Lufthansa springt, Heidelberger Druck setzt auf Drohnen — fünf Industrie-Aktien im Umbruch

Lufthansa legt zu, Heidelberger Druck steigt ins Drohnen-Geschäft ein. Thyssenkrupp, Hochtief und Rolls-Royce stehen vor wichtigen Weichenstellungen.

Dieter Jaworski ·
Lufthansa Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Lufthansa-Aktie steigt nach Iran-Waffenstillstand
  • Heidelberger Druck gründet Joint Venture für Drohnenabwehr
  • Thyssenkrupp benennt Materialsparte in tk accelis um
  • Hochtief steigt am 22. Juni in den DAX auf

Friedensverhandlungen im Nahen Osten, ein historischer DAX-Aufstieg und ein Druckmaschinenbauer, der plötzlich Drohnen abwehren will: Die Nachrichtenlage im deutschen Industriesektor könnte kaum vielfältiger sein. Während Lufthansa am Freitag einen kräftigen Kurssprung hinlegt, steht Thyssenkrupp vor einer richtungsweisenden Abstimmung. Hochtief bereitet sich auf die große Index-Bühne vor, Rolls-Royce kassiert ein frisches Upgrade — und Heidelberger Druckmaschinen wagt den radikalsten Strategieschwenk der gesamten Gruppe.

Lufthansa: Tagesrally mit Fragezeichen

Der Iran-Waffenstillstand vom April wirkt nach. Am Freitag legte die Lufthansa-Aktie um gut 4 % auf 8,60 € zu — ein Tagesgewinn, der die Hoffnung auf eine schrittweise Normalisierung des Flugverkehrs im Nahen Osten widerspiegelt. Die Sperrung wichtiger Lufträume zwischen Afrika, Asien und Europa hatte die Airline in den vergangenen Monaten empfindlich getroffen. Tausende Flüge mussten gestrichen werden, Umwege trieben den Kerosinverbrauch in die Höhe.

Die Bilanz der Belastungen ist erheblich: Allein 1,7 Milliarden Euro an Zusatzkosten durch volatile Treibstoffpreise und gestrichene Routen drückten im ersten Quartal auf das Ergebnis. Trotzdem stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 8 %. CFO Till Streichert dämpfte die Erwartungen allerdings deutlich — der Jahresgewinn werde niedriger ausfallen als ursprünglich geplant.

An der Bewertung scheiden sich die Geister. Morgan Stanley stufte die Aktie im Mai auf „Underweight“ herab, Barclays wechselte ebenfalls auf „Sell“. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei rund 9,16 € — nur moderat über dem aktuellen Niveau. Die Sommerreisesaison könnte kurzfristig stützen, doch die Abhängigkeit vom Ölpreis und der geopolitischen Lage bleibt das zentrale Risiko.

Heidelberger Druckmaschinen: Vom Speedmaster zum Drohnenabwehrsystem

Wer hätte gedacht, dass ein Traditionshersteller von Druckmaschinen einmal auf einer Bundeswehr-Fachmesse ein modulares Drohnenabwehrsystem präsentiert? Genau das geschah im Mai in Erding. Heidelberger Druckmaschinen hat gemeinsam mit dem US-Partner Ondas Autonomous Systems das Joint Venture ONBERG gegründet, das in Brandenburg an der Havel ein europäisches Zentrum für Anti-Drohnen-Technologie aufbauen soll.

Die klassische Drucksparte wird derweil radikal umgebaut:

  • Die Produktion der Flaggschiff-Maschine Speedmaster CX 104 wandert komplett nach China
  • Ein neues Werk in Nordmazedonien ist in Planung
  • Über 550 Aufhebungsverträge mit deutschen Beschäftigten wurden bereits unterzeichnet

Finanziell liefert die Transformation ein gemischtes Bild. Der Nettogewinn verdreifachte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 15 Millionen Euro. Gleichzeitig rutschte der Free Cashflow auf minus 19 Millionen Euro ab. Für das laufende Geschäftsjahr 2026/2027 erwartet das Management einen Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich — die Investitionen in den Verteidigungsbereich belasten zunächst.

Die Aktie notiert bei 1,55 € und hat seit Jahresbeginn knapp 24 % verloren. Analysten sehen im Schnitt ein Kursziel oberhalb von 2,00 €, was erhebliches Aufholpotenzial signalisiert. Der Defense-Bereich dürfte frühestens in der zweiten Jahreshälfte erste nennenswerte Umsätze beisteuern. Bis das operative Break-even der neuen Sparte erreicht ist, vergehen nach dem Produktionshochlauf voraussichtlich weitere zwölf Monate. Eine Wette mit langem Atem.

Thyssenkrupp: Neustart unter dem Namen tk accelis

Vier Tage. So kurz ist die Frist bis zur Aufsichtsratssitzung am 16. Juni, die über die Zukunft der milliardenschweren Materialhandelssparte entscheidet. Am vergangenen Dienstag hat Thyssenkrupp bereits Fakten geschaffen: Die Sparte firmiert nun unter dem Namen „tk accelis“ — ein klares Signal Richtung Kapitalmarkt.

Die Zahlen unterstreichen die Bedeutung: tk accelis beschäftigt rund 15.500 Mitarbeiter und erwirtschaftet Umsatzerlöse von 11,4 Milliarden Euro. Das entspricht fast einem Drittel des Konzernumsatzes. Das Management favorisiert eine Umwandlung in eine KGaA — eine Rechtsform, die operative Kontrolle auch bei Minderheitsbeteiligung sichern würde. Die IG Metall lehnt das ab und warnt vor einer Aushöhlung der Mitbestimmungsrechte.

Operativ zeigt sich eine deutliche Erholung. Der Auftragseingang kletterte im zweiten Quartal auf 10,6 Milliarden Euro, ein Plus von 32 %. Das bereinigte EBIT sprang von mageren 19 Millionen auf 198 Millionen Euro. Sinkende Rohstoffkosten und erste Restrukturierungserfolge trugen den Großteil dieser Verbesserung.

Die Aktie steht bei 11,41 €, seit Jahresbeginn ein Plus von 18 %. JPMorgan hob das Kursziel zuletzt auf 11,80 € an, bei neutraler Einstufung. Der Analystenkonsens liegt bei rund 12,61 € und signalisiert damit weiteres Aufwärtspotenzial. Die Aufsichtsratssitzung am Montag birgt allerdings echtes Ereignisrisiko — eine saubere Lösung könnte den Weg für eine Neubewertung ebnen, ein Patt die Aktie deckeln.

Hochtief: Auf dem Sprung in den DAX

Die Zahl des Jahres bei Hochtief lautet 203 % — so stark hat die Aktie auf Zwölfmonatssicht zugelegt. Am 22. Juni steigt der Baukonzern in den DAX auf und ersetzt dort die Porsche Holding. Ein historischer Moment für das 150 Jahre alte Unternehmen.

Die Triebfeder hinter dem Höhenflug: KI-Rechenzentren. In den USA boomt die Nachfrage nach Bauleistungen für hyperscale Datenzentren, und Hochtief ist mittendrin. Ergänzt wird das Portfolio durch große Infrastrukturprojekte und steigende Verteidigungsausgaben. Der Umsatz erreichte 2025 rund 38,2 Milliarden Euro, ein Plus von knapp 15 %. Der Gewinn stieg auf 902 Millionen Euro.

Ein zusätzlicher Wachstumshebel ist das Nukleargeschäft. Hochtief übernimmt die Bauleitung für kleine modulare Reaktoren (SMR) von Rolls-Royce in Großbritannien und der EU — eine strategische Partnerschaft, die auf sieben Jahrzehnte Nuklearkompetenz aufbaut.

Die Kehrseite: Die Bewertung ist ambitioniert. Mit einem KGV von über 46 preist der Markt erhebliche Zukunftserwartungen ein. Am Freitag gab die Aktie leicht auf 485,60 € nach. Jefferies und Barclays halten beide an einer „Hold“-Einstufung fest, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 431 € — deutlich unter dem aktuellen Kurs. Die DAX-Aufnahme wird zwar frisches Indexkapital anziehen, aber ob das ausreicht, um die sportliche Bewertung zu rechtfertigen, ist eine offene Frage.

Rolls-Royce: Berenberg setzt auf die Defensive

Berenberg hat am Mittwoch die Rolls-Royce-Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft und das Kursziel von 1.270 auf 1.430 Pence angehoben. Der Analyst George McWhirter hebt vor allem die defensiven Qualitäten des Triebwerksherstellers hervor: In einem Umfeld steigender Kerosinkosten schrumpft typischerweise die Schmalrumpfkapazität stärker als die Langstrecke. Genau dort ist Rolls-Royce dominant vertreten.

Die Aktie reagierte positiv. An der Frankfurter Börse notiert das Papier bei 15,15 €, ein Plus von 3 % am Freitag und knapp 5 % auf Wochensicht. Auf Zwölfmonatsbasis steht ein Zugewinn von rund 43 %.

Neben dem Zivilgeschäft gewinnt das SMR-Programm an Kontur. Die strategische Verknüpfung mit Hochtief bei der Bauleitung für modulare Reaktoren in Europa schafft eine industrielle Partnerschaft, die über einzelne Aufträge hinausgeht. Der Berenberg-Kursanker von 1.430 Pence liegt über dem Analystenkonsens von rund 1.298 Pence — ein Signal, dass zumindest ein gewichtiger Marktteilnehmer weiteres Potenzial sieht.

Industriesektor zwischen Geopolitik und Strukturwandel

Die fünf Aktien zeichnen ein facettenreiches Bild des deutschen Industriesektors im Sommer 2026:

  • Hochtief verkörpert den KI-Infrastruktur-Boom, zahlt dafür aber eine Premiumbewertung
  • Rolls-Royce profitiert als defensiver Langstrecken-Spezialist vom gleichen Megatrend — ergänzt um nukleare Fantasie
  • Thyssenkrupp steht unmittelbar vor einem Governance-Entscheid, der die Transformation beschleunigen oder blockieren kann
  • Lufthansa bleibt ein Spielball geopolitischer Kräfte — jede Entspannung im Iran-Konflikt stützt, jeder Ölpreisschock belastet
  • Heidelberger Druckmaschinen wagt den radikalsten Umbau und braucht die längste Geduld der Anleger

Die kommenden zwei Wochen bringen mit der Thyssenkrupp-Aufsichtsratssitzung am 16. Juni und Hochtiefs DAX-Aufnahme am 22. Juni gleich zwei katalytische Ereignisse. Wer im Industriesektor investiert ist, sollte beide Termine im Kalender markieren.

Anzeige

Lufthansa-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Lufthansa-Analyse vom 12. Juni liefert die Antwort:

Die neusten Lufthansa-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Lufthansa-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 12. Juni erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Lufthansa: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Lufthansa Aktie

8,61 EUR

+ 0,34 EUR +4,11 %
KGV 6,18
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 4,10 %
Marktkapitalisierung 9,63 Mrd. EUR
ISIN: DE0008232125 WKN: 823212

Community Forum zu Lufthansa

Ähnliche Artikel

ING Groep Aktie: Teilausstieg in Thailand

ING Groep Aktie: Teilausstieg in Thailand

Micron Aktie: 915 Milliarden Euro für KI-Speicher

Micron Aktie: 915 Milliarden Euro für KI-Speicher

Nasdaq ·
Oracle Aktie: 638 Milliarden Backlog, 23,7 Milliarden Cashflow-Loch

Oracle Aktie: 638 Milliarden Backlog, 23,7 Milliarden Cashflow-Loch

Earnings ·
Green Bridge Metals Aktie: Drei Assays im Juni erwartet

Green Bridge Metals Aktie: Drei Assays im Juni erwartet

Rohstoffe ·
Lufthansa springt, Heidelberger Druck setzt auf Drohnen — fünf Industrie-Aktien im Umbruch

Lufthansa springt, Heidelberger Druck setzt auf Drohnen — fünf Industrie-Aktien im Umbruch

Industrie ·

Weitere Artikel zu Lufthansa

Alle Artikel anzeigen
Lufthansa Aktie: 700. Airbus-Flugzeug noch 2026

Lufthansa Aktie: 700. Airbus-Flugzeug noch 2026

Industrie ·
Lufthansa Aktie: 19,5 Prozent in 30 Tagen

Lufthansa Aktie: 19,5 Prozent in 30 Tagen

Rüstung & Luftfahrt ·
Lufthansa Aktie: TAP-Einstieg bis 49,9 Prozent geplant

Lufthansa Aktie: TAP-Einstieg bis 49,9 Prozent geplant

Rüstung & Luftfahrt ·
Lufthansa Aktie: Ticketsteuer sinkt im Juli

Lufthansa Aktie: Ticketsteuer sinkt im Juli

Rüstung & Luftfahrt ·
Lufthansa Aktie: Eurowings baut Berlin auf elf Maschinen aus

Lufthansa Aktie: Eurowings baut Berlin auf elf Maschinen aus

Rüstung & Luftfahrt ·