Marvell: Amazon erhöht Investitionen auf 220 Milliarden
Marvell-Aktie erholt sich dank Amazons erhöhter Cloud-Investitionen. Der KI-Chip-Lieferant profitiert vom Trainium-3-Hochlauf und baut Kapazitäten in Indien aus.

Kurz zusammengefasst
- Amazon erhöht Cloud-Investitionen auf 220 Milliarden Dollar
- Marvell profitiert von Trainium-3-Hochlauf
- 250 Millionen Dollar Investition in Indien
- Datacenter-Segment treibt Wachstum mit 50 Prozent
Marvell Technology gewinnt am Freitag 2,42 Prozent und schließt bei 162,72 Euro. Der Kurssprung kommt an einem heiklen Punkt: In den vergangenen 30 Tagen hatte die Aktie 27,65 Prozent verloren. Nun sorgen neue Ausgabenpläne der großen Cloud-Anbieter für frischen Optimismus rund um Marvells Custom-Chip-Geschäft.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 290,35 Euro aus dem Juni bleibt die Aktie noch 43,96 Prozent entfernt. Der Auslöser für die aktuelle Erholung sitzt jedoch nicht im eigenen Zahlenwerk, sondern bei einem der wichtigsten Kunden.
Amazon erhöht die Investitionslatte
Amazon hat bei der Vorlage der Quartalszahlen am 30. Juli seine Investitionsplanung für 2026 kräftig angehoben. Statt der bisher angepeilten 200 Milliarden Dollar sollen es nun rund 220 Milliarden Dollar werden. Grund ist der beschleunigte Ausbau der AWS-Cloud und der dazugehörigen KI-Rechenzentren.
Für Marvell zählt das direkt. Der Chiphersteller liefert kundenspezifische KI-Chips und schnelle optische Interconnects genau für solche Infrastrukturprojekte. Analysten weisen zudem darauf hin, dass Amazon selbst bei den höheren Ausgaben bis 2027 mit einer Nachfrage rechnet, die das verfügbare Rechenzentrums-Kapazität übersteigt. Für Zulieferer wie Marvell bedeutet das einen Rückenwind, der über mehrere Jahre tragen könnte.
Trainium 3 und die Indien-Investition
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht Marvells Sparte für maßgeschneiderte Chips, die sogenannten XPUs. Marvell und Amazon verbindet eine Fünfjahres-Vereinbarung für kundenspezifische KI-Produkte. Analysten der Investmentbank KeyBanc sehen im Hochlauf von Amazons neuem KI-Chip Trainium 3 einen wichtigen Wachstumstreiber für dieses Marvell-Segment.
Um mit dem wachsenden Auftragsvolumen Schritt zu halten, baut Marvell seine Entwicklungskapazitäten aus. Am 29. Juli bestätigte der Konzern eine Investition von 250 Millionen Dollar in Indien über die kommenden drei Jahre. Das Geld fließt in den Ausbau der Standorte Bangalore und Hyderabad. Marvell will dort die Belegschaft verdoppeln, um die Entwicklung neuer KI-Technologien voranzutreiben.
Datacenter-Geschäft trägt den Konzern
Der Umbau von Marvell zeigt sich längst in der Umsatzstruktur. Das Datacenter-Segment stellt inzwischen den weit größten Teil der Konzernerlöse. Das Management rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem Wachstum von 50 Prozent in dieser Sparte, getragen von der Drei-Säulen-Strategie aus Interconnect, Switching und Custom Silicon.
Trotz der Kursschwäche der letzten Wochen steht die Aktie seit Jahresbeginn noch immer 123,24 Prozent im Plus. Der 14-Tage-RSI von 40,8 zeigt an, dass die Aktie nach der Korrektur aus überkaufter Zone herausgelaufen ist — Raum für eine Stabilisierung wäre also vorhanden.
Der langfristige Aufwärtstrend bleibt intakt, das zeigt der deutliche Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt bei 118,27 Euro. Ob die jüngste Amazon-Nachricht reicht, um die Aktie nachhaltig aus der 30-Tage-Schwäche zu führen, hängt nun davon ab, wie schnell sich der Trainium-3-Hochlauf in echten Auftragszahlen niederschlägt.
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