Lululemon Aktie: Senkt Jahresprognose erneut
Schwache Nordamerika-Umsätze und sinkende Leggings-Verkäufe belasten Lululemon. Die Jahresziele wurden erneut reduziert, ein CEO-Wechsel steht bevor.

Kurz zusammengefasst
- Aktie verliert vorbörslich 18 Prozent
- Umsatz im zweiten Quartal gesunken
- Leggings-Verkäufe brechen um 20 Prozent ein
- Heidi O'Neill übernimmt am 8. September
Der kanadische Sportbekleidungshersteller Lululemon steht unter erheblichem Druck. Nachdem das Unternehmen am gestrigen Donnerstag nach US-Börsenschluss zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate seine Jahresprognose gesenkt hat, reagieren Anleger mit deutlichen Verkäufen.
Ausschlaggebend für die negative Stimmung sind schwache Absatzzahlen im Kernmarkt Nordamerika und ein deutlicher Rückgang bei den Verkäufen der zentralen Produktkategorie Leggings. Im heutigen vorbörslichen Handel verliert das Papier 18 Prozent an Wert und notiert bei 85,40 Euro. Damit markiert die Aktie zeitgleich ein neues 52-Wochen-Tief bei ebenfalls 85,40 Euro.
Umsatzschwund im Nordamerika-Geschäft
Die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 2. August endete, unterstreichen die aktuelle Wachstumsschwäche. Der Gesamtumsatz sank um 4 Prozent auf 2,42 Milliarden US-Dollar und blieb damit hinter den Markterwartungen von 2,46 Milliarden US-Dollar zurück.
Besonders deutlich fiel der Rückgang bei den vergleichbaren Umsätzen aus, die konzernweit um 9 Prozent nachgaben. In der Region Amerika betrug das Minus auf vergleichbarer Basis sogar 12 Prozent.
Ein zentrales Problem stellt die Entwicklung im Bereich der Leggings dar, deren Verkäufe im Quartal um 20 Prozent einbrachen. Während das Geschäft in China mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum von 4 Prozent noch einen leichten Lichtblick bot, reichte dies nicht aus, um die Schwäche im Heimatmarkt auszugleichen.
Der Nettogewinn belief sich auf 329,2 Millionen US-Dollar beziehungsweise 2,92 US-Dollar je Aktie. Dieser Wert beinhaltet jedoch eine tarifbedingte Rückerstattung in Höhe von 0,86 US-Dollar je Aktie, ohne die das Ergebnis deutlich schwächer ausgefallen wäre.
Drastische Prognosesenkung und neue Führung
Für das gesamte Geschäftsjahr 2026, das im Januar 2027 endet, rechnet das Management nun mit einem Umsatz zwischen 10,35 und 10,50 Milliarden US-Dollar. Zuvor war das Unternehmen noch von 11 bis 11,15 Milliarden US-Dollar ausgegangen.
Auch beim Gewinn je Aktie (EPS) schraubte Lululemon die Erwartungen deutlich zurück: Statt der bisher prognostizierten 10,95 bis 11,15 US-Dollar werden nun lediglich noch 9,48 bis 9,73 US-Dollar erwartet. Auch der Ausblick auf das laufende dritte Quartal enttäuschte, da der erwartete Umsatz von bis zu 2,32 Milliarden US-Dollar weit unter dem Analystenkonsens von 2,53 Milliarden US-Dollar liegt.
Inmitten dieser operativen Krise steht ein Wechsel an der Spitze des Unternehmens bevor. Am 8. September wird Heidi O’Neill, eine erfahrene Managerin vom Branchenriesen Nike, das Amt des CEO übernehmen. Auf sie wartet die Aufgabe, die Produktinnovationen wieder voranzutreiben und die Kostenstrukturen anzupassen.
Analysten weisen darauf hin, dass Lululemon zuletzt massiv Marktanteile im Athleisure-Segment verloren hat. Während der Anteil von Lululemon um 10 Prozentpunkte sank, konnten Wettbewerber wie Alo und Vuori ihre Positionen ausbauen.
Strategische Initiativen zur Stabilisierung
Um der negativen Entwicklung entgegenzuwirken, setzt Lululemon auf den Ausbau der internationalen Präsenz und neue Geschäftsfelder. In Tokio eröffnete das Unternehmen am 2. September in Harajuku seine größte Filiale im asiatisch-pazifischen Raum.
Das Flagship-Store-Konzept umfasst auf über 1.200 Quadratmetern neben Verkaufsflächen auch Community-Angebote wie Yoga-Kurse und Laufclubs. Japan soll künftig als zentraler Wachstumsknoten für die gesamte Region fungieren.
Zudem expandiert Lululemon in Kanada in den Wiederverkaufsmarkt. Durch das Programm „Like New“ können Kunden gebrauchte Kleidung zurückgeben und erhalten dafür Gutschriften oder Bargeld. In Zusammenarbeit mit einem Partner wurde dafür ein spezialisiertes Verarbeitungszentrum in Calgary in Betrieb genommen.
Trotz dieser Bemühungen zur Kundenbindung und Marktbehauptung bleibt die kurzfristige Lage aufgrund des veränderten Konsumverhaltens in den USA angespannt. Anleger warten nun darauf, welche Impulse die neue Führungsebene ab nächster Woche setzen kann, um den Abwärtstrend zu stoppen.
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