Lufthansa Aktie: Kerosin-Sorgen in Frankfurt?
JPMorgan senkt das Lufthansa-Kursziel wegen hoher Treibstoffkosten; die Airline bereitet sich in Frankfurt auf mögliche Lieferengpässe vor.
Kurz zusammengefasst
- Zusätzlicher Treibstoff auf ausgewählten Flügen
- Lufthansa erwartet keine Flugstreichungen
- Fraport rechnet mit keinem Versorgungsengpass
- JPMorgan senkt Kursziel auf sieben Euro
Lufthansa reagiert auf mögliche Einschränkungen der Kerosinversorgung in Frankfurt mit zusätzlichem Treibstoff auf ausgewählten ankommenden Flügen. Flugstreichungen erwartet das Unternehmen derzeit nicht. Damit geht es zunächst um eine betriebliche Vorsichtsmaßnahme, nicht um eine angekündigte Kürzung des Flugplans. Für Anleger kommt die Versorgungsfrage allerdings zu den bereits hohen Treibstoffkosten hinzu.
Zusätzliches Tanken vor dem Abflug
Beim sogenannten Tankering nehmen Flugzeuge bereits vor dem Abflug nach Frankfurt zusätzliches Kerosin auf. Das senkt den Bedarf am Zielort und schont dort die Reserven. Lufthansa nennt eine reduzierte Pipeline-Kapazität als Ursache für die möglichen Einschränkungen.
Laut Bild betrifft das Vorgehen vor allem Kurz- und Mittelstreckenflüge, zunehmend aber auch Langstrecken. Die Maßnahmen gelten bis auf Weiteres und werden an die Versorgungslage angepasst. Passagier- und Frachtkapazitäten sollen dabei erhalten bleiben.
Als weiterer möglicher Belastungsfaktor gilt laut Bild der niedrige Rheinpegel. Er könnte die Versorgung per Tankschiff erschweren, weil die Schiffe nur eingeschränkt beladen fahren können. Entscheidend ist die Einschränkung: Daraus folgt bislang weder ein bestätigter flächendeckender Kerosinmangel noch eine angekündigte Beeinträchtigung des gesamten Flugbetriebs.
Fraport erwartet keinen Engpass
Der Flughafenbetreiber Fraport verweist auf turnusgemäße Wartungsarbeiten an der Pipeline. Einen Versorgungsengpass erwartet das Unternehmen dadurch nicht. Andere Lieferwege und große Tankspeicher stünden zur Verfügung; die Betriebsfähigkeit des Flughafens sei nicht beeinträchtigt.
Die Aussagen setzen unterschiedliche Schwerpunkte: Lufthansa bereitet sich auf mögliche Einschränkungen vor, während Fraport die Versorgung insgesamt als abgesichert betrachtet. Die zusätzliche Betankung ist deshalb nicht mit einem bereits eingetretenen Ausfall der Flughafenversorgung gleichzusetzen.
Für die Bewertung der Lufthansa bleibt diese Unterscheidung wesentlich. Die Airline versucht, ihren Bedarf in Frankfurt vorsorglich zu reduzieren. Solange sie keine Flugstreichungen erwartet und Kapazitäten erhalten will, wäre die Darstellung einer akuten Flugplankrise nicht gerechtfertigt.
Hohe Preise bleiben das Ertragsrisiko
Unabhängig von der lokalen Versorgungslage hat JPMorgan gestern das Lufthansa-Kursziel von 7,50 auf 7,00 Euro gesenkt. Die Einstufung bleibt „Neutral“. Analyst Harry Gowers sieht durch die hohen Kerosinpreise Ertragsrisiken für das kommende Jahr.
Damit stehen zwei verschiedene Themen nebeneinander: Die Vorsorge in Frankfurt soll den laufenden Betrieb absichern. Die Analystenwarnung betrifft dagegen die Profitabilität der Fluggesellschaften.
Nach Angaben von Gowers sind die europäischen Kerosinpreise seit Anfang Juli um mehr als 65% gestiegen. JPMorgan kürzte die operativen Gewinnprognosen für die untersuchten Airlines für 2027 im Schnitt um rund 25%.
Bei Netzwerk-Airlines fielen die Kürzungen geringer aus. Sollten die Treibstoffpreise dauerhaft hoch bleiben, erwartet JPMorgan weitere Kapazitätsreduzierungen. Für Lufthansa lautet die derzeitige operative Aussage dagegen ausdrücklich: Zusätzliche Betankung ja, erwartete Flugstreichungen wegen der Versorgungslage in Frankfurt nein.
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