Marvell: 37,89 Prozent unter Rekordhoch

Marvell Technologies verzeichnet deutliche Kursverluste nach monatelangem KI-Boom. Analysten senken Einstufung und hinterfragen die hohe Bewertung des Chipkonzerns.

Dr. Robert Sasse ·
Abstrakte Darstellung der Halbleiterindustrie mit einem vorsichtigen Marktausblick. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Aktie verliert 25 Prozent in 30 Tagen
  • Bank of America warnt vor überfülltem KI-Trade
  • Erste Group stuft Aktie auf Halten herab
  • Charttechnik zeigt überverkaufte Signale

Marvell galt monatelang als einer der großen Gewinner des KI-Booms. Jetzt testet die Aktie die Geduld ihrer Anleger. Ist das der Anfang vom Ende der Rallye — oder nur eine überfällige Verschnaufpause?

Ein Realitätscheck für die ganze Branche

Am Mittwoch schloss die Aktie bei 180,34 Euro. Dahinter steckt ein wilder Ritt: minus 15,29 Prozent binnen sieben Tagen, minus 25,08 Prozent binnen dreißig Tagen. Zum Vergleich: Auf Jahressicht steht immer noch ein Plus von 136,42 Prozent. Über zwölf Monate sind es sogar 196,08 Prozent.

Der Kurs liegt nun 37,89 Prozent unter seinem Rekordhoch von 290,35 Euro. Dieses Hoch stammt erst von Anfang Juni. Bank of America nennt den gesamten KI-Infrastruktur-Trade inzwischen den „meistüberfüllten Trade aller Zeiten“. Kein Wunder, dass Investoren jetzt vorsichtiger werden.

Strategisch stark, trotzdem unter Druck

Im März investierte Nvidia zwei Milliarden Dollar in Marvell. Der Deal vertieft die Zusammenarbeit bei kundenspezifischen KI-Chips und optischen Verbindungen. Im April kaufte Marvell zusätzlich das Unternehmen Polariton Technologies. Die Übernahme zielt auf optische Übertragungsraten von 3,2 Terabit pro Sekunde — die nächste Generation der Rechenzentrums-Verkabelung.

Diese Schritte zeigen: Marvell baut sein Netzwerk-Geschäft konsequent aus. Die Anleger hat das zuletzt trotzdem nicht überzeugt.

Herabstufung und Insider-Verkäufe

Am 15. Juli senkte die Erste Group ihre Einstufung von „Kaufen“ auf „Halten“. Die Analysten verweisen dabei auf Sorgen um die operative Marge. Zusätzlich kritisieren sie eine hohe Abhängigkeit von wenigen Großkunden. Etwa zur gleichen Zeit verkaufte Finanzchef Daniel Durn Ende Juni eigene Aktien.

Solche Insider-Verkäufe sind für sich genommen kein Alarmsignal. In Kombination mit der Herabstufung nähren sie aber Zweifel am Timing der aktuellen Bewertung.

Charttechnik: überverkauft, aber nervös

Die Aktie notiert 13,46 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 208,39 Euro. Gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt von 112,68 Euro liegt sie dennoch 60,05 Prozent im Plus. Der 14-Tage-RSI von 38,6 nähert sich der überverkauften Zone. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 108,90 Prozent zeigt: Ruhe sieht anders aus.

Der Analysten-Konsens sieht ein Kursziel von 220,67 Euro. Das entspräche einem Potenzial von 22,4 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs. Mit einer Marktkapitalisierung von 185,15 Milliarden Euro bleibt Marvell trotz der Talfahrt ein Schwergewicht im Networking-Segment.

Die kommenden Wochen entscheiden, ob die Aktie die 50-Tage-Linie bei rund 208 Euro zurückerobert. Hält der Kurs das aktuelle Niveau um 180 Euro, bleibt das Kursziel von 220,67 Euro ein realistisches Szenario. Rutscht die Aktie darunter, dürfte die Debatte über eine überhitzte KI-Bewertung neue Fahrt aufnehmen.

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Marvell Technology Aktie

204,40 EUR

+ 7,62 EUR +3,87 %
KGV 77,46
KUV 21,26
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,10 %
Marktkapitalisierung 211,20 Mrd. USD
Ø Kursziel 285,00 USD
ISIN: US5738741041 WKN: A3CNLD

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