Beteiligung an TAP, wie eng operative Risiken und strategische Chancen derzeit verknüpft sind. Für das Jahr 2026 wird entscheidend sein, ob das Unternehmen die geplante Kapazitätsausweitung und eventuelle Akquisitionen so umsetzt, dass die angepeilten Margenziele trotz höherer Kosten und politischer Unsicherheiten erreichbar bleiben.
Lufthansa-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Lufthansa-Analyse vom 7. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Lufthansa-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Lufthansa-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 7. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Lufthansa: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
