Marinomed Biotech Aktie: 15-Millionen-Streit mit Unither
Marinomed Biotech hat beim Landesgericht Korneuburg ein Sanierungsverfahren beantragt. Ein Zahlungsstreit mit Unither Pharmaceuticals und die Kündigung des Market-Makers belasten das Unternehmen.

Kurz zusammengefasst
- Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet
- Zahlungsstreit mit Unither Pharmaceuticals
- RBI kündigt Market-Maker-Vertrag
- Analysten setzen Kursziele aus
Marinomed Biotech hat den Gang zum Insolvenzgericht vollzogen. Das Landesgericht Korneuburg eröffnete am 23. Juli offiziell das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung über das Vermögen des österreichischen Unternehmens. Zur Sanierungsverwalterin bestellte das Gericht die Rechtsanwältin Dr. Ulla Reisch. Dieser Schritt markiert den vorläufigen Höhepunkt einer wirtschaftlichen Zuspitzung, die durch das Ausbleiben zentraler Zahlungen ausgelöst wurde. Das Papier notierte zum Wochenschluss am Freitag bei 5,40 Euro.
Zahlungsstreit mit Unither führt zur Insolvenz
Ursächlich für die finanzielle Schieflage ist Medienberichten zufolge ein tiefgreifender Konflikt mit dem Partner Unither Pharmaceuticals. Dabei geht es um sogenannte Earn-out-Zahlungen in Höhe von bis zu 15 Millionen Euro, die aus dem Verkauf des Carragelose-Geschäfts im Februar 2025 resultieren sollten. Da Unither die entsprechenden Verhandlungen abbrach und die Liquidität ausblieb, sah sich das Management außerstande, den bereits im November 2024 gerichtlich genehmigten Sanierungsplan weiter zu erfüllen. Nun wird eine neue Sanierungsplanquote von 20 Prozent angestrebt.
Die Krise belastet die Bewertung des Biotech-Unternehmens massiv. Seit Jahresanfang verzeichnete der Titel einen Kursrückgang von 71,73 Prozent. Die Marktkapitalisierung ist inzwischen auf 10,79 Millionen Euro zusammengeschrumpft, was den Handlungsspielraum bei künftigen operativen Schritten erheblich einschränkt.
Bank kündigt Vertrag als Market-Maker
Neben dem gerichtlichen Verfahren sieht sich Marinomed mit weiteren Hürden konfrontiert. Die Raiffeisen Bank International (RBI) kündigte am 22. Juli den Vertrag zur Bereitstellung von Liquiditätsleistungen fristlos auf. Marinomed bestätigte am Freitag, dass das Unternehmen bereits aktiv nach einem neuen Market-Maker sucht, um die Bereitstellung von Liquidität am Handelsplatz sicherzustellen. Ohne einen solchen Partner könnte die Handelbarkeit der Aktie an der Wiener Börse spürbar leiden.
Auch die Finanzberichterstattung ist von den aktuellen Entwicklungen betroffen. Das Unternehmen gab am 22. Juli bekannt, dass die Veröffentlichung des Halbjahresfinanzberichts 2026, die ursprünglich für den 16. September vorgesehen war, auf unbestimmte Zeit verschoben wird. Erst im März hatte sich das Unternehmen durch eine Barkapitalerhöhung einen Bruttoemissionserlös von rund 2,23 Millionen Euro gesichert, um den kurzfristigen Kapitalbedarf zu decken – eine Summe, die angesichts der aktuellen Forderungsausfälle nicht ausreichte.
Analysten reagieren auf existenzielle Unsicherheit
Die Analysten reagierten prompt auf die veränderte Lage. Die GBC AG setzte am 24. Juli ihr bisheriges Kursziel von 51,00 Euro sowie das „Kaufen“-Rating für die Marinomed-Aktie aus und stellte die Bewertung unter Beobachtung. Das Haus verwies dabei auf die Notwendigkeit, die weiteren Entwicklungen im Sanierungsverfahren abzuwarten.
Bereits am 20. Juli hatte First Berlin Equity Research die Einstufung von „Buy“ auf „Under Review“ herabgesetzt. Das Analystenhaus begründete diesen Schritt mit der existenziellen Unsicherheit, die durch das angekündigte Restrukturierungsverfahren entstanden ist. Beide Bewertungen verdeutlichen das hohe Risiko, dem Anleger in der aktuellen Phase des Sanierungsprozesses ausgesetzt sind.
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