Marvell: 2,70 Milliarden Dollar Umsatz-Guidance für Q3

Marvell Technology profitiert stark vom KI-Boom, doch Skeptiker warnen vor Korrektur. Quartalszahlen am 27. August könnten die Bewertung stützen oder brechen.

Eduard Altmann ·
Marvell Technology Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Aktie verdreifacht sich binnen Jahresfrist
  • Quartalszahlen am 27. August erwartet
  • Datacenter-Geschäft dominiert mit 76 Prozent
  • Insider verkaufen trotz Kursrallye

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 77 klingt nach Übertreibung. Bei Marvell Technology ist es die Eintrittskarte in eine Wette, die der Markt gerade mit voller Überzeugung eingeht: dass die Infrastruktur der künstlichen Intelligenz noch Jahre exponentiellen Ausbaus vor sich hat.

Die Aktie hat sich binnen zwölf Monaten fast verdreifacht, seit Jahresbeginn liegt das Plus bei 165 Prozent. Wer da nüchtern bleiben will, muss sich fragen: Trägt das Geschäft diese Bewertung, oder trägt nur die Erzählung?

Am 27. August liefert Marvell die Antwort, zumindest einen Teil davon. Dann meldet der Chiphersteller seine Quartalszahlen, begleitet von einer Prognose, die für das kommende Quartal einen Umsatz von 2,70 Milliarden Dollar in Aussicht stellt – ein Plus von 35 Prozent gegenüber Vorjahr.

Im zuletzt abgeschlossenen Quartal war der Umsatz bereits um 27,6 Prozent auf 2,42 Milliarden Dollar gestiegen, wobei das Datacenter-Geschäft mit 1,83 Milliarden Dollar schon 76 Prozent des Konzernumsatzes ausmachte.

Der Vorstandschef hatte den Ausblick für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 zuletzt sogar angehoben. Marvell ist damit längst kein diversifizierter Halbleiterkonzern mehr, sondern eine Wette auf genau ein Thema: die Verkabelung der KI-Rechenzentren.

Die Nachbarschaft entscheidet mit

Wer verstehen will, warum Anleger Marvell derzeit so viel zutrauen, muss auf die Nachbarn schauen. Optik-Zulieferer wie Lumentum sprechen inzwischen offen von einer historischen Chance: Der dortige Vorstandschef brachte es auf den Punkt, wonach zwei zusätzliche KI-Rechenzentrums-Verbindungen die gesamte Backbone-Kapazität eines Hyperscalers aus dem vergangenen Jahrzehnt verdoppeln könnten.

Auch Marvell wird in diesem Zusammenhang regelmäßig genannt, wenn es um die nächste Welle an AI-Interconnects geht – jene Verbindungstechnik, die Rechenleistung überhaupt erst zu nutzbaren Clustern zusammenschaltet.

Die soziale Aufmerksamkeit für Marvells Position in diesem Feld hat zuletzt spürbar zugenommen, begleitet von Kursgewinnen im niedrigen einstelligen Prozentbereich innerhalb weniger Tage.

Gleichzeitig zeigt sich, wie eng verwoben die gesamte Zulieferkette inzwischen ist. Ein Speicherhersteller kündigt auf einem Investorentag ambitionierte Ziele bis zum Ende des Jahrzehnts an, und binnen Stunden schießen nicht nur die eigenen Aktien nach oben, sondern eine ganze Reihe von Speicher- und Serverwerten zieht mit.

Diese Kettenreaktion ist bezeichnend für den Sektor, in dem Marvell operiert: Niemand liefert isoliert, jede Nachricht eines Zulieferers wird sofort auf die gesamte Lieferkette hochgerechnet – auch wenn die Fundamentaldaten der einzelnen Unternehmen völlig unterschiedlich sind.

Skeptiker melden sich zu Wort

Nicht jeder ist überzeugt, dass diese Rally noch lange trägt. Beobachter warnen bereits vor einer weiteren Korrektur im Halbleitersektor und sehen für Speicherhersteller wegen einer möglichen Angebotsausweitung erhöhtes Risiko in der zweiten Jahreshälfte.

Anwendungsspezifische Chips – also genau das Segment, in dem Marvell zu Hause ist – gelten in dieser Lesart allerdings als vergleichsweise bevorzugt gegenüber klassischen Grafikprozessoren, während einzelne große Namen der Branche unter Druck geraten könnten.

Für Marvell-Aktionäre heißt das: Die Aktie notiert derzeit rund 34 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 290,35 Euro und liegt auch unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 208,40 Euro – ein Zeichen, dass der Markt die Prämie zuletzt bereits ein Stück zurückgenommen hat, selbst während die operative Story intakt blieb.

Zugleich bleibt der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt mit 57 Prozent enorm, ein Beleg dafür, wie stark der Titel den langfristigen Trend nach oben verlassen hat.

Insider verkaufen unterdessen munter weiter – 21 Transaktionen in sechs Monaten ohne einen einzigen Zukauf sind kein Beinbruch, aber auch kein Vertrauensbeweis. Am Ende bleibt die eine Frage, die der Markt am 27. August beantwortet bekommt: Kann ein Unternehmen, dessen Bewertung bereits eine goldene Zukunft einpreist, mit den nackten Zahlen mithalten – oder wird aus der Prämie plötzlich ein Abschlag?

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Marvell Technology Aktie

197,32 EUR

+ 2,32 EUR +1,19 %
KGV 73,09
KUV 22,52
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,11 %
Marktkapitalisierung 194,84 Mrd. EUR
Ø Kursziel 256,91 USD
ISIN: US5738741041 WKN: A3CNLD

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